Men­schen & Medi­en: Auto­pi­lot fürs Leben bitte!

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Das Wort Resi­li­enz ist gera­de sehr popu­lär und geis­tert durch Medi­en und Talk­shows. Doch was genau bedeu­tet es? Im gesell­schaft­li­chen Kon­text bedeu­tet Resi­li­enz nicht, dass ein Mensch wie ein Hulk durch das Leben geht und Autopneus wie Guetz­li zwi­schen den Zäh­nen zer­malmt. Auch ist nicht eine kurz­fris­ti­ge Wider­stands­fä­hig­keit in einer Extrem­si­tua­ti­on damit gemeint. Viel­mehr geht es um kon­stan­te inne­re Stär­ke, schnel­le Rege­ne­ra­ti­ons­fä­hig­keit nach einer Kri­se und um Anpas­sungs­fä­hig­keit. Men­schen und Gesell­schaf­ten, die die­se Fähig­kei­ten besit­zen, haben kei­ne Angst vor Kri­sen und gehen des­we­gen, auch zum offen­sicht­li­chen Nach­teil für sich selbst, poten­zi­ell schwie­ri­gen Situa­tio­nen nicht aus dem Weg, son­dern sind bereit, die­se Schwie­rig­kei­ten zu meis­tern. Und wenn sie doch kei­nen Erfolg erzie­len, stür­zen sie nicht ent­mu­tigt in eine dau­er­haf­te Kri­se. Was hat das mit den Medi­en und den News zu tun?

Gemäss aktu­el­len Stu­di­en brei­tet sich unter den jun­gen Erwach­se­nen die News-Abs­ti­nenz rasend schnell aus. Sie haben genug von schlech­ten Nach­rich­ten und Pro­gno­sen auf allen Kanä­len, sind der Infor­ma­ti­ons­flut über­drüs­sig und füh­len sich macht­los gegen­über der all­sei­tig beschwo­re­nen Zukunfts­kri­sen. Gene­rell zählt zum Bei­spiel eine fög-Stu­die 46,4 % der Schwei­zer Bevöl­ke­rung zu den News-Depri­vier­ten, zu den­je­ni­gen, die sel­ten oder kaum pro­fes­sio­nel­le jour­na­lis­ti­sche Nach­rich­ten kon­su­mie­ren und kein demo­kra­tie­re­le­van­tes Wis­sen über aktu­el­le Ereig­nis­se vor­wei­sen (Jahr­buch Qua­li­tät der Medi­en 2025). Ein sol­cher Rück­zug ins Pri­va­te basiert auf min­des­tens zwei Fehl­an­nah­men. Ers­tens sind wir nicht macht­los – unse­re Mei­nung und unser Tun sind in einer Demo­kra­tie mehr denn je gefragt. Zwei­tens wird man nicht glück­li­cher und zufrie­de­ner, wenn man sich durch mut­wil­li­ges Des­in­ter­es­se kom­plett aus den gesell­schaft­li­chen Gescheh­nis­sen und Dis­kus­sio­nen raus­nimmt. Es ist, wie in einem Auto am Steu­er zu sit­zen und zu sagen: «Also, das Auto kann von mir aus selbst fah­ren, da vor­ne ist eine Mau­er, und ich kann nichts machen. Am bes­ten schlies­se ich die Augen – viel­leicht pas­siert nichts Schlim­mes.» Und stel­len Sie sich vor, was pas­siert, wenn fast die Hälf­te der Auto­fah­re­rIn­nen plötz­lich die Augen schliesst. Boom!

In Deutsch­land lief im Novem­ber eine hit­zi­ge Debat­te wegen des neu­en Geset­zes­ent­wurfs zur Arbeit nach der Ren­te. In die­sem Zusam­men­hang war eine Repor­ta­ge beson­ders inter­es­sant, in der die Arbeit­ge­ber die Arbeits­kräf­te, die sie nach der Ren­te beschäf­tig­ten, cha­rak­te­ri­sier­ten: Im Unter­schied zu den jun­gen Ange­stell­ten brin­gen älte­re Ange­stell­te nicht nur mehr Erfah­run­gen und Qua­li­fi­ka­tio­nen mit, son­dern sie sind unter ande­rem 1.) pünkt­li­cher und 2.) weni­ger krank­heits­be­dingt abwe­send, und 3.) arbei­ten sie nicht in ers­ter Linie, um Spass zu haben. Na, dann bin ich beru­higt, was unse­re Zukunft angeht, solan­ge die Boo­mer-Gene­ra­ti­on noch arbeitet!

Eine ganz ande­re Sto­ry mit weit­rei­chen­den Fol­gen läuft gera­de zwi­schen den USA und Eng­land: Der US-Prä­si­dent Donald J. Trump droht der öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stalt BBC wegen Ver­leum­dung mit einer 5‑Mil­li­ar­den-Kla­ge. Die BBC ent­schul­dig­te sich zuvor in aller Form bei Trump für einen jour­na­lis­tisch unsau­be­ren Bericht zum Sturm auf das Capi­tol am 6. Janu­ar 2021. Der BBC-Gene­ral­di­rek­tor Tim Davie und Debo­rah Tur­ness (CEO BBC News) tra­ten von ihren Pos­ten zurück. Das reicht dem oran­gen Mann jedoch nicht, und nun will er Koh­le sehen. Dass jour­na­lis­ti­sche Feh­ler klar­ge­stellt und geahn­det wer­den müs­sen, steht aus­ser Fra­ge. Doch wel­che Fol­gen wird es haben, wenn ein Staats­ober­haupt einem mit Steu­er­gel­dern finan­zier­ten Medi­um im Grun­de genom­men einen Maul­korb ver­passt? Wer wird es in Zukunft wagen, etwas Kri­ti­sches über die­sen oder ande­re Macht­ha­ber zu berich­ten? Und was auch nicht ganz unwich­tig ist: Beim Publi­kum zählt die BBC welt­weit zu den fünf meis­tre­spek­tier­ten und ver­trau­ens­volls­ten Medi­en­an­stal­ten. Wenn die Kla­ge zuge­las­sen wird und wenn die BBC tat­säch­lich eine Stra­fe in Mil­li­ar­den­hö­he zah­len müss­te, dann fürch­ten Exper­tIn­nen um die Gesamt­exis­tenz der BBC.



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