Bild: Sister Fa Berlin November 2008

«Eine wich­ti­ge Bot­schaft ist die Beschneidung…»

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Von Bar­ba­ra Neu­gel – Kul­tur- und Infor­ma­ti­ons­an­lass zu Frau­en- Mäd­chen­be­schnei­dung: Beschnei­dung ist eine ritu­el­le Ope­ra­ti­on, die zu Initia­ti­ons­ri­ten gehört und meist an Kna­ben im Alter der begin­nen­den Rei­fe vor­ge­nom­men wird. Bei eini­gen Natur­völ­kern wer­den auch Mäd­chen beschnit­ten, in Afri­ka, Vor­der­asi­en, Indo­ne­si­en, Aus­tra­li­en, Ozea­ni­en und ver­ein­zelt in Ame­ri­ka. Die Ursprün­ge sind nicht ein­deu­tig fest­stell­bar, ver­mut­lich lie­gen sie aber meh­re­re tau­send Jah­re zurück. Im Lau­fe der Geschich­te wur­den die Beschnei­dungs­prak­ti­ken bei Mäd­chen mit der Ver­eh­rung von Jung­fräu­lich­keit und Keusch­heit in Ver­bin­dung gebracht, die bis heu­te bei­spiels­wei­se in afri­ka­ni­schen und ara­bi­schen Kul­tu­ren vor­herrscht. Jähr­lich wer­den zwei Mil­lio­nen Fäl­le von weib­li­chen Geni­tal­ver­stüm­me­lun­gen – man nennt sie Fema­le Geni­tale Muti­lia­ti­on FGM – regis­triert. Da heu­te welt­weit mehr kom­mu­ni­ziert und immer wie­der auf Miss­stän­de auf­merk­sam gemacht wird, wer­den immer mehr Frau­en mit die­ser Tat­sa­che kon­fron­tiert. Das wie­der­um hat zur Fol­ge, dass sich immer mehr Stim­men gegen die Geni­tal­ver­stüm­me­lung von Mäd­chen und jun­gen Frau­en erhe­ben. Immer mehr Men­schen wird bewusst, dass die weib­li­che Geni­tal­be­schnei­dung die Betrof­fe­nen in ihrer Inte­gri­tät ver­letzt. Sie ver­letzt das Recht der betrof­fe­nen Frau­en auf Gesund­heit, denn die­se steht oft­mals auf dem Spiel, wenn die Ope­ra­tio­nen unsach­ge­mäss und unsau­ber durch­ge­führt wer­den. Sie ver­letzt das Recht der jun­gen Frau­en auf kör­per­li­che und see­li­sche Unver­sehrt­heit und das Recht auf Selbst­be­stim­mung. Die weib­li­che Geni­tal­be­schnei­dung ist eine mas­si­ve Ver­let­zung der Menschenrechte.

Und die­se Ver­let­zung der Men­schen­rech­te von jun­gen Frau­en und Mäd­chen geschieht durch ver­mehr­te Migra­ti­on auch in Euro­pa, auch in der Schweiz – vor der eige­nen Haus­tür. In der Schweiz sind, gemäss den Anga­ben der Ver­an­stal­te­rin­nen von wal­al und nach Schät­zun­gen von UNICEF Schweiz, 6 000 bis 7 000 Mäd­chen und Frau­en betrof­fen oder bedroht. Begrün­det wird die weib­li­che Geni­tal­be­schnei­dung damit, dass es sich um eine Tra­di­ti­on hand­le. Die­se Tra­di­ti­on ist im 21. Jahr­hun­dert, im Zeit­al­ter von hoch ent­wi­ckel­ter Tech­nik, hoch ent­wi­ckel­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on und im Zeit­al­ter der Men­schen­rech­te nicht mehr nachvollziehbar.

Unter dem Titel «wal­al Schwes­ter» fin­det in der Reit­schu­le Bern vom 27. bis 29. Novem­ber ein Kul­tur- und Infor­ma­ti­ons­an­lass zu Frau­en- und Mäd­chen­be­schnei­dung statt, der infor­mie­ren und auf­rüt­teln und eine Platt­form bie­ten will für Begeg­nung und Dia­log. Das Pro­gramm ist viel­fäl­tig und umfasst Eröff­nungs­apé­ro mit Musik, Kino, ein Kon­zert (sie­he unten), die Aus­stel­lung «Terre des Femmes» und eine Podi­ums­dis­kus­si­on zum The­ma «Prä­ven­ti­on von Mäd­chen­be­schnei­dung und die Situa­ti­on in der Schweiz», ein «Big Mama’s Afri­can Din­ner», Pala­ver mit afri­ka­ni­schen Frau­en, eine Per­for­mance und einen Büchertisch.

Die Sän­ge­rin Sis­ter Fa, die am Kon­zert zusam­men mit Rap­per Greis auf­tritt, stammt aus dem Sene­gal, wo bis vor zehn Jah­ren die weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung erlaubt war. Sie sel­ber ist Opfer. Sis­ter Fa ist über­zeugt davon, dass sie mit ihrer Musik, dem Rap im afri­ka­ni­schen Hip-Hop-Stil, die Men­schen auf das The­ma auf­merk­sam machen kann. Musik ist ein Mit­tel, um vie­le Men­schen mit einer Bot­schaft zu errei­chen. «Doch in ers­ter Linie ist der Rap da, um Unge­rech­tig­kei­ten zu ent­hül­len. Als Musi­ke­rin sehe ich mich als Bot­schaf­te­rin. Mei­ne Auf­ga­be ist es, mit mei­nen Bot­schaf­ten Men­schen zu errei­chen und sie zu ver­tei­di­gen», sagt Sis­ter Fa, und: «Eine wich­ti­ge Bot­schaft ist bei­spiels­wei­se die Beschnei­dung der weib­li­chen Geni­ta­li­en, die soge­nann­te Geni­tal­ver­stüm­me­lung. Ich bin selbst Opfer.» Bereits als Teen­ager hat Sis­ter Fa vor acht Jah­ren ihre ers­ten selbst pro­du­zier­ten Demo-Tapes in den Stras­sen von Dakar in Umlauf gebracht. Heu­te ist sie die ers­te weib­li­che Rap­pe­rin aus Sene­gal, die inter­na­tio­nal bekannt ist. Sie hat­te eini­ge Wider­stän­de zu über­win­den, bevor sie sich in der männ­lich domi­nier­ten Rap­per­sze­ne einen fes­ten Platz erobern konn­te. Kommt dazu, dass es ein Tabu­bruch war, als ers­te Frau in Sene­gal zu die­sem The­ma die Stim­me zu erhe­ben, der viel Auf­ruhr aus­ge­löst hat. Ein sol­cher Tabu­bruch kann dazu füh­ren, aus der eige­nen Gemein­schaft bezie­hungs­wei­se Fami­lie aus­ge­schlos­sen und geäch­tet zu wer­den. Sis­ter Fa geht die­ses Risi­ko ein, um der Her­ab­wür­di­gung der Frau in Sene­gal ein Ende zu set­zen. Sis­ter Fa lebt seit zwei Jah­ren in Berlin.

«Wal­al Schwes­ter» unter ande­rem mit Sis­ter Fa, fin­det in der Reit­schu­le Bern vom 27.–29.11. statt.

Info: www.reitschule.ch, www.sisterfa.com

Bild: Sis­ter Fa / Foto: zVg.
ensuite, Novem­ber 2009



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