Kein Schla­mas­sel

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Um es gleich vor­weg­zu­neh­men: Es ist kei­ne Komik der Wor­te, die dem Publi­kum auf der Klein­kunst­büh­ne des Migros-Kul­tur­pro­zent an die­sem Abend prä­sen­tiert wur­de. Viel­mehr ist es ein Humor der Ges­ten, der Mimik, des Kör­pers – und dar­auf ver­steht sich der Lau­san­ner Humo­rist Karim Slama meis­ter­haft wie kaum ein Zweiter.

Über­bor­den­der Einfallsreichtum

Dank einer schier unglaub­li­chen Kör­per­be­herr­schung und eines unbe­stech­li­chen Rhyth­mus­ge­fühls gelingt es Slama, das Absur­de und Skur­ri­le in jeder schein­bar noch so bana­len All­tags­si­tua­ti­on zum Vor­schein zu brin­gen. Das domi­nan­te Stil­mit­tel ist dabei zwei­fel­los die Über­zeich­nung: Jede Ges­te, jede Gesichts­re­gung wird über­trie­ben und bis zur Absur­di­tät gestei­gert und drif­tet oft in puren Slap­stick über. Wich­tigs­tes Hilfs­mit­tel dafür ist eine ab Band ein­ge­spiel­te Sound­pa­let­te, bestehend aus Geräu­schen, Tönen, Stim­men, Dia­lo­gen und Musik, mit wel­cher Salam jede Kör­per­be­we­gung in Über­ein­stim­mung bringt.

Das Reper­toire an Situa­tio­nen, die auf die­se Art und Wei­se das Publi­kum belus­ti­gen, könn­te umfas­sen­der kaum sein: Sei es die Arbeits­welt (eine Bau­stel­le, ein Ver­kehrs­po­li­zist, ein Ski­lift), die Frei­zeit (ein ver­krampf­ter Rad­fah­rer, ein Boxer, der erbar­mungs­los mit Schlä­gen trak­tiert wird, oder ein Fit­ness­jun­kie, der sich im Kraft­raum abmüht) oder die Fami­lie (den Kin­dern das Ski­fah­ren bei­brin­gen, Vater wer­den) – es gibt kaum einen Lebens­be­reich, den Slama dank sei­nes über­bor­den­den Ein­falls­reich­tums nicht zu kari­kie­ren ver­mag. So über­legt er sich bei­spiels­wei­se, wie es wohl wäre, wenn der Mensch durch ein ein­ge­bau­tes Navi­ga­ti­ons­ge­rät auch nach jeder noch so exzes­si­ven Sauf­tour den siche­ren Weg nach Hau­se fän­de. Oder wie sähe die Welt aus, wenn wir alle in einer Oper leben würden?

Der Zuschau­er erhält eine völ­lig neue, unge­mein wit­zi­ge Sicht­wei­se auf die Welt und Ant­wor­ten auf Fra­gen, die er sich mög­li­cher­wei­se nie zu stel­len gewagt hät­te: Wie sieht der All­tag einer 150-jäh­ri­gen Gala­pa­gos­schild­krö­te aus? – Unge­heu­er ner­vig, wenn man stän­dig durch Doku­men­tar­fil­mer beläs­tigt wird. Wie sieht die Paa­rung eines Herm­aphro­di­ten, in die­sem Fal­le einer Schne­cke, aus? – Ziem­lich selbst­ver­liebt! Wel­che Pha­sen durch­läuft ein Fisch am Ende sei­nes Lebens? – Gefan­gen­nah­me, Schlag auf den Kopf, Aus­neh­men, Zube­rei­tung, Ver­zehr, Aus­schei­dung. Der bis auf den letz­ten Platz besetz­te Saal wür­digt der­ar­ti­ge Erkennt­nis­se jeden­falls mit anhal­ten­dem Geläch­ter und aus­gie­bi­gem Applaus.

Kein Mann des Wortes

Wehr­muts­trop­fen: Wer sich gemäss Vor­ankün­di­gung im Pro­gramm auf einen Wort­akro­ba­ten und Sprach­künst­ler gefreut hat­te, und wer sich vom Titel Welsch ein Slamas­sel eine geist­rei­che und gewitz­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma Sprach­bar­rie­ren und Fremd­sein erhofft hat­te, des­sen Erwar­tun­gen wur­den lei­der nicht erfüllt. Gewiss, der stän­di­ge Switch von Fran­zö­sisch und «Welsch­deutsch», wie Slama das von einem Wel­schen gespro­che­ne Deutsch nennt, eine ara­bi­sche Ver­si­on des Schwei­zer­psalms oder die väter­li­che Anspra­che bei einer tune­sisch-schwei­ze­ri­schen Hoch­zeit mögen zwar amü­sant sein, für eine ori­gi­nel­le The­ma­ti­sie­rung inter­kul­tu­rel­ler Ver­stän­di­gungs­pro­ble­me sind sie jedoch zu plump. Slama die­nen die­se Moti­ve ledig­lich als Vehi­kel für sei­ne pan­to­mi­misch ange­hauch­ten Slap­stick­ein­la­gen. Ange­sichts der Vir­tuo­si­tät, mit wel­cher die­se aller­dings insze­niert wer­den, mag man ihm dies pro­blem­los verzeihen.

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