Bild: Galerie SEPT, Brüssel // Zheng Lu «Water in Dripping», 75 cm x 75 cm x 36 cm // Foto: L. Vogelsang

Bild: Bild: Galerie SEPT, Brüssel // Zheng Lu «Water in Dripping», 75 cm x 75 cm x 36 cm // Foto: L. Vogelsang

Kunst­mes­se: Luxem­bourg Art Week 2025

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Zum 11. Mal fand vom 21. bis zum 23. Novem­ber 2025 in Luxem­burg die Art Week statt. Es ist die Kunst­mes­se, die für mich copy/paste in der Schweiz statt­fin­den soll­te. Hier tref­fen sich nicht die gröss­ten und herr­lichs­ten Gale­ris­tIn­nen und Samm­le­rIn­nen, son­dern nur jene, die wirk­lich Kunst in ihr Herz geschlos­sen haben und dies tei­len wol­len. Die gros­sen Invest­ment­ga­le­rien sind hier kaum ver­tre­ten, dafür Künst­le­rIn­nen, die erschwing­li­che Kunst auf qua­li­ta­tiv hohem Niveau prä­sen­tie­ren. Der Kunst­markt ist dabei, bil­det aber nicht das Zen­trum. Eine Mes­se, die mich jedes Mal aufs Neue erfreut.

Nach dem gross­ar­ti­gen letz­ten Jahr war ich gespannt, ob sich in der Dyna­mik der Mes­se etwas ver­än­dert hat­te. Ja, in der Tat: Nach dem gemein­sa­men 10-Jahr-Jubi­lä­um über­nahm die stell­ver­tre­ten­de Direk­to­rin Méla­nie de Jam­blin­ne de Meux den Direk­ti­ons­pos­ten von Alex Reding, dem Grün­der der Mes­se. Er bleibt dem Vor­stand der Mes­se aber erhal­ten. Was hat sich geän­dert? Auf den ers­ten Blick wenig – und das ist gut so. Méla­nie de Jam­blin­ne de Meux tritt erst mal in die vor­ge­tre­te­nen Fuss­stap­fen und vor­ge­tram­pel­ten Pfa­de. Im Kunst­markt sind schnel­le und wil­de Ver­än­de­run­gen nicht gut. Ein Pro­blem, mit wel­chem zum Bei­spiel die Art­genè­ve zu kämp­fen hat, seit Tho­mas Hug weg ist. Die Luxem­bourg Art Week ist ein inter­es­san­ter inter­na­tio­na­ler Kunst­spot zwi­schen Deutsch­land, Frank­reich und Bel­gi­en. Die umlie­gen­den Län­der brin­gen selbst eine lan­ge Kunst­ge­schich­te mit und noch wich­ti­ger: Die­se Län­der sind inter­es­siert an Kunst und Geschich­te. Und das ist auch den Gale­ris­tIn­nen und Samm­le­rIn­nen bewusst. Des Wei­te­ren ver­mit­telt die­se Mes­se kei­ne Hypes und ver­brennt sich damit nicht die Fin­ger an unrea­lis­ti­schen Versprechungen.

Die rund 17 000 Besu­che­rIn­nen, die wäh­rend der gesam­ten rund fünf Mes­se­ta­ge erschie­nen, zeig­ten reges Inter­es­se an den 77 luxem­bur­gi­schen und inter­na­tio­na­len Aus­stel­le­rIn­nen aus 15 Län­dern. Ja, die Mes­se könn­te mehr Besu­che­rIn­nen anspre­chen – aller­dings ist das eine Fra­ge des Zeit­punk­tes (gegen Ende Novem­ber steigt die Dich­te der Events) und des Mar­ke­tings. Das Ver­kaufs­ni­veau soll solid gewe­sen sein – das kann ich nicht über­prü­fen. Aller­dings ist das gut vor­stell­bar, denn die Selek­ti­on der Aus­stel­le­rIn­nen und von deren Wer­ken war her­vor­ra­gend. Hät­te ich das nöti­ge Klein­geld, wäre ich auf «Shop­ping­ge­dan­ken» gekom­men. Das betrifft vor allem eine Aus­stel­ler-Gil­de, wel­che sich unter dem Namen «Emprein­te ate­lier de gra­vu­re» ver­ein­te und in einer hin­ters­ten Ecke der Mes­se zahl­ba­re, aber nicht min­der gross­ar­ti­ge Bil­der und Wer­ke anbot. Die Künst­le­rin Natha­lie Noé Adam führ­te mich an den Stand und zeig­te mir ihre Arbei­ten – ich bin nach­hal­tig geprägt und beein­druckt. Die Prei­se bewe­gen sich da zwi­schen 100 und 950 Euro – was auch das Kon­zept der Aus­stel­le­rIn­nen war. Und lus­tig: Von die­ser Trup­pe war ich schon letz­tes Jahr angetan.

