Ueli Zingg – una schala

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«una scha­la – Tisch­Tuch­Tex­te» von Ueli Zingg ist eine Samm­lung von rund 30 asso­zia­tiv-phi­lo­so­phi­schen Pro­sa­stü­cken, die den Unter­ti­tel wört­lich neh­men: Gedan­ken, «kurz an kurz gereiht wie auf einem Tisch­tuch». Der Ich-Erzäh­ler kreist in mäan­dern­den, oft iro­nisch gebro­che­nen Refle­xio­nen um das Den­ken selbst – sei­ne Unauf­halt­sam­keit, sei­ne Ver­gäng­lich­keit und die Illu­si­on, Gedan­ken könn­ten «fest­ge­hal­ten» oder als wirk­lich eige­ne bean­sprucht werden.

Zen­tra­le Moti­ve sind Frei­heit ver­sus Pflicht, die Span­nung zwi­schen indi­vi­du­el­lem und all­ge­mei­nem Glück, Zwei­fel als Lebens­grund­la­ge sowie das Schei­tern gros­ser ideo­lo­gi­scher Gewiss­hei­ten (Mar­xis­mus, Ver­nunft­phi­lo­so­phie). In traum­ar­ti­gen Sze­nen tre­ten his­to­ri­sche Den­ker leib­haf­tig auf – Kant erscheint buck­lig am Bett des Erzäh­lers und ver­tei­digt sei­ne Pflicht­ethik, Hork­hei­mer kom­men­tiert im Vor­bei­ge­hen, ein geal­ter­ter Pia­nist (Anspie­lung auf Ador­no) spielt «fal­sche Töne» –, wodurch gros­se phi­lo­so­phi­sche Posi­tio­nen iro­nisch-melan­cho­lisch rela­ti­viert werden.

Durch­ge­hen­de Gesprächs­part­ne­rin ist die Haus­kat­ze Pami­na, mit der der Erzäh­ler in scharf­sin­ni­gen, oft komi­schen Dia­lo­gen über Lust, Lie­be, Frei­heit und Spra­che debat­tiert; sie fun­giert als lako­ni­sches, ent­lar­ven­des Gegen­über zu sei­ner Grü­be­lei. Wei­te­re Kapi­tel behan­deln u.a. The­men wie Kür­ze und Ver­gäng­lich­keit, Ero­tik, Gerüch­te, Oper, Kunst, Weih­nach­ten und Thea­ter – stets in einem ver­spiel­ten, wort­spiel­rei­chen, bewusst zwie­späl­ti­gen Stil mit Bern­deutsch-Ein­spreng­seln. Der Autor (geb. 1945) beschreibt sich selbst süf­fi­sant als «ehe­mals lin­ker Mit­läu­fer, der heu­te am rech­ten Thu­ner­see­ufer schlen­dert» – ein Mot­to, das die gesam­te Samm­lung prägt: iro­ni­sche Distanz zu frü­he­ren Gewiss­hei­ten bei gleich­zei­tig ernst­haf­ter, uner­müd­li­cher Denklust.

Ueli Zingg – una scha­la – TischTuchTexte
1. Auf­la­ge 2022, 190 Seiten
edi­tion ensuite
ISBN 978–3–9523061–8–5

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