- ensuite | kulturagenda | enBlog - https://ensuite.we-are.gmbh/ -

Zen­tren der euro­päi­schen Indus­trie­kul­tur, Teil 12: Steyr, Ober­ös­ter­reich Eisen im Blut

Die schö­ne Stadt Steyr am Fluss Steyr ist, wie das gan­ze Steyr­tal, ein wun­der­sa­mer Ort. Als Besu­cher kommt man aus dem Stau­nen über Hand­werks­kunst und Waf­fen­schmie­den nicht her­aus.

Das fängt schon beim Christ­kind an.

Denn Brie­fe ans öster­rei­chi­sche Christ­kind lan­den auf einem vier Kilo­me­ter von Steyr ent­fern­ten Son­der­post­amt. Auf dem Post­amt Christ­kindl in A‑4411 Christ­kindl, Christ­kindl­weg 6. Seit 1950 ver­schickt das fleis­si­ge Christ­kind, auf Initia­ti­ve eines US-Sol­da­ten, von dort jähr­lich ein­ein­halb Mil­lio­nen Ant­wort­schrei­ben mit Son­der­mar­ke und ‑stem­pel in die Welt. Vor­aus­ge­setzt, man schreibt ihm zuvor einen Brief.
Sei­nen Ruhe­sitz hat das Jesu­lein in einer baro­cken Wall­fahrts­kir­che, die, wie könn­te es anders sein, Christ­kindl heisst. Die Gna­den­fi­gur ist nur zehn Zen­ti­me­ter klein, macht aber seit 1695 viel her. Seit näm­lich der schwer kran­ke Tür­mer und Kapell­meis­ter Fer­di­nand Sertl sei­ne Epi­lep­sie dank einem wäch­ser­nen Jesus­pup­perl, das er in die Höh­lung einer Fich­te leg­te und mehr­mals in der Woche anbe­te­te, kuriert zu haben glaub­te. Die Wun­der­hei­lung – viel­leicht han­del­te es sich ja nur um eine Fehl­dia­gno­se – über­zeug­te der­art vie­le Gläu­bi­ge, dass die Fich­te zum Wall­fah­ren nicht mehr reich­te. Schon sie­ben Jah­re spä­ter leg­te man den Grund­stein der Kir­che «Zum Christ­kindl unterm Him­mel». Seit 1708 ruht das Hei­land­lein dort in einem klei­nen Schrein am Hochaltar.

Tou­ris­tisch weit unter Wert.

Steyr – mit y – liegt irri­ger­wei­se nicht in der Stei­er­mark. Wohl aber hat­ten die stei­ri­schen Her­zö­ge ursprüng­lich in Ober­ös­ter­reich ihren Stamm­sitz. Der Name der schmu­cken Klein­stadt mit 38000 Ein­woh­nern lei­tet sich von Stira­purch ab. Gegrün­det vor über 1000 Jah­ren am Zusam­men­fluss der Steyr und Enns, schmiegt sie sich an die Flan­ken des Burg­bergs der Sty­ra­burg, auf deren Grund­fes­ten mitt­ler­wei­le Schloss Lam­berg thront.
Bereits im frü­hen Mit­tel­al­ter ent­wi­ckel­te sich Steyr zum bedeu­ten­den Hand­werks- und Han­dels­zen­trum an der Eisen­stras­se, wo eine der ältes­ten Indus­trie­land­schaf­ten Euro­pas («Eisen­wur­zen») ent­stand. Heu­te liegt es im Schat­ten der gros­sen Ver­kehrs­ach­sen und im Abseits der Tou­ris­ten­strö­me. Mit dem Auto braucht man ca. 50 Minu­ten von Linz hier­her, mit dem Zug von Pas­sau bzw. Wien plus/minus zwei Stunden.
Unge­ach­tet der aus­ser­ge­wöhn­li­chen Ver­gan­gen­heit – und der fabel­haf­ten Foto­spots – ver­kauft sich die Stadt im Zeit­al­ter der Influen­cer und Insta­gramm­er unter Wert. Eher Under- als Over­tou­ris­mus – obwohl die Mar­ken Steyr, Steyr-Daim­ler-Puch, Steyr Arms oder Steyr Mann­li­cher bei Wei­tem nicht nur Insi­dern ein Begriff sind.

