Gschpür­sch­mi, Tier­li und ein wenig Chätschgummi

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Ich begin­ne hier ger­ne mit der Beschrei­bung von Lisa Catena’s Büh­nen­fi­gur – «we’s für öich o stimmt». Luna heisst sie. Luna ist ein Kind der Lie­be. Ein anti­au­to­ri­tär, athe­is­tisch und anti­ka­pi­ta­lis­tisch erzo­ge­nes, neu­gie­ri­ges Mäd­chen, das an das Gute im Men­schen und den Frie­den auf der Welt glaubt. Wobei sie inzwi­schen eigent­lich kein Mäd­chen mehr ist, son­dern eine jun­ge Frau, die sich ein wenig wie ein Mäd­chen gibt. Oder viel­mehr wie ein char­man­tes Dum­mer­chen, an dem im bis­he­ri­gen Leben eini­ges vor­bei­ge­zo­gen zu sein scheint und das sich ein­fach noch immer nicht recht ent­schei­den kann, was es ein­mal wer­den möch­te. «Vil­ech öpis mit Tier­li!» Wobei: Nun lockt eine Kar­rie­re als Poli­ti­ke­rin. Ein alter Bekann­ter mein­te näm­lich, genau so jeman­den wie sie suche sei­ne Par­tei noch für die Lis­te. Wie sei­ne Par­tei heisst, weiss Luna nicht mehr so genau. Aber «er isch jez bi dene wo vo den ange­re wäg si. Auso bi dä Bessere!»

Die Kin­der der Blu­men­kin­der und der Kapitalismus

«So, de wür­de mir jez hie aafa. – We’s für öich o stimmt.» Der Anfang der Vor­stel­lung «Wäut­frie­de» auf der Klein­kunst­büh­ne des Migros-Kul­tur­pro­zent im Hoch­haus am Lim­mat­platz ver­läuft etwas har­zig. Natür­lich ist Lunas anfäng­li­che Scheu und Unsi­cher­heit Pro­gramm und Nai­vi­tät mag sich mit rasan­tem Tem­po nicht wahn­sin­nig gut ver­tra­gen, trotz­dem hät­te etwas mehr Élan und Geschwin­dig­keit der Vor­stel­lung gut getan. Denn die Komik, die hier gebo­ten wird, ist kei­ne, die sehr lan­ge nach­hallt. Trotz­dem: Die jun­ge naï­ve Nach­wuchs­po­li­ti­ke­rin, die sofort und ohne es zu wis­sen offen­legt, dass sie in Tat und Wahr­heit kei­ne Ahnung von Poli­tik hat, zeigt das gewis­se Etwas. Man will mehr über die­se Figur erfah­ren und der Unter­hal­tungs­wert in der Anla­ge die­ses Pro­gramms ist gänz­lich unbestritten.

Was geschieht mit der Gene­ra­ti­on von inzwi­schen jun­gen Erwach­se­nen, die von ihren Eltern, immer noch im 68er-Rausch, anti­au­to­ri­tär in gros­sen Gemein­schaf­ten viel­mehr auf­ge­zo­gen als erzo­gen wur­den und die die Stein­erschu­le besuch­ten, wo man sie in ers­ter Linie nach ihren Wün­schen und ihrem Befin­den befrag­te? Wie sol­len sie in der har­ten Rea­li­tät der Gegen­wart bestehen? Was wird aus ihnen?

Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der sie wer­den zu Geld schef­feln­den, rück­sichts­lo­sen Kapi­ta­lis­ten in geschnie­gel­tem Anzug und mit Gel im Haar (wie im Fal­le von Lunas Bru­der), oder sie wer­den zu blau­äu­gig und ziel­los durchs Leben irren­den Träu­mern (wie im Fal­le von Luna sel­ber). Soviel wird nach die­sem Abend zumin­dest klar.

Der Stress mit der Gesundheit

Luna, die dank ihrem Unwis­sen und ihrer Gut­gläu­big­keit innert kür­zes­ter Zeit mit ihrem Hip­pie-Gewand und dem Band im Haar auf dem Wahl­pla­kat einer bür­ger­li­chen Par­tei gelan­det ist, redet in «Wäut­frie­de» drauf­los, was ihr eben so in den Sinn kommt. Aber kei­ne Belang­lo­sig­kei­ten, nein. Sie redet – «we’s für öich o stimmt» – über Poli­tik und auch über Reli­gi­on, die Gesell­schaft und ihren Gesund­heits­wahn oder über die Volks­krank­heit Stress. Und bei die­sem The­ma, das in der zwei­ten Hälf­te des Pro­gramms zum Zug kommt, dreht die jun­ge Büh­nen­künst­le­rin end­lich zünf­tig auf. Hier kommt zum Vor­schein, was man längst geahnt hat­te: Die­se Frau hat’s drauf. Mit rasan­ten Tex­ten gespickt mit Wort­spie­len und klu­gen Schluss­fol­ge­run­gen, die mit sati­ri­scher Sicher­heit auf die Spit­ze getrie­ben wer­den, erzählt sie, wie sie sich um ihre Gesund­heit zu sor­gen begann, jetzt wo sie Poli­ti­ke­rin gewor­den sei und die­se bekannt­lich stän­dig unter Stress stün­den, und wie sie sich anschick­te, dem Stress Ein­halt zu gebie­ten, wobei sie fast kol­la­biert wäre. Über­haupt liegt die Stär­ke die­ses Pro­gramms in den schö­nen Wort­spie­len, die immer wie­der für Höhe­punk­te sor­gen. Noch ver­läss­li­cher sind die Lie­der, die Lisa Cate­na in ihr neu­es Pro­gramm geschmug­gelt hat. Hier lässt ihr lan­ge gepfleg­tes Talent grüs­sen. Cate­na war bis­her vor allem als Lie­der­ma­che­rin erfolg­reich, bevor sie mit «Wäut­frie­de» ihr ers­tes Come­dy-Pro­gramm vorlegte.

Auch wenn die­ser Abend hin und wie­der an «Chätsch­gum­mi» erin­nert und es den Wit­zen manch­mal an Durch­schlags­kraft fehlt, man gibt Luna stets ger­ne noch ein­mal eine Chan­ce – und wird nicht ent­täuscht. Die Höhe­punk­te ihres ers­ten Come­dy-Pro­gramms sind den Besuch alle­mal wert. «Für üs stimmts o.»

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