Frag­li­ches Erleb­nis ZFF

Von Mor­ga­ne A. Ghi­lar­di – Glanz und Gla­mour – die­se Wor­te sind beim Zurich Film Fes­ti­val klar im Fokus (nicht Zürich Film­fes­ti­val, übri­gens, da ja sehr inter­na­tio­nal). Jähr­lich wird ver­sucht, mög­lichst vie­le gros­se Namen über den roten – halt! – grü­nen Tep­pich wan­dern zu las­sen, und dies mit beacht­li­chem Erfolg. Schliess­lich haben sich ja schon Hugh Jack­man, John Tra­vol­ta, Sean Penn, Lau­rence Fishb­ur­ne und ande­re ein­la­den und mit «Gol­den Eye» oder «Gol­den Icon Award» aus­zeich­nen lassen.

Für uns Zür­cher ist das eigent­lich flott. Die loka­le Pro­mi­nenz darf sich mit Stars ablich­ten las­sen, das Fuss­volk bestaunt sie aus der Fer­ne, und die Ciné­phi­len kön­nen mit gutem Gewis­sen einen Nach­mit­tag schwän­zen und ins Kino sit­zen, um einen Film zu schau­en, den sie viel­leicht nie mehr auf einer Gross­lein­wand oder im Ori­gi­nal­ton sehen wer­den. Inso­fern soll­te man sich nicht bekla­gen, denn es ist schön, dass wir neben dem Thea­ter­spek­ta­kel einen Kul­tur­event haben, der die Stadt ein­mal im Jahr auf einer sol­chen Ska­la absorbiert.

Es gibt dabei ein­fach ein paar Unstim­mig­kei­ten. Die Fes­ti­val­lei­tung strahlt nach aus­sen das Image einer gut geöl­ten, gol­dig-präch­ti­gen Maschi­ne aus, die sich in den 10 Jah­ren so viel Pres­ti­ge ange­fres­sen hat, dass die Stars kaum war­ten kön­nen auf eine Ein­la­dung vom ZFF. Dabei sieht die Rea­li­tät dahin­ter ganz anders aus: Das Fes­ti­val baut auf der Arbeit einer Viel­zahl von Volon­tä­ren sowie eines schein­bar uner­müd­li­chen Teams von jun­gen Leu­ten auf, die im Som­mer Blut schwit­zen, um einen mehr oder weni­ger rei­bungs­lo­sen Ablauf zu gewähren.

Auch sind wir, die wir Kino­kul­tur schät­zen, nicht unbe­dingt die glei­chen, die anbie­dern­den Galas und Awards nach­frö­nen. Viel mehr freu­en wir uns auf den mensch­li­chen Aspekt, auf das Zusam­men­kom­men und kri­ti­sche oder genies­se­ri­sche Betrach­ten neu­er Film­kunst, und auf die Gesprä­che mit Fil­me­ma­chern und ‑lieb­ha­bern. Dar­um halt trotz­dem: Viel Spass am 10. Zurich Fim Festival.


Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 141, Sep­tem­ber 2014



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