Alles kam vom Eisen.

Eisen war einst so wert­voll wie Gold. Schon die Römer hat­ten auf der Eisen­stras­se Inner­ber­ger Eisen­erz in ihre Schild­fa­brik auf Stey­rer Boden gebracht. Ab dem 12./13. Jahr­hun­dert gelang es den Han­dels­her­ren der Stadt, dank dem Pri­vi­leg des Sta­pel­rechts für Holz und Eisen Mes­se­rer, Har­nisch­ma­cher und Klin­gen­schmie­de, bevor­zugt aus Nürn­berg, her­zu­lo­cken. Ande­rer­seits wan­der­ten Stey­rer Mes­ser­schmie­de aus reli­giö­sen Grün­den nach Solin­gen aus, wie Stadt­füh­rer Peter Schim­mel erzählt.

Auf der Enns brach­ten Flös­ser Roh­ei­sen­stan­gen vom Erz­berg in die Stadt. Mit­hil­fe von Was­ser­kraft wur­den die­se ver­ar­bei­tet. Zu dem Zweck bau­te man den «ver­zopf­ten Lauf der Steyr» mit Kanä­len, Weh­ren, Müh­len und Brü­cken zum früh­in­dus­tri­el­len Fabrik­quar­tier «Wehr­gra­ben» aus. Heu­te ist das Quar­tier im Stadt­teil Steyr­dorf ein ein­zig­ar­ti­ges Are­al der Indus­trie­ge­schich­te. In den 1970er-Jah­ren woll­te man das «Gerin­ne», wie die Stey­rer sagen, zuschüt­ten, was Bür­ger­initia­ti­ven ver­hin­dern konn­ten. Seit 1983 steht es unter Denk­mal­schutz; vie­le der Fabri­ken wur­den in Kul­tur- und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen trans­for­miert, wie z. B. das in Öster­reich ein­ma­li­ge Muse­um Arbeits­welt an der Kupferhammerfalle.

Archi­tek­to­ni­sches Juwel.

Über die Enns und die Donau wur­den die Eisen­wa­ren ver­schifft, «bis nach Vene­dig, wo man sie gegen Glas und Sei­de tausch­te». Gui­de Schim­mel lässt auf dem Gang durch die Gas­sen die Blü­te­zeit im 15./16. Jahr­hun­dert auf­le­ben, als die Klein­ei­sen­pro­duk­ti­on (Sen­sen, Mes­ser, Waf­fen, Huf­ei­sen, Nägel usw.) vol­le Fahrt auf­nahm. «Das Rat­tern der Was­ser­müh­len, Don­nern der Eisen­häm­mer, Krei­schen der Sägen sorg­te für ohren­be­täu­ben­den Lärm. Steyr war zu einer der wich­tigs­ten Waf­fen­schmie­den des Kon­ti­nents gewor­den und nach Wien die reichs­te Stadt Öster­reichs», erzählt Schim­mel. Die Stadt soll die höchs­te Dich­te an denk­mal­ge­schütz­ten Objek­ten in Rela­ti­on zur Ein­woh­ner­zahl aufweisen.

