Fan­tas­ti­sche Fil­me: Trud­no byt bogom (2013)

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Es ist alles ande­re als eine ange­neh­me Welt, die einem hier wäh­rend drei­er lan­gen Stun­den gezeigt wird. Eine Welt, die an etwas erin­nert, das wir uns unter dem Begriff «Mit­tel­al­ter» vor­stel­len, dazu um ein Viel­fa­ches poten­ziert. Hier reg­net oder schneit es fast immer, und der Boden besteht aus einer Mischung aus Schlamm, Gekrö­se und Exkre­men­ten. Es muss unglaub­lich stin­ken. Den gro­tes­ken Figu­ren, die die­se Welt bevöl­kern und die aus­se­hen, als wären sie direkt dem Uni­ver­sum von Hie­ro­ny­mus Bosch oder Pie­ter Brue­gel dem Älte­ren ent­sprun­gen, waschen sich offen­bar nie. Ganz nah ist die Kame­ra an schweis­si­gen, ver­dreck­ten Gesich­tern und fet­ti­gen Haa­ren. Und die Men­schen pie­sa­cken sich gegen­sei­tig unun­ter­bro­chen bis hin zu Mord und Totschlag.

Geschaf­fen hat die­se schwarz-weis­se, schmutz­star­ren­de Dys­to­pie der rus­si­sche Regis­seur Alex­ei Ger­man für sei­ne Ver­fil­mung des Sci­ence-Fic­tion-Romans «Es ist schwer, ein Gott zu sein» der Gebrü­der Arka­di und Boris Stru­gaz­ki, wel­che u. a. auch die lite­ra­ri­sche Vor­la­ge zu Tar­kow­skis «Stal­ker» ver­fass­ten. Im Roman geht es um eine fort­schritt­li­che, gebil­de­te Gesell­schaft, die Wis­sen­schaft­ler auf einen ande­ren Pla­ne­ten schickt, auf dem sich die Men­schen auf einer bar­ba­ri­schen Zivi­li­sa­ti­ons­stu­fe befin­den. Die Wis­sen­schaft­ler sol­len die­se Gesell­schaft stu­die­ren und mit­tels Body­cams doku­men­tie­ren, ohne selbst in den Lauf des Gesche­hens ein­zu­grei­fen. Einer der Wis­sen­schaft­ler wider­setzt sich die­sen Auf­la­gen. Und am Schluss ist unklar, was die Wis­sen­schaft­ler auf der Erde mehr inter­es­siert – die frem­de, «zurück­ge­blie­be­ne» Gesell­schaft oder die Ver­hal­tens­wei­se ihrer Kol­le­gen in dem zugrun­de lie­gen­den Setting.

Der Stoff wur­de bereits 1989 in einer deutsch-fran­zö­sisch-rus­si­schen Kopro­duk­ti­on vom deut­schen Fil­me­ma­cher Peter Fleisch­mann («Jagd­sze­nen aus Nie­der­bay­ern») ver­filmt. Bei ihm ist dar­aus ein line­ar erzähl­ter Kos­tüm­schin­ken gewor­den, der uns wie auf einer Guck­kas­ten­büh­ne vor­ge­führt wird. Sehr anders die Ver­si­on von Ger­man: Hier sind wir per­ma­nent mit­ten im Gesche­hen, suh­len uns in Lehm, Blut und Scheis­se. Und man muss schon sehr genau den Dia­lo­gen fol­gen, um über­haupt noch den Plot hin­ter die­sem Tohu­wa­bo­hu der Toll­hei­ten zu erken­nen. Denn Ger­man nimmt ger­ne schein­ba­re Neben­säch­lich­kei­ten ins Zen­trum und ver­bannt die eigent­li­che Hand­lung an den Bild­rand oder sogar ganz ins Off. Ohne das Buch gele­sen oder zumin­dest den Fleisch­mann-Film gese­hen zu haben, ist man hier heil­los über­for­dert. Dafür erwar­tet einen ein ein­zig­ar­ti­ges Erleb­nis, das noch lan­ge nachhallt.

Der Per­fek­tio­nist Alex­ei Ger­man hat in sei­nem Leben bloss fünf Fil­me rea­li­sie­ren kön­nen, und «Trud­no byt bogom» war sein letz­ter. Er ver­starb noch wäh­rend der Post­pro­duk­ti­on, sechs Mona­te vor der Urauf­füh­rung des Films im Novem­ber 2013 am Römer Film­fes­ti­val. Sei­ne Frau Svet­la­na Kar­ma­li­ta und sein Sohn Alex­ei Ger­man jr. stell­ten das Werk fer­tig. Mit dem Stoff hat sich Ger­man fast ein hal­bes Jahr­hun­dert beschäf­tigt. Eine ers­te Dreh­buch­fas­sung erstell­te er bereits in den spä­ten 60er-Jah­ren, damals noch in Zusam­men­ar­beit mit Boris Stru­gaz­ki. Meh­re­re Pro­jek­te zer­schlu­gen sich in der Fol­ge. Die Dreh­ar­bei­ten began­nen dann 2000 und dau­er­ten bis 2008, wor­auf noch vie­le Jah­re Arbeit am Schnitt folg­ten. Die Pro­duk­ti­ons­kos­ten von geschätz­ten 7 Mil­lio­nen Fran­ken konn­ten nie ein­ge­spielt werden.

«Trud­no byt bogom» («Es ist schwer, ein Gott zu sein»), Russ­land 2013, 177 Minu­ten. Regie: Alex­ei Ger­man; Dreh­buch: Svet­la­na Kar­ma­li­ta, Alex­ei Ger­man, Arka­di Stru­gaz­ki, Boris Stru­gaz­ki; Kame­ra: Vla­di­mir Ilin, Yuriy Kli­men­ko; Schnitt: Iri­na Gor­ok­hovs­ka­ya, Maria Amo­so­va; Musik: Vik­tor Lebe­dev; Aus­stat­tung: Ser­gei Kokov­kin, Geor­gi Kro­pa­chev; Pro­duk­ti­on: Vik­tor Izve­kov, Rus­han Nasi­bu­lin, Leo­nid Yar­mol­nik. Mit: Leo­nid Yar­mol­nik (Don Rumata), Alex­an­dr Chut­ko (Don Reba), Yuriy Tsu­ri­lo (Baron Pam­pa), Evge­niy Ger­cha­kov (Budakh), Nata­lia Mote­va (Ari), Leo­nid Timt­s­unik (Ari­ma) …



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