Fotos: L. Vogelsang

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Voll der Käse: CHNUTSCH!

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Zu den PFAS (per­flu­or­al­ky­lier­te und poly­flu­or­al­ky­lier­te Schad­stof­fe) gehö­ren mehr als 4700 syn­the­ti­sche und che­mi­sche Mole­kü­le. PFAS wer­den heu­te in allen mög­li­chen Lebens­mit­teln fest­ge­stellt, und auch das Bun­des­amt für Lebens­mit­tel­si­cher­heit und Vete­ri­när­we­sen warnt vor PFAS als poten­zi­el­lem Risi­ko für die mensch­li­che Gesund­heit. Dar­um wird das Sel­ber­ko­chen wie­der attrak­tiv – und nicht nur am Grill. Und des­we­gen machen wir nicht nur unser Brot selbst, son­dern kön­nen uns durch­aus auch an den Käse ran­ma­chen. Dazu lohnt sich ein (ange­mel­de­ter) Besuch in der Käse­rei Uett­li­gen. Wir begin­nen mit einem Chnutsch! (Ist Bern­deutsch und bedeu­tet Knall oder gar Faust­schlag ins Gesicht …)

Robert Rie­sen hat­te mich ein­ge­la­den, er ist ein in Bern gebo­re­ner Koch und Wer­ber, der als Autor meh­re­rer ori­gi­nel­ler Koch­bü­cher wie «Kochen für Boss» und «Der Wanz» sei­ne Lei­den­schaft für die krea­ti­ve und erzäh­le­ri­sche Küche aus­lebt. Auch er war schon The­ma im ensuite. Und es liegt nahe, wer die­sen omi­nö­sen Namen für die­sen neu­en Käse, «Chnutsch», erfun­den hat. Die Ein­la­dung galt für einen Käse­kurs bei «Chäs & so», bei Käser Chris­toph Räz und Sil­via Neu­en­sch­wan­der in Uett­li­gen, unweit von Bern. Selbst Käse her­zu­stel­len, das hat mich schon immer fas­zi­niert. Wie oft stand ich schon vor dem mäch­ti­gen Käse­re­gal, vor die­sen unend­li­chen kleb­ri­gen Käse­sor­ten und frag­te mich, wie ich hier guten Käse ent­de­cken soll. Und wie oft wur­de ich ent­täuscht. Und über­haupt: Was ist Käse eigentlich?

Käse sind fri­sche oder mehr oder weni­ger gereif­te Erzeug­nis­se, die aus dick­ge­leg­ter Milch (meist von Kuh, Schaf oder Zie­ge) her­ge­stellt wer­den. Die Milch wird durch Säue­rung und/oder Lab zum Gerin­nen gebracht, die flüs­si­ge Mol­ke abge­trennt und der fes­te Käse­bruch geformt und gereift. Die Arbeits­schrit­te im Ablauf sind besinn­lich ein­fach, aller­dings emp­find­lich strikt ein­zu­hal­ten, sonst ist das Resul­tat irgend­was. Die Tem­pe­ra­tur­an­ga­ben gel­ten nicht als gut gemein­te Rat­schlä­ge, und bei den weni­gen Zuta­ten gilt es, mit Prä­zi­si­on ans Werk zu gehen. Erst wird die Milch geprüft (Fri­sche), dann gezielt erhitzt, und die Milch­säu­re­bak­te­ri­en wer­den hin­zu­ge­ge­ben. Die­se kauft man – sie selbst her­zu­stel­len, ist zu auf­wen­dig. Die­se Bak­te­ri­en sind ver­ant­wort­lich für den Geschmack und die Kon­sis­tenz des Käses. Das Lab, wel­ches wir spä­ter hin­zu­ge­ben, wur­de ursprüng­lich aus den Mägen von jun­gen Käl­bern (jun­gen Rin­dern) gewon­nen. Also nicht aus den Mägen selbst, son­dern aus den Lab-Enzy­men (die heis­sen so), die aus der Schleim­haut der Käl­ber­mä­gen gewon­nen wer­den. Das klingt eklig, ja, ist aber nur halb so wild. Das Lab ist dafür ver­ant­wort­lich, dass das Milch­ei­weiss Kase­in gerinnt und sich der fes­te Käse­bruch (unge­fähr wie ein halb stich­fes­tes Jogurt) von der Mol­ke trennt. Nach die­sem Ein­di­cken wird der Bruch mit der Har­fe geschnit­ten, von der Mol­ke getrennt. Das sind bekann­te Bil­der, die wir ken­nen, wenn die Mol­ke aus dem Fil­ter­tuch tropft. Der abge­tropf­te Bruch wird in die Form gepresst und gesal­zen. Je nach Käse­sor­te dau­ert das lan­ge (Tage) oder aber nur ein paar Stun­den. Im Anschluss wird gela­gert, der Käse immer wie­der gedreht, damit er sich opti­mal ent­wi­ckeln und die Feuch­tig­keit und das Salz eine gleich­mäs­si­ge Rin­de bil­den kön­nen. Das ist nötig: Da der Käse oft auf einem Brett liegt, trock­nen die­se Stel­len schnel­ler aus als die Ober­sei­ten. Ab jetzt wird noch täg­lich, spä­ter wöchent­lich gedreht, je nach­dem gesal­zen, gewa­schen, abge­rie­ben. Nach Wochen oder Mona­ten hat man einen ess­ba­ren Käse, und wir wis­sen, ob das Expe­ri­ment gelun­gen ist.

