Es ist auffallend, wie das Tempo der technologischen Neuerfindungen im letzten Jahr zurückgegangen ist – es werden kaum noch «neue» Geräte oder bahnbrechende Neuerungen vorgestellt. Zur Zeit wird vor allem verkleinert, mit bestehenden Formen experimentiert, oder verworfen.
Selbst die Mobile-Branche bringt kaum noch Neuheiten. Sind die Märkte übersättigt? Oder fehlt es an Ideen? Sicher ist, dass dies bald Auswirkungen auf die Börse haben wird. Samsung – eigentlich ein Gigant in der Branche – hat bereits Mühe. Nur Apple scheint oben auf zu schwimmen. Die Ideenlosigkeit wird dann zum ernsthaften Problem, wenn die Banken zögerlich werden und keine Kredite mehr sprechen, um neue, gigantische Ideen umzusetzen. Diese Geschichte hatten wir bereits mehrmals. Wie die Dominosteine fallen dann gewisse Firmen um – oder aber springen in die Höhe, weil sie noch blenden können. Denn etwas anderes als «blenden» tun die Märkte an der Börse nicht. Und wer nicht ins Licht schaut, kann damit Geld verdienen.
Technik gehört schon lange zu unserem Alltag, und ist gleichzeitig ein Kulturgut geworden. Technik ist aber den Märkten untergeordnet – die Frage stellt sich also berechtigterweise, ob die Technik uns anleitet, oder wir Menschen die Technik führen und bedienen. In vielen Fällen darf man Zweifel hegen. Erfindungen verlocken zur Selbstdarstellung und können uns massgebend beeinflussen. Naheliegend, dass ich dabei aus Aktualitätsgründen an «Selfies» denke, die man eigentlich seit der Erfindung der Kameras machen kann – die aber erst jetzt, durch die vereinfachte Technik und deren Möglichkeiten, weitherum Verbreitung finden und einladen, die Erzeugnisse sofort mit der Welt zu teilen. Die Frage nach dem «wozu?» ist mir noch nicht beantwortet worden. Zumindest nicht glaubwürdig.
Insofern sehe ich beispielsweise eine Notwendigkeit, nicht nur «Kulturvermittlung» zu betreiben, sondern auch «Techniknutzungsvermittlung» – Aufklärung über deren Gebrauch. Ich fände es gut, wenn ich weiss, wie ein Auto funktioniert, eine Waschmaschine, die Mikrowelle. Aber heute sprechen wir über den Medienserver im Wohnzimmer, die kabellose Vernetzung der Heimgeräte. Wer schon einmal versucht hat, alle Adressbücher, Kontakte und Terminkalender auf seinem Computer mit Mobiles zu synchronisieren, weiss, wie kompliziert das ist. Noch viel wichtiger ist es, den Umgang mit der Software zu lernen. So könnte viel Unfug wie Erpressereien mit «Nacktselfies» verhindert werden. Die digitale Zeit ist da – aber wir haben das Handbuch noch immer nicht gelesen – oder nicht verstanden.
Bild: SINDEX 2014, 2.–4. 9.2014 – BERNEXPO, zVg.
Publiziert: ensuite Ausgabe Nr. 141, September 2014