Wie ver­mö­gend und vor­nehm die Bür­ger waren, zeigt sich an der Stadt­pfarr­kir­che, die zum Teil nach Plä­nen der Wie­ner Dom­bau­hüt­te erbaut wur­de, am schöns­ten Roko­ko­rat­haus des Lan­des und den vie­len reich ver­zier­ten Bür­ger­häu­sern. Am Stadt­platz prä­sen­tie­ren sie sich in einem bun­ten Stil­mix aus Spät­go­tik, Renais­sance, Barock, Roko­ko, Klas­si­zis­mus und Bie­der­mei­er. Die Anwe­sen sind viel grös­ser, als sie schei­nen; sie rei­chen 60, 70 m tief nach hin­ten, über meh­re­re Gebäu­de und Innen­hö­fe hin­weg. Das spar­te laut Schim­mel Steu­ern, denn es zähl­ten nur die Fens­ter an der Front. Vie­le der Fens­ter­lä­den in den obers­ten Eta­gen sind geschlos­sen oder die Fens­ter zuge­mau­ert. «Da ist oft nichts dahin­ter, nur Schein­fas­sa­den und lee­re Giebel.»

Pan­ther, Löwen, Voglsang.

Eines der best­erhal­te­nen goti­schen Patri­zi­er­häu­ser Öster­reichs ist das «Bum­merl­haus», das einem schwer­rei­chen Eisen­händ­ler gehör­te und spä­ter ein Wirts­haus wur­de. Sei­nen Namen ver­dankt es dem Wirts­haus­schild, das einen gol­de­nen Löwen zeigt. Für die stol­zen Stey­rer war der ein «Bum­merl», ein klei­ner, dick­li­cher Hund, im Ver­gleich zum Feu­er spei­en­den Pan­ther im Stadtwappen.

Man­che der präch­ti­gen Häu­ser sind im Besitz von Ban­ken und Spar­kas­sen, ande­re sind ans Tou­ris­mus­bü­ro, an Hotels oder die Poli­zei ver­mie­tet. «Zum Glück», meint Eva Pötzl, Geschäfts­füh­re­rin des Tou­ris­mus­ver­bands «Steyr und die Natio­nal­park-Regi­on». «Denn wegen der hohen Unter­halts- und Reno­va­ti­ons­kos­ten sind sie schwer zu ver­kau­fen oder zu ver­pach­ten.» Wie im Fall des wun­der­schö­nen, aber leer ste­hen­den «Hau­ses Stern», aus­sen him­mel­blau­es, spät­ba­ro­ckes Bijou, innen spät­go­tisch mit Arka­den­hof und Geheimgängen.

«Geheim­gän­ge, Flucht­we­ge und ein­ge­haus­te Stie­gen sind cha­rak­te­ris­tisch für Steyr», sagt Peter Schim­mel. Der 82-Jäh­ri­ge steigt mühe­los die lan­gen, stei­ner­nen Geheim­trep­pen zum «Gsang» hin­auf. Dort befin­det sich Schloss Vogl­sang, der Alters­sitz des Gross­in­dus­tri­el­len Josef Werndl. Woher die Namen? «Im Park des Anwe­sens sin­gen die Vögel so schön und gab es vie­le Tiere.»

Der älte­re Herr kennt die ver­bor­ge­nen Wege der Stadt. Seit er in Ren­te ist, arbei­tet der Inge­nieur als Gäs­te­gui­de, zuvor war er zeit­le­bens bei den Stey­rer Wer­ken beschäf­tigt. «Erst als KFZ-Schlos­ser und nach dem Abend­gym­na­si­um und dem Maschi­nen­bau­stu­di­um als Zustän­di­ger für Kugel­la­ger für LKWs, Trak­to­ren oder Agrar­ma­schi­nen. Dabei soll­te ich oft Besu­chern von MAN, BMW oder John Dee­re die Stadt zei­gen», wes­halb ihn der dama­li­ge Tou­ris­mus­di­rek­tor danach an Bord geholt habe.

Waf­fen­fa­bri­kant und Wohltäter.

