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Ein Kunst­raum für alle!

Sam­mel­aus­stel­lun­gen sind immer für Abwechs­lung und ein paar Über­ra­schun­gen gut. Mehr als acht­zig Künst­le­rin­nen und Künst­ler sind dem Ruf von Star­kart Exhi­bi­ti­ons gefolgt, ent­spre­chend viel­fäl­tig ist «Mir händs nötig 2.0» gewor­den. Glas­ar­bei­ten hän­gen neben Foto­gra­phien und Acryl­ma­le­rei misst sich mit Spiel­zeug­fi­gu­ren, die in Beton gegos­sen wur­den. In einem Raum fin­det sich ein Ein­kaufs­wa­gen, der mit Stei­nen gefüllt wur­de, und unter der Kel­ler­trep­pe ent­deckt man eine Video­in­stal­la­ti­on. In Fens­tern und Löchern in der Wand ver­ste­cken sich Figür­chen, in einer Ecke stösst man auf einen rie­si­gen Eis­stiel. Nicht weit ent­fernt von einem rie­si­gen Gemäl­de, das anschei­nend das Ste­chen eines Intim­pier­cings dar­stellt, steht ein klei­ner Hausaltar. 

Wäh­rend die Räu­me im Erd­ge­schoss hell und freund­lich sind und die Atmo­sphä­re einer klas­si­schen Gale­rie ver­strö­men, wirkt der dunk­le Kel­ler wie ein Gru­sel­ka­bi­nett. Hier hän­gen blu­ten­de Uhren von der Decke, die ein unheim­li­ches Ticken von sich geben, und nimmt eine Wasch­ma­schi­ne ihr Opfer durch die Man­gel. «Mir händs nötig 2.0» ist eine Rei­se durch ganz ver­schie­de­ne Wel­ten, zeigt Lus­ti­ges und Beängs­ti­gen­des, Leuch­ten­des und Düs­te­res. Ist ein Ein­zel­werk nicht so span­nend oder sagt einem ein Künst­ler nicht son­der­lich zu, kann man sich dem nächs­ten Stück zuwenden. 

Geist des Cha­os

Es ist der Geist des wil­den Cha­os und der über­ra­schen­den Durch­mi­schung, der den Reiz die­ser Aus­stel­lung aus­macht. Der Haupt­ge­dan­ke ist: Jeder kann mit­ma­chen, jeder darf aus­stel­len. Es gibt kaum Vor­ga­ben, jede Kunst­rich­tung ist erlaubt, nie­mand wird abge­wie­sen. Am Tag des Auf­baus machen die Künst­ler unter­ein­an­der aus, wo und wie sie ihre Sachen auf­stel­len wol­len. Es gibt jene, die ihre Sachen ein­fach an die Wand hän­gen, und jene, die die Eigen­hei­ten der vor­han­de­nen Räum­lich­kei­ten auf ori­gi­nel­le Art und Wei­se aus­nut­zen. Wer will, kann sei­ne Wer­ke zum Ver­kauf anbie­ten – und es gibt in der Tat eini­ge, der fleis­sig Wer­bung für sich selbst machen –, es sind aber auch jene will­kom­men, die ihr Schaf­fen ein­fach einem Publi­kum vor­füh­ren wol­len. Es ste­hen eine Büh­ne für Lesun­gen und Kon­zer­te zur Ver­fü­gung, sowie ein zusätz­li­cher Raum für zeit­lich begrenz­te Ein­zel­aus­stel­lun­gen. Nicht zuletzt geht es auch dar­um, die Künst­ler unter­ein­an­der zu ver­net­zen und Dis­kus­sio­nen anzustossen. 

Der tri­um­phie­ren­de Fuck Yea Guy auf dem Pla­kat per­so­ni­fi­ziert die­se Any­thing-Goes-Atti­tü­de: Das Strich­männ­chen stammt aus den inter­net­ba­sier­ten Rage Comics, ein Medi­um, das unzäh­li­ge Figu­ren zur Ver­fü­gung stellt, mit denen jeder spie­len kann, der will. Hier wie dort gibt es weder Dün­kel noch Zugangs­be­schrän­kun­gen. Jeder hat Zutritt, jeder hat die Chan­ce, sich aus­zu­drü­cken. Einen Unter­schied gibt es aller­dings: Die Künst­ler von «Mir händs nötig 2.0» zei­gen weit­aus mehr hand­werk­li­ches Kön­nen, als übli­cher­wei­se die Zeich­ner der berüch­tig­ten Inter­net­co­mics, und eine grös­se­re Band­brei­te an Stilen. 

Es gehört zum Kon­zept von Star­kart Exhi­bi­ti­ons, jen­seits von Kunst­be­trieb und finan­zi­el­len Erwä­gun­gen eine Platt­form für Pro­fis und Nach­wuchs zu bie­ten, halt für alle, die Kunst machen und sie ande­ren zei­gen wol­len, ganz ohne Gren­zen. Sol­che Orte in Zürich zu fin­den, ist schwie­rig genug. Hier gibt es aber fast ein gan­zes Haus für Musik, Bil­der oder Skulp­tu­ren, einen gross­zü­gi­gen Kunst­raum für alle.

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