Artwork: Rich vom Dorf

Bild: Artwork: Rich vom Dorf

Rich Vom Dorf «Mei­ne Stü­cke? Das sind mei­ne Babys, die ver­än­de­re ich nicht!»

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Er nennt sich Rich Vom Dorf – und der Name ist Pro­gramm: Richard Tarutt hat den Sprung vom Land­le­ben in die urba­ne Club­kul­tur geschafft. Seit Jahr­zehn­ten prägt er mit sei­nem Sound die elek­tro­ni­sche Sze­ne mit. Nun wur­de er von den Machern der Bud­dha-Bar-Com­pi­la­ti­ons ein­ge­la­den, das dies­jäh­ri­ge Album zu produzieren.

Rich, die Pro­duk­ti­on eines Bud­dha-Bar-Albums kommt einem Rit­ter­schlag gleich. Wie hat sich die­se Gele­gen­heit ergeben?

Ich weiss es auch nicht so genau. Das The­ma war plötz­lich da. Die Bud­dha-Bar-Jungs mögen deut­sche Künst­le­rin­nen und Künst­ler ganz ger­ne. Bereits vor zwei Jah­ren haben sie mich wegen eines Titels ange­fragt, den sie auf einer ihrer Com­pi­la­ti­ons ver­wen­den woll­ten. Zunächst war ich ein wenig skep­tisch: «Ich pas­se doch gar nicht zu euch – ihr habt ja vor allem elek­tro­ni­sche Welt­mu­sik.» Doch dann merk­te ich, dass dies eine tol­le Sym­bio­se ist.

Als schliess­lich die Anfra­ge für das gan­ze Album kam, wie hast du das kon­zep­tu­ell aufgegleist?
Soll ich dir die Wahr­heit oder eine schö­ne Geschich­te erzäh­len? (lacht)

Wir sind der Wahr­heit verpflichtet.

Das war rich­tig ver­rückt, sage ich dir. Nach­dem wir den Ver­trag abge­schlos­sen hat­ten, dach­te ich zunächst, ich wür­de mei­ne bes­ten Titel zusam­men­neh­men und ein­rei­chen. 18 Stück waren es an der Zahl, neu abge­mischt und gemas­tert – eine schö­ne musi­ka­li­sche Rei­se. Die Jungs hat­ten aller­dings nur mäs­sig Freu­de daran.

Wie­so das?

Da kamen Kom­men­ta­re wie: «Die­ses Stück klingt doch wie das ande­re» oder «Hier wür­de eine Gitar­re pas­sen, da viel­leicht ein Saxo­fon». Sie woll­ten mei­ne Stü­cke teil­wei­se neu struk­tu­rie­ren. Hey, das sind mei­ne Babys, die ver­än­de­re ich nicht! Ich schlug wei­te­re Stü­cke aus mei­nem Reper­toire bei Spo­ti­fy vor. Da merk­ten wir alle, dass wir anein­an­der vor­bei­ge­re­det hat­ten. Mir war bis zu die­sem Zeit­punkt näm­lich nicht bewusst, dass ein kom­plett neu­es Album mit unver­öf­fent­lich­ten Stü­cken gewünscht war. Folg­lich muss­te ich das Pro­jekt neu auf­glei­sen, im Eil­ver­fah­ren Stü­cke ent­wi­ckeln und pro­du­zie­ren – innert sechs Wochen. Das war eine ech­te Feuerwehrübung!

Wie hast du den krea­ti­ven Pro­zess unter die­sem Druck erlebt?

Der Druck hat mir tat­säch­lich gut­ge­tan. Ein Kol­le­ge frag­te mich: «Hey Rich, warst du im Strand­ur­laub oder so?» Dabei hat­te ich Tag und Nacht im dunk­len Stu­dio geses­sen. Nach aus­sen klingt es viel ver­träum­ter, als es in Wirk­lich­keit war.

Wel­che Leit­li­nie hast du beim Pro­du­zie­ren verfolgt?

