Mein Bru­der macht im Stumm­film die Geräusche

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Wenn Astro­nau­ten von Lift­gon­deln über­blen­det wer­den, sich zum staub­saugen­den Fred­dy Mer­cu­ry («I want to break free») ein Laub­blä­ser gesellt oder Die­ter Boh­len im «talentfrei»-T-Shirt die pn-Big Band bespricht, han­delt es sich um die i.scapes 3 Per­for­mance von pulp.noir. Die sie­ben Elec­tro­nic-Künst­ler unter­le­gen eine pro­ji­zier­te Bil­der­flut mit Live-Sounds. James Bai­ley spricht mit herr­lich sono­rer Stim­me die eng­li­schen Mode­ra­to­ren-Flos­keln ein. Er ist der Con­fe­ren­cier bei die­ser kurz­wei­li­gen und amü­san­ten Rei­se durch die künst­li­che Nacht.

In 80 Minu­ten um die Welt

Mit bestechen­den Schlag­zeug-Rhyth­men treibt Mari­us Pey­er die bizar­re Fahrt vor­an. Manch­mal greift er auch zu E‑Gitarren. Das Video gibt das The­ma vor, die Gedan­ken fol­gen. Was man sieht, ist zunächst sinn­frei. Die Asso­zia­tio­nen pas­sie­ren im Kopf des Betrach­ters. Pulp.noir kre­ieren Stim­mun­gen dazu. Wer­tun­gen geben sie nicht ab. Ob indi­sches U‑Boot am Strand oder die drei Mus­ke­tie­re vor einem Qual­len-Hin­ter­grund: In was für einer Welt leben wir? Die fes­seln­den Video-Loops stam­men von Julia Maria Morf und Tho­mas Fischer (Screen­plays), den bei­den Grün­dern des Pro­jekts. Ihre augen­zwin­kern­de Sicht aufs Leben könn­ten sie in der Pro­gramm­an­kün­di­gung noch mehr her­vor­he­ben. Sie ist ein Cha­rak­te­ris­ti­kum und zugleich die Stär­ke der Produktion.

Ein Trip ohne Pillen

Auf der Lein­wand spielt die pn-Big Band aus Klo­nen der Büh­nen­mu­si­ker. Der elek­tro­nisch ver­frem­de­te Swing-Sound baut musi­ka­li­sches Tem­po auf. Die Per­si­fla­ge im Retro-Stil kommt gut an. Chris­ti­an Rös­li unter­stützt den Auf­tritt an Syn­the­si­zern. Und Fabi­an Gut­scher, der mit dem Fleisch­wolf dreht, macht im Stumm­film des 21. Jahr­hun­derts die Samples und Geräu­sche. Es ent­ste­hen Klang­wel­ten, in die man ver­sinkt. Die Schlei­fen und Wie­der­ho­lun­gen der visu­el­len Sequen­zen ruckeln und ver­pas­sen den gezeig­ten Per­so­nen veri­ta­ble Tics.

Dem mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten Kom­bi­nat Pulp.noir sind mehr Besu­cher als die Hand­voll Zuschau­er im Win­ter­thu­rer Thea­ter am Gleis zu wün­schen. Auch wenn einen die Per­for­mance «nur» gut unter­hält. Die feh­len­de Bot­schaft des Abends dürf­te die Bot­schaft sein: Es macht Spass, sich auf das Absur­de einzulassen.

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