Schrif­ten erzäh­len Geschichten

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Manch­mal sagt ein Buch­sta­be mehr als tau­send Wor­te. Auf dem Font Mar­ket 2012, der Typo­gra­fie-Mes­se der Dezem­ber­bü­cher, flie­gen dem Besu­cher die Buch­sta­ben nur so um die Ohren. Zwi­schen den Bücher­py­ra­mi­den in der Remi­se an der Lager­stras­se 98 ste­hen klei­ne Ate­lier­ti­sche. Dar­auf Buch­sta­ben, Typen – und auch Typen hin­ter den Tischen. Lie­ve­ke op ten Berg von Typo­the­que ist eine Schrift­de­si­gne­rin aus den Nie­der­lan­den. Am «Gre­ta sans type face sys­tem» hat sie fünf Jah­re gear­bei­tet. Ent­stan­den ist ein Schrift­sys­tem, das vor allem mit dem Schnitt der Zei­chen spielt, mal schmal, mal schlank, mal fet­ter. Es sei wich­tig, sagt sie, in den ver­schie­dens­ten Anwen­dun­gen die­sel­be Schrift benut­zen zu können.

Tüft­ler zwi­schen Spass und Geschäft

Wenn man sich vor Augen hält, wo einem im All­tag über­all Schrif­ten begeg­nen, wird bewusst, dass es Font Desi­gner braucht, die nicht nur modi­sche Zei­chen kre­ieren. Viel­mehr fei­len sie lan­ge dar­an, bis die Buch­sta­ben opti­mal les­bar und aus ver­schie­de­nen Abstän­den erkenn­bar sind. Domi­ni­que Ker­ber und Alex Mei­er vom Ate­lier für Schrift­ge­stal­tung prä­sen­tie­ren zwei eige­ne Schrif­ten, und auch hier sind die Details ent­schei­dend. «Geo­me­tri­sche Schrif­ten sind kon­stru­iert», erklärt Ker­ber. «Ihr Ursprung liegt im Bau­haus, sie stam­men nicht aus dem geschrie­be­nen Duk­tus». Im Gegen­satz zu huma­nis­ti­schen Schrif­ten basie­ren sie auf Ras­tern und wer­den optisch leicht korrigiert.

Der Font Mar­ket hat aber auch Kurio­si­tä­ten zu bie­ten. Nico­las Kunz und Micha­el Flü­cki­ger zei­gen mit LAIKA die ers­te dyna­mi­sche Schrift. Steigt man auf ein Holz­brett, unter dem sich Druck­sen­so­ren befin­den, wer­den Gewichts­in­for­ma­tio­nen an den Com­pu­ter über­mit­telt. Die Schrift auf dem Dis­play erscheint ent­spre­chend mager oder fett. Die Schrift reagie­re also auf ihre Umwelt, erklärt Kunz. Sie bewe­ge sich in Echt­zeit zwi­schen den Extre­men ihres Schnitts. Genau­so sind Reak­tio­nen auf akus­ti­sche Impul­se, auf Bör­sen­kur­se oder EKG-Mes­sun­gen wäh­rend des Schrei­bens eines Lie­bes­briefs denkbar.

Rüde, sper­ri­ge Buchstaben

Zu den Mas­ter­minds des Font Mar­kets zäh­len auch Emma­nu­el Rey und Thi­bau­lt Bre­vet von b+p swiss type­faces. Bre­vet hat einen trag­ba­ren Plot­ter kon­stru­iert, der Schrift­ideen unmit­tel­bar vom Lap­top auf eine gros­se Papier­wal­ze über­trägt. In nur drei Wochen hat Bre­vet sei­ne Idee als Bache­lor-Arbeit an der ECAL Lau­sanne rea­li­siert. Sie dient ihm als direk­tes Aus­ga­be­ge­rät sei­ner Desi­gnideen. Mit­tels Holz­klam­mer kann er unter­schied­li­che «Druck­köp­fe», Filz­stif­te oder Farb­fla­schen mon­tie­ren. Die auf dem Note­book gestal­te­te Schrift wird sofort auf einem Pla­kat umge­setzt. Mate­ri­al­kos­ten sei­ner Open Source-Eigen­kon­struk­ti­on: cir­ca 300 Franken.

Auf die­ser kom­pak­ten Ver­an­stal­tung bie­tet Mar­cel Inder­maur die Papier­bi­bel, einen Mus­ter­fä­cher für Papier­qua­li­tä­ten, an. Phil­ip­pe Kar­rer hat ein visu­el­les Inter­view mit der Künst­le­rin Mela­nie Bona­jo gra­fisch umge­setzt. Micha­el Kry­en­bühl zeigt Schrif­ten als Auf­trags­ar­bei­ten für Bücher; rüde, sper­ri­ge Umset­zun­gen mit irri­tie­ren­den Ele­men­ten, die auf sich auf­merk­sam machen wol­len. Auch der neu­gie­ri­ge Laie kann beim Font Mar­ket einen kurz­wei­li­gen Nach­mit­tag verbringen.

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