Josef Werndl (1831–1889) mach­te Steyr zum zwei­ten Mal zur euro­päi­schen Waf­fen­schmie­de. Der gelern­te Büch­sen­ma­cher und sein Werk­meis­ter Karl Holub erfan­den – «lei­der erst nach dem ver­lo­re­nen Krieg von 1866 gegen die Preus­sen», so Schim­mel – den Taber­na­kel­ver­schluss für Hin­ter­la­der. Das bahn­bre­chen­de Ver­schluss­sys­tem liess Geweh­re schnel­ler nach­la­den und mach­te sie siche­rer und robus­ter. Ein Gross­auf­trag des Kai­sers, der 250 000 neue Hin­ter­la­der und die Umrüs­tung aller Vor­der­la­der­büch­sen umfass­te, pass­te per­fekt zu Werndls Visi­on einer indus­tri­el­len Waf­fen­pro­duk­ti­on, über die er sich mit Holub in den USA schlau­ge­macht hatte.

Die Geschäf­te sei­ner 1864 gegrün­de­ten Waf­fen­fa­brik Steyr ent­wi­ckel­ten sich bald präch­tig, und erneut rück­te der Wehr­gra­ben an die Spit­ze der euro­päi­schen Waf­fen­in­dus­trie. Um 1900 dräng­ten sich Fabri­ken und Schmie­den für Räder, Fahr­rad­ket­ten, Gewehr­tei­le, Säbel­ba­jo­net­te, Schrau­ben, Mut­tern, Bol­zen, Zylin­der, für Werk­zeug­spe­zi­al­ma­schi­nen sowie Schiess­stät­ten, Guss­wer­ke, Säge­rei­en, Schlei­fe­rei­en und elek­tro­tech­ni­sche Werk­stät­ten am Gerin­ne der Steyr. Vie­le in der cha­rak­te­ris­ti­schen Optik mit gel­ber Fas­sa­de, Seg­ment­bö­gen über den Fens­tern und roten Ziegelgesimsen.

Werndl wird nach­ge­sagt, ein genia­ler Erfin­der, gna­den­lo­ser Geschäfts­mann und Patron alten Schlags gewe­sen zu sein, aber fort­schritt­lich in Bezug auf Lebens­qua­li­tät und Sozi­al­leis­tun­gen, wie Schim­mel sagt. «Loya­li­tät lohn­te sich, er bot der Beleg­schaft mehr als üblich: eine kos­ten­lo­se medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, Arbeits­lo­sen- und Pen­si­ons­ver­si­che­rung, grös­se­re und moder­ne­re Wohn­sied­lun­gen, Schu­len, Stras­sen und das ers­te Arbei­ter­schwimm­bad Euro­pas.» Dass Werndl Steyr als ers­te Stadt in Euro­pa elek­trisch beleuch­ten liess, rief sogar den Kai­ser und sei­ne Kin­der neu­gie­rig auf den Plan.
Öster­rei­chi­sches Detroit. Ziel des sozia­len Enga­ge­ments war, die Arbei­ter an das Unter­neh­men zu bin­den und ruhig zu hal­ten, denn die Lebens­be­din­gun­gen waren bei aller Für­sor­ge hart, und in der Indus­trie­stadt for­mier­te sich bereits ab 1870 eine Arbei­ter­be­we­gung, frü­her als in Linz, der ober­ös­ter­rei­chi­schen Landeshauptstadt.

