Gros­se The­men, gros­se Geschich­ten, Übung 1

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Es wäre eine Behaup­tung, zu sagen, dass Weih­nachts­ge­schich­ten ein eige­nes Gen­re sind. Tat­säch­lich haben aber vie­le Maga­zi­ne und Zei­tun­gen – jeden­falls frü­her – im Hin­blick auf die Win­ter­zeit regel­mäs­sig eine oder meh­re­re die­ser Geschich­ten für die Lese­rIn­nen­schaft abge­druckt. Hier kann man also von einer Tra­di­ti­on spre­chen und gleich­zei­tig einen Schreib­an­lass dar­aus machen, der für AutorIn­nen viel­fäl­tig umge­setzt wer­den kann. In die The­ma­tik Weih­nachts­ge­schich­te darf nahe­zu alles rein­ge­packt wer­den, was sich in die­ser fest­li­chen Zeit abspielt und dem Grund­ge­dan­ken «Nächs­ten­lie­be» respek­ti­ve den Inter­ak­tio­nen zwi­schen Men­schen zuge­ord­net wer­den kann. An eine beson­ders schö­ne Sto­ry erin­ne­re ich mich, die aber gar nicht in Print­form vor­liegt, son­dern in einem Film vor­kommt. Der Dreh­buch­au­tor Paul Aus­ter liess bei «Smo­ke» den Tabak­la­den­be­sit­zer einem Jour­na­lis­ten erzäh­len, wie er zu sei­ner Foto­ka­me­ra kam. Die Haupt­fi­gur «beschenk­te» sich sel­ber, als sie einer älte­ren blin­den Frau half und wenig spä­ter bei die­ser in der Woh­nung sass – am Weih­nachts­abend. Die Kame­ra nahm der Laden­be­sit­zer aus der Woh­nung mit, in der es erstaun­li­cher­wei­se eini­ge Exem­pla­re gab. Alle noch durch die Ori­gi­nal­ver­pa­ckung geschützt. Das war ver­däch­tig – Raub­gut? Dann war das Mit­neh­men sowie­so kein Ver­bre­chen. Auf­ge­schrie­ben hat die­se selt­sa­me und doch fas­zi­nie­ren­de Geschich­te schluss­end­lich der Freund des Prot­ago­nis­ten, der zum Dank auch gleich das Mit­tags­es­sen im Restau­rant bezahl­te. So gin­gen sie aus­ein­an­der. So «pas­sie­ren» die schöns­ten Beschrei­bun­gen die­ser spe­zi­el­len Zeit, die immer ein wenig wahr und auch ein wenig erfun­den sind. Immer fal­len die Men­schen, die sie erzäh­len, durch ihre gros­se Auf­merk­sam­keit auf. Sie las­sen sich nicht in die Hek­tik des Dezem­bers rein­zie­hen und erken­nen so auch des­sen Magie.

Weih­nachts­ge­schich­ten müs­sen nicht einen lan­gen Umfang haben. Mit nur weni­gen Sät­zen bis hin zu vie­len Sei­ten kann der Zau­ber erfasst wer­den. Schluss­end­lich geht es um Begeg­nun­gen zwi­schen Men­schen – zufäl­lig oder gewählt. Man trifft sich, gerät anein­an­der und ver­trägt sich wie­der. Umge­kehrt funk­tio­niert das Gan­ze auch. Eine Zeit zusam­men sein, um das Allein­sein zu durch­bre­chen. Was bleibt, ist, dass man wie­der aus­ein­an­der­geht. Men­schen, die ande­re Men­schen ver­mis­sen, tun dies beson­ders an Weih­nach­ten, obwohl der Ver­lust eigent­lich das gan­ze Jahr über drü­cken müss­te. Ein­sam­keit ist wenig im Som­mer spür­bar – in der Win­ter­zeit aber uner­träg­lich. Die­se The­men in Tex­ten zu ver­ar­bei­ten, kann Übung sein oder auch zu einer Pas­si­on wer­den. Viel­leicht ent­steht dar­aus etwas Grös­se­res oder nichts: zer­knüll­tes Papier im Abfall­ei­mer. Es tut gut, mal wie­der einen kon­kre­ten Text­auf­trag zu haben – auch wenn er eigent­lich völ­lig frei ist. Schnell hin­ge­wor­fe­ne Abschnit­te. Durch­ge­stri­che­ne Pas­sa­gen. Ein klei­nes Heft­chen genügt. Durch die Schei­be im Lieb­lings­ca­fé den Weih­nachts­rum­mel beob­ach­tend, so ver­brin­gen AutorIn­nen die letz­ten Tage im Jahr. An ihnen vor­bei fliesst die Men­schen­mas­se. Mehr ist es nicht.



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