Unsichere Zeiten provozieren verstörende Filme. Auf diesen Nenner könnte man einen Trend bringen, der in den Kinos grassiert. Monster werden wieder zum Leben erweckt («Dracula», «Frankenstein»). Faschistische «Viren» breiten sich wieder aus («One Battle after An-other» mit Leonardo DiCaprio). Der Medien-Unterhaltungswahn initiiert mörderische Spiele und Wettkämpfe («The Long Walk», «The Running Man»). Regisseur Cédric Jimenez inszenierte einen futuristischen, dystopischen Thriller, in dem KI die Kontrolle über Paris übernommen hat.
«Zone 3» Die Seinestadt ist in drei Zonen eingeteilt, die streng voneinander abgeschirmt sind: Zone 1 ist der Élite vorbehalten, in Zone 2 leben Wohlhabende und Privilegierte, Zone 3 ist das Ghetto der Abgehängten, Verarmten, Verstossenen und Aussenseiter. Und über allem wacht Alma, die allmächtige KI. Sie hat die absolute Kontrolle, dirigiert den Polizeiapparat und sorgt für strikte Aufrechterhaltung von Ordnung und sozialer Trennung. Als der Alma-Erfinder ermordet wird, nehmen zwei gegensätzliche Polizisten eher gegen ihren Willen die Ermittlungen auf: der desillusionierte, dem Alkohol nicht abgeneigte Einzelgänger Zem (Gilles Lellouche) aus Zone 3 und Salia (Adèle Exarchopoulos), eine smarte, elegante Kommissarin aus Zone 2. Ein Gespann wie Feuer und Eis.
Für den Innenminister (Romain Duris) ist klar, wer hinter dem Mord und weiteren Leichen steckt: der Anführer der «Wallbreaker», John Mafram (Louis Carrel). Diese Untergrundorganisation leistet Widerstand, will das System brechen und die KI entmachten. Salia und Zem stochern in einem Wespennest. Sie wachsen zu einem echten Team zusammen. Die Welt ist grausam, und zum Schluss ertönt der Pink-Floyd-Song «Wish You Were Here». Wer siegt und bleibt zurück?
Cédric Jimenez, Regisseur aus Marseille, verfasste zusammen mit Olivier Demangel das Drehbuch, das auf dem Roman «Hund 51» von Laurent Gaudé basiert. Schauplatz war Griechenland, die demokratischen Strukturen wurden zerstört, ein Konzern regierte. Die Menschen wurden in Zonen eingeteilt, unterjocht, klassifiziert. Im Grundtenor hält sich der Film «Zone 3» an die innere Struktur des Buches, gemünzt auf ein totalitäres System, aktuell von einer KI (Alma) kontrolliert. «Hund 51» ist im Buch ein Hilfspolizist, auf Schleuser angesetzt. Er wurde hier zum Ermittler Zem, der ursprünglich aus einem nicht mehr existierenden Griechenland kommt. Zusammen mit Kollegin Salia deckt er Machenschaften und Verstrickungen auf. Dass sich ihr Verhältnis wandelt, entwickelt, ist naheliegend. Doch dass daraus eine Liebesbeziehung wird, bleibt etwas unglaubwürdig. An den grossartigen Schauspielern Lellouche und Exarchopoulos liegt es nicht.
Jimenez’ SF-Thriller besticht denn auch mehr durch seine düsteren Szenarien, durch hautnahe Action (mit wenigem technischem Brimborium) und seine Thematik. Bereits in seinen Filmen «Bac Nord – Bollwerk gegen das Verbrechen» (2020), ebenfalls mit Lellouche und Exarchopoulos, und «November» (2022) setzte sich Jimenez mit Verbrechen und Verbrechensbekämpfung, mit Anschlägen und Ermittlungen («November») auseinander. «Zone 3» entwirft nun ein futuristisches Szenarium, das unserer Wirklichkeit sehr nahekommt. Spannend und denkwürdig.