Bis zu Hit­lers Macht­über­nah­me diver­si­fi­zier­ten sich die Stey­rer Wer­ke in ver­schie­dens­te Zwei­ge der Metall­ver­ar­bei­tung und gewan­nen vor allem im Fahr­zeug­bau stark Know-how dazu. Als Mit­te der 20er-Jah­re die ers­ten Fliess­band­pro­duk­tio­nen in Steyr anlie­fen, war schnell die Rede vom öster­rei­chi­schen Detroit. Unter den Nazis wur­de die Waf­fen­fa­brik, 1934 zu Steyr-Daim­ler-Puch ver­eint, zum gröss­ten Rüs­tungs­kon­zern der Ost­mark. Sie setz­te als ers­tes Unter­neh­men KZ-Häft­lin­ge für Zwangs­ar­beit ein. Über­haupt soll der Natio­nal­so­zia­lis­mus in Steyr auf frucht­ba­ren Boden gefal­len sein.
Zwi­schen 1987 und 1998 wur­de der Misch­kon­zern in Ein­zel­tei­le zer­schla­gen. Das Fahr­rad­ge­schäft ging an Bian­chi, die Mopeds an Piag­gio, die LKW-Spar­te an MAN, die Bus­pro­duk­ti­on an Vol­vo. Die Trak­to­ren und die schwe­ren Waf­fen über­nah­men US-Inves­to­ren, auch Chi­ne­sen hol­ten sich einen Teil vom Kuchen. Heu­te sind BMW, GFM, Steyr Auto­mo­ti­ve, SKF und ZF die gröss­ten inter­na­tio­nal täti­gen Kon­zer­ne in Steyr. Auto­mo­ti­ve, Elek­tro­mo­bi­li­tät, Maschi­nen­bau, IT und Umwelt­tech­nik prä­gen die Wirt­schaft der «Christ­kindl­stadt». Der Name Steyr steht nach wie vor für hoch­wer­ti­ge Prä­zi­si­ons­waf­fen: Steyr Mann­li­cher pro­du­ziert Geweh­re und Pis­to­len für die Jagd, Steyr Arms Hand­feu­er­waf­fen für Poli­zei und Militär.

Huf­ei­sen und Hellebarden.

Ein Betrieb, der seit 1350 Schmie­de­kunst her­stellt, ist die «Schmid­ten bei der Lacken» in Molln im Steyr­tal, zwi­schen Steyr und dem Natio­nal­park Kalk­al­pen gele­gen. Seit 200 Jah­ren ist die Schmie­de im Besitz der Fami­lie Schmid­ber­ger. Noch heu­te schmie­den die Brü­der Johann und Georg Schmid­ber­ger Blank­waf­fen (Säbel, Dol­che, Lan­zen usw.), Rüs­tun­gen, Schlös­ser, Tru­hen, Zäu­ne oder Tore in schweiss­trei­ben­der Arbeit von Hand. Mut­ter Hil­de­gard erzählt Besu­chern Span­nen­des über his­to­ri­sche Kaf­fee­rös­ter, Hos­ti­en­ei­sen, Uhren­ge­rich­te, Och­sen­blatt­ler oder ortho­pä­di­sche Huf­ei­sen, die es vor der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on gab. Die musea­le Zeug‑, Huf- und Nagel­schmie­de ist eine Schatz­kam­mer für Geschich­ten übers Kes­sel­fli­cken, Fal­len­stel­len oder Eis­sä­gen; man erfährt, wozu Feu­er­ha­ken, Fun­zeln (Arm­leuch­ter) oder ein Arse­nal von medi­zi­ni­schen Werk­zeu­gen die­nen, bis einem bei Ader­lass- und Zahn­zan­gen das blan­ke Grau­en kommt.

In der Schmie­de­werk­statt auf der ande­ren Stras­sen­sei­te arbei­ten die Söh­ne wie ihre Vor­fah­ren vor Hun­der­ten von Jah­ren am his­to­ri­schen Bla­se­balg. Mit den­sel­ben Mate­ria­li­en, Tech­ni­ken und Gerät­schaf­ten stel­len sie Requi­si­ten nach uralten Vor­la­gen für Muse­en, Thea­ter, Mit­tel­al­ter­fest­spie­le, Burg- oder Schloss­her­ren her und repa­rie­ren Ori­gi­na­le. Pla­ci­do Dom­in­go bekam hier eine mass­ge­schnei­der­te Rüs­tung für «Othel­lo» an den Salz­bur­ger Oster­fest­spie­len ver­passt, Bru­no Ganz wur­de für «Itha­ka» an den Münch­ner Kam­mer­spie­len in Eisen «ein­ge­klei­det», Klaus Maria Bran­dau­er in «Wal­len­stein» ver­wan­delt. Für Bru­no Ganz sei­en sie «14-mal nach Mün­chen raus­ge­fah­ren», die Rüs­tung habe den zar­ten Mann immer so sehr an Hals und Bei­nen gedrückt.
Brust­pan­zer nach 500-jäh­ri­gen Vor­la­gen. Der gröss­te Auf­trag für die Kunst­schmie­de kommt aus dem Vati­kan. Die Schwei­zer Gar­de lässt in Molln ihre 8 bis 12 Kilo­gramm schwe­ren Rüs­tun­gen für die Leib­wäch­ter des Paps­tes anfer­ti­gen: Har­ni­sche und Hel­me in acht ver­schie­de­nen Grös­sen, Hel­le­bar­den und Schwer­ter. Die jahr­hun­der­te­al­ten Rüs­tun­gen pas­sen den jun­gen Män­nern von heu­te nicht mehr. Für Offi­zie­re auf Lebens­zeit gibt es Mass­an­fer­ti­gun­gen, für den Haupt­mann der Schwei­zer Gar­de einen fili­gran ver­zier­ten Prunkharnisch.

