Vor etwa zehn Jahren wurde die «No Billag»-Initiative eingereicht. Hinter der Initiative zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren standen damals Mitglieder der Jungen SVP und der Jungfreisinnigen. Am 4. März 2018 wurde die Idee mit 71,6 % der Stimmen deutlich abgelehnt. Doch richtig ruhig wurde es in den folgenden Jahren nicht um die SRG und ihre Subventionen, ihre Gehälter, das Programm und um das Thema, was eigentlich zum Service public gehört. Am 8. März 2026 werden wir uns bei der Abstimmung zur «200 Franken sind genug»-Initiative (aus der Feder von SVP, JSVP, FDP, Jungfreisinnigen, EDU, Mitte, Lega) wieder entscheiden müssen, was wir von einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk halten und erwarten. Seit 2018 wurden weder die Fragen um den Service public fundiert beantwortet und dessen Richtlinien konsequent festgelegt noch das Programmangebot der SRG so verbessert und der Gegenwart angepasst, dass die Abstimmung obsolet würde. Es geht nicht ums Geld: Es geht um Macht, um Konkurrenz in einem sehr volatilen Markt mit engen Spielräumen. Wir werden eine Abwägung zwischen einem (möglichen) Verständnis einer Notwendigkeit der öffentlich-rechtlichen Anstalt in einer Demokratie und der eigenen Zufriedenheit mit der Führung und den Inhalten der SRG machen müssen. Was ist für mich wichtiger, was ist es mir wert und was passiert, wenn ich den Verantwortlichen doch einen Denkzettel verpassen will oder einfach nach grundlegenden Veränderungen im System strebe? Zu bedenken bei der Entscheidung: Die Techgiganten – private Unternehmen, die den Mediensektor weltweit massgeblich beeinflussen und beherrschen – sind nachweislich politisch rechts-konservativ angesiedelt.
Unterdessen schauen alle gebannt darauf, wie sich in Australien ein Generationenkonflikt entwickelt. Am 10. Dezember 2025 trat in Australien als erstem Land der Welt ein neues Gesetz in Kraft, das Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung von Social Media verbietet. Einige begrüssen das und begründen die dringende Notwendigkeit eines solchen Verbots mit wissenschaftlichen Argumenten, andere wiederum monieren die Bevormundung und suchen Lösungen, um das Verbot zu umgehen. Wer kann es der Generation, die Social Media praktisch mit der Muttermilch aufgesogen hat, verübeln, dass sie die Sache nicht eben lustig findet?
Wissenschaftler warnen schon lange vor dem Suchtpotenzial der Social-Media-Plattformen, vor Cybermobbing, Konkurrenz- und Vergleichsdruck und Radikalisierung und weisen darauf hin, dass emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Konzentration und weitere wichtige Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen ohne ständigen Einfluss durch die Social-Media-Nutzung entwickelt werden müssen. Es ist klar, dass jetzt manche australischen Teenager wie bei einem kalten Entzug Sturm laufen. In den kommenden Monaten wird eine spezielle Kommission die Social-Media-Betreiber darauf kontrollieren, wie viele unter 16-Jährige sich noch auf deren Plattformen tummeln. Falls die Zahlen nicht runtergehen, drohen den Unternehmen Strafen bis zu 30 Millionen Euro. Das australische Beispiel bringt die Debatte auf dem europäischen Kontinent auf jeden Fall wieder in Schwung.
Unterdessen tüftelt in Indien der zwanzigjährige Softwareentwickler Sairaj Balaji an einem KI-Tool namens PrismX herum (eine Anspielung an das US-amerikanische Datenüberwachungsprogramm Prism?), das radikalisierte Nutzergruppen im Netz erkennen, als normaler User in Diskussionen einsteigen und Leute sozusagen «umpolen» soll – also aus der Spirale der Radikalisierung herausholen soll. Einen Haken gibt es bei der Geschichte aber: Wenn das Programm aus der Entwicklungsphase ins reale Leben übergeht, kann es – theoretisch – mit dem gleichen Erfolg für die entgegengesetzten Ziele verwendet werden.
Publiziert: ensuite Ausgabe Nr. 277, Januar 2026






