- ensuite | kulturagenda | enBlog - https://ensuite.we-are.gmbh/ -

Tri­as aus Tanz, Musik und Licht

Die Urauf­füh­rung von «Tale of a honey­bee» im Tanz­haus Zürich kam beim Publi­kum gut an und war aus­ver­kauft. Für den ers­ten Teil ihres Pro­gramms hat­ten sich die drei Künst­ler tat­säch­lich von der Bie­ne inspi­rie­ren las­sen: Sie grif­fen ihre Ana­to­mie, ihre Bewe­gun­gen, ihr Ver­hal­ten, ihre Far­ben und ihren Sound auf und über­setz­ten die­se Ele­men­te in eine Rei­he von dra­ma­tur­gisch auf­ge­bau­ten Varia­tio­nen. Der zwei­te Teil erschien dann eher als freie Impro­vi­sa­ti­on der drei Kunst­di­zi­pli­nen mit nur noch rudi­men­tä­rer Bienensymbolik.

Das Leben einer Biene

Das gemäch­li­che Sich-Her­aus­schä­len der Jung­bie­ne und das ers­te Aus­brei­ten ihrer zar­ten Flü­gel wur­de vom Tän­zer Hide­ko Heshi­ki als Sil­hou­et­te auf eine schlei­er­ar­ti­ge Folie gezau­bert, wel­che durch die Licht­künst­le­rin Fio­na Zolg mit ver­schie­de­nen Farb­schat­tie­run­gen bespielt wur­de. Auch der emsig-repe­ti­ti­ve Arbeits­all­tag der Bie­ne und ihr dra­ma­ti­scher Todes­kampf wur­de über­zeu­gend cho­reo­gra­phiert, unter­stützt durch die immer wie­der über­ra­schen­den Klän­ge des Pia­nis­ten Chris­toph Stiefel.

Ein-Mann-Orches­ter

Am prä­pa­rier­ten Flü­gel erweck­te Stie­fel zeit­wei­se den Klang­ein­druck eines gan­zen Ensem­bles. Schnar­ren­de und sum­men­de Sounds ergänz­ten sei­nen schö­nen Kla­vier­ton und zusam­men mit den an Mini­mal Music erin­nern­den Osti­na­ti ent­stand ein sti­li­sier­ter, wabern­der Bie­nen-Sound­scape. Auch Loops und Play­backs setz­te er ein, um das Klang­spek­trum zu erwei­tern. In einer wit­zi­gen Epi­so­de ent­fern­te er sich dank die­ser elek­tro­ni­schen Fines­se vom Kla­vier und ver­wen­de­te auf den Boden pro­ji­zier­te Licht­flä­chen als ima­gi­nä­re Klaviatur.

Kraft­akt

Heshi­kis Tanz­stil war stets ener­gie­ge­la­den, in den schnel­len Pas­sa­gen fast sport­lich, beson­ders die Arm- und Bein­ar­beit war sehr impul­siv. Schein­bar mühe­los absol­vier­te er das anstren­gen­de, 50-minü­ti­ge Solo. Sei­ne Cho­reo­gra­phie wirk­te zwar leicht, aber immer auch sehr boden­haf­tig, wahr­schein­lich wegen dem fast voll­stän­di­gen Feh­len von Sprün­gen und «Grand bat­te­ments». Beson­ders ein­drück­lich war Heshi­kis Aus­drucks­kraft in den lang­sa­men oder sta­ti­schen Pas­sa­gen, wel­che er mit kör­per­li­cher Inten­si­tät aus­zu­fül­len ver­moch­te. Durch sei­ne Kör­per­be­herr­schung gelang ihm an einer Stel­le sogar die Illu­si­on, dass sein Kör­per knapp über dem Boden schweb­te. Weni­ger über­zeu­gend war die letz­te schnel­le Varia­ti­on, gemein­sam impro­vi­siert mit dem Pia­nis­ten, wel­che zu wenig strin­gent geriet an die­sem Abend.

Per­fek­tes Finale

Die letz­te Sze­ne war ein idea­les Bei­spiel für Büh­nen­poe­sie. Die drei Künst­ler, bezie­hungs­wei­se Kunst­di­zi­pli­nen, ver­ab­schie­de­ten sich klar von­ein­an­der getrennt, aber trotz­dem als ver­schmol­ze­nes Gan­zes vom Publi­kum. Die zum Schluss honig­gol­den beleuch­te­te Folie reflek­tier­te in Heshi­kis Gesicht und bil­de­te gleich­zei­tig auch ein Pen­dant zum gold­brau­nen Inne­ren des Flü­gels. In den lang­sam ver­klin­gen­den Kla­vier­rhyth­men und im schwä­cher wer­den­den Licht bil­de­te sich ein Drei­eck aus Bewe­gung, Musik und Licht, in wel­chem sich sanft ange­deu­tet noch ein­mal die Sil­hou­et­te der Bie­ne erken­nen liess.

Copy­right © 2011 Kul­tur­kri­tik • Kri­ti­sche Stim­men zum Zür­cher Kul­tur­ge­sche­hen Kulturkritik.ch ist ein Pro­jekt der Platt­form Kul­tur­pu­bli­zis­tik • Zür­cher Hoch­schu­le der Küns­te (ZHdK)