100 bis 120 Arbeits­stun­den braucht der ver­sier­te Kunst­schmied für einen Har­nisch. Georg Schmidt­ber­ger erklärt, wie das vor sich geht: «Wie beim Schnei­der nimmt man die Mas­se und schnei­det die Tei­le des Schnitt­mus­ters aus rei­nem Stahl­blech mit Scha­blo­nen aus. Dann wird das Blech getrie­ben, das heisst, im Feu­er durch wie­der­hol­tes Erhit­zen geformt. Durch Stau­chen wird es dicker, durch Trei­ben dün­ner, wie ein Teig.» Am Hals muss das Blech 1 mm stark sein, am Rücken 1,5 mm, auf der Brust 3 mm. Tau­sen­de Ham­mer­schlä­ge im Wech­sel zwi­schen Feu­er und Amboss, bis Form und Elas­ti­zi­tät stim­men. Nach dem Abschlei­fen und Polie­ren lie­fern die Schmid­ber­gers die Rüs­tun­gen in der Regel per­sön­lich in Rom aus.

Brumm­ei­sen, Sen­sen, Feitel.

Man könn­te noch vie­les über die Hand­werks­kunst an der Eisen­stras­se erzäh­len. Über die Maul­trom­meln von Molln, die beim letz­ten ober­ös­ter­rei­chi­schen «Brummeisen»-Produzenten Wim­mer-Bades in 12. Gene­ra­ti­on gefer­tigt wer­den, über die Schwar­zen Gra­fen ali­as Sen­sen­ma­cher im idyl­li­schen Schmied­leit­hen, die Sen­sen für die gan­ze Welt her­stell­ten, bis zu den Trat­ten­ba­cher Fei­tel­ma­chern und ihren guten wie güns­ti­gen Taschen‑, Küchen- und Jagd­mes­sern. Sie alle sind einen Besuch wert. Eben­so das Stey­rer Krip­perl, eines der letz­ten bespiel­ten Stab­pup­pen­thea­ter in Euro­pa, und erst die unter UNESCO-Welt­na­tur­er­be-Schutz ste­hen­den uralten Buchen­wäl­der im Natio­nal­park Kalk­al­pen, Öster­reichs gröss­ter Waldwildnis.

Im Advent sind es frei­lich Kon­zer­te in der Wall­fahrts­kir­che oder in Schloss Lam­berg, der Weih­nachts­markt auf dem Stadt­platz und das schrei­ben­de Christ­kind, die Steyr attrak­tiv machen. Bis 6. Janu­ar 2026 ist das Son­der­post­amt geöff­net, man kann per­sön­lich vor­bei­ge­hen oder mit einem bei­geleg­ten inter­na­tio­na­len Ant­wort­schein (auf dem Post­amt erhält­lich) und einem unfran­kier­ten, adres­sier­ten Cou­vert das Christ­kind zum Schrei­ben bringen.

www.steyr-nationalpark.at

«Klei­ne his­to­ri­sche Städ­te in Öster­reich», www.khs.info

Öster­reich Wer­bung hat zu die­ser Recher­che­rei­se eingeladen.