Zum Apé­ro: Für nur 9 Fran­ken 95

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Beim letz­ten Apé­ro unter­hiel­ten wir uns über Wer­be­ka­ta­lo­ge, die einem – per­sön­lich adres­siert – zuge­schickt wer­den. Nicht nur, dass man kei­ne Ver­wen­dung fin­det für die ange­prie­se­nen Arti­kel, man kann sich auch nicht erin­nern, je mit der Ver­sand­adres­se in Kon­takt gestan­den zu haben. Und so lan­det das mit Schnäpp­chen­an­ge­bo­ten dicht bedruck­te Heft meist unbe­se­hen im Altpapier.

Doch als mir nach die­ser Dis­kus­si­on wie­der mal ein sol­cher Ver­sand­ka­ta­log in die Hän­de kommt, schen­ke ich ihm mehr Auf­merk­sam­keit. Viel­leicht, weil in gol­de­ner Schrift auf der Titel­sei­te steht: «Sie spa­ren bis Fr. 2500.–». Viel­leicht auch, weil mich sei­ne 265 Sei­ten beein­dru­cken. Die blon­dier­te Frau mit tie­fem Dekol­le­té auf dem Cover ist es nicht.

Ich blät­te­re mich also durch den Dschun­gel von Akti­ons­prei­sen, lese Pro­dukt­e­be­schrei­bun­gen und stu­die­re die detail­lier­ten Bil­der dazu: Müs­li-to-go-Becher mit Küh­lung, Döner- und Schasch­lik-Grill für zu Hau­se, Anti-Floh-Tier­bürs­te mit Geruchs­kil­ler, Musik-Sound­ses­sel, Ent­span­nungs-Sand­pen­del, Prä­zi­si­ons-Pin­zet­te mit LED-Spot, Schwe­ben­der Luft­kis­sen-Rasen­mä­her, Anti-Insek­ten-Schutz­an­zug (Zecken­dicht). Es scheint kei­ne Erfin­dung zu geben, die der Kata­log nicht auch im Sor­ti­ment führt. Gera­de, als ich dies den­ke, stos­se ich auf eine wah­re Per­le: Schwimm­häu­te für die Fin­ger. Damit soll man Schwimm­tem­po und Trai­nings­er­fol­ge stei­gern kön­nen. Auf dem Bild sind gespreiz­te Frau­en­hän­de zu sehen, dazwi­schen ein durch­sich­ti­ges, leicht mil­chi­ges Band. Wirkt wie ein dich­tes Spin­nen­netz. In der Beschrei­bung steht: «Mit die­sen ein­zig­ar­ti­gen Hand­schu­hen glei­ten Sie durchs Was­ser – schnell wie nie zuvor. Ihre Bewe­gungs­frei­heit wird kaum ein­ge­schränkt: Die Häu­te span­nen sich ein­fach zwi­schen den Fin­gern.» Es gibt sie in den Grös­sen S, M und L für 9 Fran­ken 95 statt 19 Fran­ken 95. Soll­te ich zuschla­gen? Nach dem nas­sen Som­mer hier in der Schweiz macht man sich halt so sei­ne Gedan­ken: Man weiss nie, wann der nächs­te Regen kommt, das nächs­te Hoch­was­ser, wann ein Stau­see bricht. Ich wäre blitz­schnell mit mei­nen Schwimm­häu­ten; könn­te Men­schen­le­ben ret­ten, Kühe in Sicher­heit brin­gen, Schwemm­holz auf­fan­gen. Im Was­ser wäre ich in mei­nem Ele­ment. So flink, wie ich es auf dem Land bin. Ich wür­de zum Über­men­schen mutie­ren – dank jeman­dem, der sich «Schwimm­häu­te für die Fin­ger» aus­ge­dacht hat. Das heisst, der­je­ni­ge hat eigent­lich nur die Natur kopiert, mal geschaut, wie es die Amphi­bi­en machen.

Die­ser Neo-Da Vin­ci wird hof­fent­lich noch mehr sol­cher Pro­duk­te auf den Markt brin­gen. Ich bräuch­te noch Kie­men zum unter Was­ser Atmen, Flü­gel, und lan­ge Arme wie ein Affe, um mich von Baum zu Baum zu hangeln.

Die nächs­ten Ver­sand­ka­ta­lo­ge wer­de ich mir also noch auf­merk­sa­mer anschau­en. Nun bestel­le ich mir aber erst mal Schwimm­häu­te. Für nur 9 Fran­ken 95.


Bild: © Bar­ba­ra Roelli

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 141, Sep­tem­ber 2014



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