Gleich vis-à-vis von die­ser Koje impo­nier­te die Gale­rie Lage Egal Cura­to­ri­al Pro­jects mit Bram Bra­am oder B. C. E. Bra­am, wie er sich in sei­ner Bio­gra­fie nennt. Bra­am ist übri­gens ein west­fä­li­sches Adels­ge­schlecht und bedeu­tet so viel wie «Vater der Men­ge». Das fand ich jetzt eher zufäl­lig her­aus – passt aber zu den Arbei­ten von Bra­am. Er bas­telt Mau­ern, könn­te man sagen, aber es sind eben mehr Bil­der aus Mate­ria­li­en, mit denen er Struk­tu­ren auch von Bau­ten nach­bil­det. Auf den ers­ten Blick machen die­se Bil­der kei­nen Sinn oder geben kei­nen Hin­weis auf den Inhalt. Der Künst­ler erklär­te mir, dass er nicht kon­kret etwas nach­baue, son­dern ein Emp­fin­den und Ein­drü­cke ver­mit­teln wol­le. Mit die­sen Vor­ga­ben erhal­ten sei­ne Arbei­ten kom­plett neue Dimen­sio­nen, und man stol­pert ein paar Ebe­nen tie­fer bei der Betrach­tung. Die ver­meint­lich bekann­ten Struk­tu­ren, die er kre­iert, wer­den zu ganz neu­en Geschich­ten und für mich auch zu Geruchs­er­in­ne­run­gen – kei­ne Ahnung, wie­so. Es war auf jeden Fall ein sehr auf­schluss­rei­ches Gespräch, und sein Buch «How to Fix a Bro­ken Line» beschäf­tigt mich noch eine Weile.
Die Art-Talks an der Art Week sind eine Art Kon­fe­renz­pro­gramm. Mit 15 Vor­trä­gen brach­te die Mes­se Insti­tu­tio­nen, Künst­le­rIn­nen, Samm­le­rIn­nen und Exper­ten zusam­men, und es wur­de rege über zeit­ge­nös­si­sche The­men dis­ku­tiert. Wegen des Aus­falls eines deut­schen Kol­le­gen wur­de ich ange­fragt, den Eröff­nungs-Talk mit fünf «neu­en» Gesich­tern gros­ser und prä­gen­der Kunst­in­sti­tu­tio­nen rund um Luxem­burg zu mode­rie­ren. Mit dabei waren: Tania Brug­no­ni, Direk­to­rin vom MNAHA (LUX), Patri­cia Cou­vet, Direk­to­rin vom Cent­re d’Art Con­tem­po­rain – Syn­ago­gue de Del­me (FR), Flo­rence Ost­ende, Lei­te­rin der künst­le­ri­schen Abtei­lung vom Mudam (LUX), und Béré­nice Sali­ou, Direk­to­rin vom FRAC Cham­pa­gne-Arden­ne in Reims (FR). Sie alle sind rela­tiv neu in ihren Pos­ten, von 3 Mona­ten bis zu knapp 1,5 Jah­ren. Unser Gespräch dreh­te sich um die Fra­gen, in wel­che Rich­tung sich ihre Insti­tu­tio­nen ent­wi­ckeln, wel­che Plä­ne sie haben und wel­che Her­aus­for­de­run­gen sich bei den Finan­zie­run­gen, aber auch bei den gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen erge­ben und wel­che Aus­wir­kun­gen das alles mit sich bringt. Das For­mat die­ser Art-Talks ist fami­li­är, und es bie­ten sich im Anschluss immer span­nen­de wei­te­re Gesprä­che an.

Kunst­mes­sen sind End­los­schlau­fen der Inspi­ra­ti­on. Wäh­rend die gros­sen Mes­sen das Name­drop­ping, die Kraft des Mar­ke­tings und des Invest­ments defi­nie­ren, sind die Spots der klei­ne­ren Mes­sen viel kunst­in­ten­si­ver und per­sön­li­cher. Ich könn­te hier eben­falls mit vie­len Namen und Ein­drü­cken zu impo­nie­ren ver­su­chen – viel lie­ber ermun­te­re ich aber alle, die nächs­te Art Week selbst zu besu­chen. Für unser eige­nes Qua­li­täts­emp­fin­den brin­gen sol­che Mes­sen ein gross­ar­ti­ges Update im direk­ten Ver­gleich mit dem uns bekann­ten hei­mi­schen Kunst­schaf­fen. Es ver­än­dert buch­stäb­lich die Weltanschauung.
Und so ende­te die Luxem­bourg Art Week 2025 in jeder Hin­sicht posi­tiv, was in Anbe­tracht des ansons­ten eigen­ar­ti­gen Jahrs als gute Erin­ne­rung haf­ten blei­ben wird.

Luxem­bourg Art Week
www.luxembourgartweek.lu



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