Lügen, betrü­gen und sich wei­ter vergnügen

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«Ich woll­te es dir schon lan­ge sagen, aber jetzt ist der Zeit­punkt gekom­men, das Schwei­gen zu bre­chen.» Die­ser Ein­stiegs­satz berei­tet den Weg für eine gros­se Ent­hül­lung, und davon gibt es in Ich, treu, suche wahr­lich genug. Denn anstatt Zeit mit der Lie­be zu ver­schwen­den, geht das Büh­nen­stück von Eve­li­ne Ket­te­rer und Mar­co Haus­am­mann-Gilar­di gera­de­zu ver­schwen­de­risch mit Kli­schees um, die zwar häu­fig plump und dann aber doch wie­der nur zu wahr sind.

Zwei und zwei gesellt sich gern

Auf der klei­nen Büh­ne des Keller62 begeh­ren, belü­gen und beelen­den sich zwei Frau­en und zwei Män­ner. Unter­schied­li­cher könn­ten der Geschäfts­mann Mar­tin, sei­ne Ehe­frau Ste­fa­nie, die pro­mis­kui­ti­ve Nina und der Bio­lo­gie­stu­dent Sebas­ti­an auf den ers­ten Blick nicht sein. Und doch haben sie eines gemein­sam: Am meis­ten Gedan­ken machen sie sich um sich selbst.

Mar­tin ist sei­ner Frau längst nicht mehr treu. Die regel­mäs­si­gen Abste­cher ins Bor­dell wer­den über die Geschäfts­spe­sen ver­rech­net, für sei­ne «Geschäfts­rei­sen» fliegt er nicht nach Japan, son­dern in die Arme sei­ner Gelieb­ten. Ste­fa­nie ahnt von den Sei­ten­sprün­gen ihres Part­ners, ist aber zu sehr damit beschäf­tigt, ihren Fit­ness­trai­ner, den Bio­lo­gie­stu­den­ten Sebas­ti­an, zu umwer­ben. Die­ser inter­es­siert sich aller­dings mehr für sein Spe­zi­al­ge­biet, die Mur­mel­tie­re, als für die Mitt­vier­zi­ge­rin. Ste­fa­nie stellt für ihn einen unmit­tel­ba­ren Zugang zu gros­sem Ver­mö­gen dar, denn mit die­sem Geld könn­te er sei­nen Traum vom ewi­gen Stu­den­ten ver­wirk­li­chen. Und die schö­ne Nina hat kei­ne Geld­sor­gen, dafür Ter­min­kol­li­sio­nen: Wäh­rend sie mit Freund, Ex-Freund und Ex-Mann jon­gliert, ver­liebt sie sich Hals über Kopf in den ver­hei­ra­te­ten Martin.

Die Kli­scheeschlacht entwaffnet

Wäh­rend das Schick­sal sei­nen Lauf nimmt, wird Kli­schee um Kli­schee abge­han­delt. Von der Haus­frau, die ihrem Mann die Socken wäscht, zur Fra­ge, ob die gereiz­te Gelieb­te, die plötz­lich alles ande­re als rei­zend ist, denn «ihre Tage» habe: Eve­li­ne Ket­te­rer, die das Stück geschrie­ben hat und auch die Rol­le der Ste­fa­nie über­nimmt, gräbt tief in der Kli­sche­emot­ten­kis­te. Über­ra­schen­der­wei­se aber ent­fal­ten die­se, nicht zuletzt auch durch die star­ke Über­zeich­nung der Cha­rak­te­re, eine uner­war­te­te Wir­kung: Sie ent­waff­nen die vier Prot­ago­nis­ten im Nu und zei­gen deren wirk­li­che Schwä­che, näm­lich die Unfä­hig­keit, die Bedürf­nis­se ihrer Part­ner für ein­mal in den Mit­tel­punkt zu stel­len. Statt­des­sen ärgern sie sich über Klei­nig­kei­ten und las­sen ihren Frust in eigens ver­fass­ten Brie­fe raus, die – wenn laut vor­ge­le­sen – ihre meist offen­sicht­li­chen Gedan­ken aus­for­mu­lie­ren und dem Stück dadurch noch mehr Kon­tur verschaffen.

Gegen Ende treibt es das Stück mit den Ste­reo­ty­pen aller­dings doch etwas zu bunt. Als die bei­den Män­ner näm­lich im Knast sit­zen, begin­nen Mar­tins Ex-Frau Ste­fa­nie und sei­ne Ex-Gelieb­te Nina mit­ein­an­der anzu­ban­deln. Das wirkt dann doch etwas unin­spi­riert und nimmt dem sonst kurz­wei­li­gen Stück den Wind aus den Segeln.

Ansons­ten aber ist die Leis­tung der zwei Schau­spie­ler und zwei Schau­spie­le­rin­nen beein­dru­ckend, allen vor­an Eve­li­ne Ket­te­rer und René Schnorz in den Rol­len der sich betrü­gen­den Ehe­part­ner. Und wenn alle Brie­fe zer­ris­sen sind, alle Gefüh­le nie­der­ge­tram­pelt und alle Lie­bes­schwü­re nich­tig, weiss auch der selbst­si­che­re Mar­tin nicht mehr, an wen er sich wen­den soll. Also wen­det er sich an Gott. Viel­leicht ist bedin­gungs­lo­se Lie­be über­na­tür­lich. Wenn die­se Aus­sa­ge in Ich, treu, suche steckt, dann lau­tet die impli­zi­te Auf­for­de­rung: Ver­schwen­den wir doch wei­ter­hin viel Zeit damit, an sie zu glauben.

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