Ich hat­te eine Beach-Bar vor Augen und stell­te mir vor, wie man am Strand sitzt, mit Freun­den den Son­nen­un­ter­gang bei einem Cock­tail in der Strand­bar geniesst oder den Nach­mit­tag dort verbringt.
Bud­dha-Bar ist sowohl auf CD als auch auf Vinyl erschie­nen. Wie war es für dich, als du das Pro­dukt zum ers­ten Mal in den Hän­den gehal­ten hast?
Ich war hap­py! Mein letz­tes Vinyl liegt bestimmt zehn Jah­re zurück. Ich habe mich übri­gens auch auf das Gespräch mit dir gefreut und dar­über, dass du mich für das Inter­view ange­fragt hast.

Tat­säch­lich?

Ja, dei­ne Anfra­ge kam plötz­lich, wie aus dem Nichts. Orga­nisch! Ich habe frü­her oft gesagt, dass ich kei­nen Dün­ger streue. Es gibt Leu­te, die betrei­ben Mar­ke­ting mit gekauf­ten Inter­views. Das ist nicht mein Ding. Natür­lich mache auch ich auf mich auf­merk­sam, etwa über Social Media oder mei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen. Aller­dings habe ich kein eige­nes Mar­ke­ting-Team oder eine Agen­tur, die sich um alles küm­mert. Mei­ne Reich­wei­te ist über die Jah­re hin­weg orga­nisch gewach­sen. Und ich kann von mei­ner Arbeit als Pro­du­zent und DJ leben, das ist das Tolle.

Arbei­test du Vollzeit?

Ja, 14 Jah­re sind es jetzt. Mei­ne Mut­ter sag­te ein­mal zu mir: «Richard, willst du dir nicht einen rich­ti­gen Beruf suchen?» «Das ist ein rich­ti­ger Beruf», ent­geg­ne­te ich ihr. Es hat Jah­re gedau­ert, bis mei­ne Eltern ver­stan­den haben, dass das, was ich tue, ein Beruf ist. (lacht) Ich habe das Glück, mei­nen Beruf als Beru­fung zu leben – das ist ein ech­tes Privileg.
Seit 2014 führst du das Label Tächno.
Mitt­ler­wei­le ist das eine One-Man-Show gewor­den. Das heisst, ich ver­öf­fent­li­che nur noch mei­ne eige­nen Sachen. Frü­her hat­te ich gele­gent­lich auch ande­re Künst­ler und Künst­le­rin­nen unter Ver­trag. Es ist auf­wen­dig, ein Label zu betrei­ben und ande­re Artists so nach vor­ne zu brin­gen, dass sie bei Spo­ti­fy ganz oben ste­hen. Es muss immer viel Arbeit rein­ge­steckt wer­den. Mit der Zeit habe ich fest­ge­stellt, dass ich lie­ber mei­ne eige­ne Sup­pe koche – das ist entspannter.

Inwie­fern?

Ich kann den Publi­ka­ti­ons­rhyth­mus selbst bestim­men. Da ich alles selbst mache, sogar die Gra­fi­ken, bin ich schon froh, wenn nicht zu viel gleich­zei­tig ansteht.
Du bist auch gra­fisch aktiv?

Bevor ich ange­fan­gen habe, Musik zu machen, war ich Gra­fi­ker. Heu­te ver­schmel­zen bei mir Bild und Klang – für mich eine der span­nends­ten For­men krea­ti­ven Ausdrucks.

Vor zwei Jah­ren kam dein Album «Love Tale» her­aus. Wie wür­dest du es im Ver­gleich zur soeben erschie­ne­nen Bud­dha-Bar-Pro­duk­ti­on einordnen?

Das war eine emo­tio­na­le Lie­bes- und Lei­des­ge­schich­te in musi­ka­li­scher Form. Da ste­cken so viel Lie­be und Lei­den durch Lie­be drin! Es geht um Bezie­hun­gen, und man spürt die Melan­cho­lie in jedem Track. Im Ver­gleich dazu klingt die Bud­dha-Bar-Pro­duk­ti­on weni­ger melan­cho­lisch. Ich bin immer noch der gröss­te Fan von «Love Tale» und habe mei­ne Musik voll ger­ne. Ich füh­le mich da drin zu Hause.

Wie wür­dest du dei­ne Musik grund­sätz­lich beschrei­ben? Je nach Quel­le wirst du den Gen­res Melo­dic House, Deep House und Tech­no zugeordnet.

Für mich ist es emo­tio­na­le elek­tro­ni­sche Musik zum Hören. Wenn ich an die Kate­go­ri­sie­run­gen bei der Online-Platt­form Beat­port den­ke, bin ich für das Melo­dic-House-Gen­re zu soft. Für Deep House bin ich nicht housig genug.

