Ein philosophisches Kammerspiel über das Dasein in Fragmenten: In «Vorläufig» lässt Ueli Zingg Jäger und Jägerin, ein Rudel Hunde, zwei klagende Raben, brütende Hühner und einen zögerlichen Hasen zur Bühne werden für eine unerbittliche Denkbewegung um Sein und Schein, Zweifel und Gewissheit, Zufall und Sinn.
Zwischen kurzen, oft komischen Alltagsszenen – die Jägerin schnürt vorm Spiegel ihren Busen, der Jäger verfasst eine Kontaktanzeige und verstummt – entfalten sich dichte, sprachverliebte Denkstücke: über die Unmöglichkeit, das Gemeinte je auszusprechen, über Nacktheit als Kostüm der Wahrheit, über Glauben als Verlust des Verstandes, über die ewige Wiederkehr des Immergleichen. Zwei knappe Merksätze rahmen das Buch: «Der Weltuntergang ist im Zu-Ende-Gedachten» zu Beginn, «In der Niederschrift des Denkens lauert die Hoffnung auf Unsterblichkeit» am Schluss – Klammern, die den ganzen Kosmos des Textes markieren.
Zingg schreibt assoziativ, oft ohne Satzzeichen, in mäandernden Kaskaden, die Kant, Schopenhauer und die kantische Antinomie ebenso streifen wie Pandoras Büchse, das Jüngste Gericht oder eine Kontaktanzeige. Ironie, Aphorismus und Fabel verschmelzen zu einem eigenwilligen Ton, der grosse Fragen – Tod, Freiheit, Liebe, Sprache – nie beantwortet, sondern immer wieder neu, respektlos und lustvoll umkreist.
«Vorläufig» ist kein Buch zum Durchlesen, sondern zum Innehalten: eine Einladung, das eigene Denken beim Denken zu ertappen – zweifelnd, spielerisch, unversöhnt.
Das ist 23. Buch von Ueli Zingg …
Ueli Zingg – Vorläufig
1. Auflage 2025, 130 Seiten
edition ensuite
ISBN – 978–3‑9523061–9‑2











