Ueli Zingg – SATZ

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«Satz» ist ein sprach­li­ches Expe­ri­ment im Wort­sinn: Das gesam­te Buch besteht – abge­se­hen von Titel und Klap­pen­text – aus einem ein­zi­gen, unun­ter­bro­che­nen Satz, der sich über das gan­ze Werk zieht. Schon der ers­te Halb­satz führt das Pro­gramm vor: Jeder schein­bar fest­ste­hen­de Aus­sa­ge­satz sei im Grun­de ein getarn­ter Fra­ge­satz, jede Wahr­heit nur eine aus Angst vor der Unge­wiss­heit erstarr­te Behauptung.

Im Zen­trum steht ein Dia­log – genau­er: ein mono­lo­gi­sches Wech­sel­spiel aus Erin­ne­rung, Zitat und Ein­wurf – zwi­schen dem Ich-Erzäh­ler Kes­ten­holz und sei­nem Gegen­über Aber­egg, einem sprach­ver­lieb­ten, miss­traui­schen Kauz, der stän­dig mur­melnd vor sich hin redet und dafür von sei­nen Mit­men­schen belä­chelt wird. Zwi­schen Schuld und Spra­che, Bewusst­sein und Recht­fer­ti­gung, Tod und Sinn­su­che pen­delt der Text unauf­hör­lich, gar­niert mit bis­si­gem Witz über Kon­sum­kul­tur (eine fik­ti­ve Fer­tig­sup­pe namens «Juli­en­ne»), Busi­ness­jar­gon und die Pein­lich­keit des Immer-erklären-Müssens.

Der Klap­pen­text bringt die Poin­te des gan­zen Buches auf den Punkt: «Kes­ten­holz und Aber­egg wech­seln das eine und auch ande­re Wort, essen dann aber doch kei­ne gemein­sa­me Beu­tel­sup­pe (geschmack­li­che Dif­fe­ren­zen).» Der Autoren­ver­merk – «Pen­sio­när am Thu­ner­see. Jedes Buch ist ein Erst­ling.›» – unter­streicht die selbst­iro­ni­sche Grundhaltung.
For­mal radi­kal, inhalt­lich ver­spielt-phi­lo­so­phisch, ist «Satz» ein Buch, das die Fra­ge, ob und wie Spra­che über­haupt Sinn stif­ten kann, nicht nur behan­delt, son­dern selbst vor­führt – bis zum letz­ten, offen blei­ben­den «Wirk­lich?»

Ueli Zingg – Satz
1. Auf­la­ge 2018, 144 Seiten
edi­tion ensuite
ISBN 978–3–9523061–6–1

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