Wo fin­det dei­ne Musik ihren Platz – in wel­cher Stim­mung, an wel­chem Ort?

Wenn ich pro­du­zie­re, den­ke ich oft ans Spa­zie­ren­ge­hen, ans Auto- oder Zug­fah­ren. Die Welt zieht an einem vor­bei, und du kannst in die Musik ein­tau­chen. Music in Motion …

… die du dann auch auf dei­nen Gigs präsentierst.

Nur sel­ten, weil ich das Gefühl habe, dass sie dort nicht so recht hin­ein­passt. Das führt manch­mal zu Miss­ver­ständ­nis­sen. Vie­le Besu­che­rin­nen und Besu­cher kom­men gera­de wegen mei­ner Pro­duk­tio­nen zu den Gigs und sind dann über­rascht oder ent­täuscht, wenn sie mei­ne Stü­cke nicht hören.

Hast du es nie mit dei­nen Pro­duk­tio­nen versucht?

Doch, neu­lich in Ber­lin – beim Geburts­tag von DJ Tho­mas Liz­za­ra. Im Vor­feld mein­te er: «Mach doch mal den Radio­rich!» Ich dach­te nur: Oje …

Wie­so?

Weil ich manch­mal den­ke, dass mei­ne Pro­duk­tio­nen nicht so rich­tig club­taug­lich sind. Falsch gedacht! Vor dem Auf­tritt stell­te ich etwa sech­zig Tracks aus mei­nem Reper­toire zusam­men und brach­te sie in eine dra­ma­tur­gi­sche Rei­hen­fol­ge. Das Set war unglaub­lich bewe­gend und emotional.

Wirst du in Zukunft ver­mehrt dei­ne Musik an Gigs bringen?

Ich bin mir noch nicht sicher – es kann durch­aus sein.

Und wie steht’s mit einem Besuch in der Schweiz?

Ich bin nicht so oft in der Schweiz. Gele­gent­lich war ich schon in Basel und Zürich. Aktu­ell sind aber kei­ne Ter­mi­ne vorgesehen.

Was steht als Nächs­tes an?

Die kom­men­den zwei Mona­te kon­zen­trie­re ich mich kom­plett aufs Pro­du­zie­ren und spie­le kei­ne Gigs. Viel­leicht mie­te ich mir in der Zeit für ein paar Wochen eine Hüt­te irgend­wo bei euch in den Ber­gen, um dem Kopf mehr Frei­raum von Ein­flüs­sen zu geben.

Dann sehen wir uns ja viel­leicht bald bei uns.

Wer weiss? Doch vor­erst dan­ke – und «Moin» aus Hamburg!

Über Rich Vom Dorf
Der in Ham­burg wohn­haf­te DJ und Pro­du­zent Richard Tarutt aka Rich Vom Dorf begann bereits in den 1990er-Jah­ren, sich mit Musik zu beschäf­ti­gen. Mit der Zeit bau­te er die­se Tätig­keit wei­ter aus. Orga­nisch, wie er selbst sagt. Seit 14 Jah­ren wid­met er sich der Musik hauptberuflich.
Sein Sound ist im elek­tro­ni­schen Seg­ment ange­sie­delt, oft melan­cho­lisch geprägt, mit melo­di­schen Syn­ths und tie­fen Bass­li­ni­en. Neben der Pro­duk­ti­on eige­ner Stü­cke ist er als DJ in Clubs in Deutsch­land und ganz Euro­pa unter­wegs. Beson­ders beliebt sind – gemäss Spo­ti­fy – «Ever­mo­re», «Gim­me Some­thin» oder «Don’t Let Go».
2023 ist das Album «Love Tale» bei sei­nem eige­nen Label Täch­no erschie­nen. Mit­te Sep­tem­ber hat er im Rah­men der fran­zö­si­schen Com­pi­la­ti­on-Rei­he Bud­dha-Bar sein drit­tes Album inner­halb von drei Jah­ren veröffentlicht.

Album
Bud­dha-Bar: by Rich Vom Dorf & Ravin (2025, Geor­ge V)
www.buddhabar.com

instagram.com/richvomdorf
soundcloud.com/richvomdorf



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