Okay, zu Hau­se ist das nicht wirk­lich ide­al her­zu­stel­len. Wobei es Käse­sor­ten gibt, zum Bei­spiel Frisch­kä­se, die pro­blem­los und ein­fach gemacht wer­den kön­nen. Bei den Hart­kä­sen lohnt es sich, sich in Grup­pen zusam­men­zu­schlies­sen – oder aber eine Käse­rei um Hil­fe zu bit­ten. Lei­der gibt es kaum noch Käse­rei­en, und der Beruf ist kom­pli­ziert. Die stren­gen Pro­duk­ti­ons­re­geln, die auf­wen­di­gen tech­ni­schen Anla­gen, die es braucht, um kom­mer­zi­ell Käse her­stel­len zu kön­nen, machen es nicht ein­fa­cher. So hat sich auch Chris­toph Räz in Uett­li­gen mit sei­ner Käse­rei dazu ent­schlos­sen, klei­ne­re Pro­duk­tio­nen und mehr für den Laden her­zu­stel­len. Und des­we­gen orga­ni­siert er jetzt die­se Käse­kur­se, damit man vom Pro­fi Ein­bli­cke in die Käse­rei erhal­ten kann. Und oben­drauf gibt’s für die Kurs­teil­neh­me­rIn­nen ein gemein­sa­mes Znacht und je 1 Kilo Käse. Dar­auf bin ich schon mal sehr gespannt – kei­ne Ahnung, wie der schme­cken wird …

Die Geschich­te vom Käse reicht weit bis in die Anti­ke zurück. Aller­dings war die Schweiz damals kein Käse­land, wie das immer wie­der sug­ge­riert wird. Zwar wur­den frü­he Erwäh­nun­gen des «Caseus Hel­ve­ti­cus» bereits im 1. Jahr­hun­dert nach Chris­tus ent­deckt, spä­ter fand man Doku­men­te, die den Gruyè­re dem Jahr 1115 und den Emmen­ta­ler dem Jahr 1273 zuord­nen lies­sen. Aber das waren kleins­te Pro­duk­tio­nen und es hat­te wohl recht wenig mit dem Käse zu tun, wie wir ihn heu­te ken­nen. So rich­tig los ging der Käse in der Schweiz erst ab 1805, als die Fel­len­berg-Ver­suchs­kä­se­rei star­te­te und alle fan­den: Die spin­nen, die Hel­ve­tier. Phil­ipp Ema­nu­el von Fel­len­berg woll­te mit sei­ner Käse­rei auf sei­nem Land­gut Hof­wil bei Bern bewei­sen, dass hoch­wer­ti­ger Hart­kä­se nicht nur in den Alpen, son­dern auch im Flach­land pro­du­ziert wer­den kann. Und erst ab ca. 1815 ent­stan­den die ers­ten Dorfkäsereien.

Beruf­lich Käse her­zu­stel­len, mag nicht unbe­dingt die span­nends­te Arbeit sein. Sie funk­tio­niert immer genau gleich, mit den glei­chen Abläu­fen. Für Inspi­ra­ti­on ist da nur wenig Platz. Aller­dings zeig­te vom 13. bis zum 15. Novem­ber die Berg­kä­se­rei Vor­derful­ti­gen mit Käser Pius Hitz in Bern, dass der Gruyè­re AOP Schweiz der welt­bes­te Käse 2025 ist. Bei 5000 Käsen aus 46 Län­dern bewer­te­ten 265 Exper­tIn­nen Aus­se­hen, Tex­tur, Aro­ma und Geschmack. Und die­se Per­fek­ti­on kann man nur durch Tüf­te­lei, Aus­dau­er und eine enor­me Impro­vi­sa­ti­ons­ge­duld errei­chen. Der Nach­satz ist aller­dings auch noch eigen­ar­tig: Da jeder Käser eine Lizenz für sei­nen AOP-Käse besit­zen muss und in die­ser Lizenz auch die Her­stel­lungs­kri­te­ri­en, Pro­duk­ti­ons­men­gen und Prei­se fix defi­niert sind, bringt einem der Preis für den welt­bes­ten Käse aus­ser einer Aus­zeich­nung, etwas Ruhm und Ehre wenig.

Aber ich wer­de trotz­dem expe­ri­men­tie­ren und mei­nen eige­nen Haus­kä­se pro­bie­ren. Mal sehen.

«Dein eige­ner Käse»
Chris­toph Räz und Sil­via Neuenschwander
(Laden und Käse­rei) Woh­len­stras­se 6, 3043 Uettligen
www.chaesundso.ch



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