Bild: In this photo distributed on Wednesday, May 11, 2016, by the North Korean government, Kim Jong Un, endorsed as party chairman of North Korean Workers' Party at the Workers' Party congress on May 9, poses for a photo. North Korean state media on Wednesday released high-resolution mug shots of more than two dozen top officials, including leader Kim Jong Un, that appear to be missing something Pyongyang-watchers have come to expect: signs of retouching. (Korean Central News Agency/Korea News Service via AP) JAPAN OUT UNTIL 14 DAYS AFTER THE DAY OF TRANSMISSION

Trim and Kump

Von

|

Drucken

Von Patrik Etsch­may­er - Als Donald Trump aus dem Nichts her­aus sei­ne Bereit­schaft erklär­te, sich mit Kim Jong-un, sei­nes Zei­chens nord­ko­rea­ni­scher Dik­ta­tor und Mas­kott­chen der staat­li­chen Fast-Food-Ket­te Kim-Boy, zu tref­fen, wur­de dies mit Unglau­ben aufgenommen.

Dabei gehen die Ein­schät­zun­gen, was die­ses Tref­fen brin­gen kann, weit aus­ein­an­der. Von einer sen­sa­tio­nel­len Chan­ce für den Welt­frie­den reden die einen, ande­re hin­ge­gen sind pes­si­mis­ti­scher und sehen ledig­lich eine dop­pel­te Ego-Show, die da abge­hen und zu gar nichts füh­ren würde.

Der Autor hin­ge­gen erwar­tet nichts als Horrorszenarien.

a) Der Twitter-Meltdown

Zwei Stun­den vor dem Tref­fen setzt Trump einen Tweet ab.

«Wer­de dem klei­nen Rake­ten­mann zei­gen, wo der Ham­mer hängt. Wir waren hart, und jetzt ist er ein­ge­knickt wie Low Ener­gy Jeb! #Ame­ri­ca­First #Litt­leRo­cket­Man»

Fünf Minu­ten spä­ter Son­der­sen­dung im nord­ko­rea­ni­schen Staats-TV. Die Nach­rich­ten­spre­che­rin ver­kün­det laut­hals, dass eines der gröss­ten Pro­ble­me der USA «seni­le alte Män­ner sind, die man Smart­phones ohne Beauf­sich­ti­gung durch ihre Betreue­rin­nen benut­zen lässt».

Trump, zehn Minu­ten spä­ter, nach­dem er über die Nach­rich­ten­sen­dung infor­miert wor­den ist, tweetet wieder.

«Für wen lässt der klei­ne Rake­ten­mann eigent­lich sei­ne Nach­rich­ten aus­strah­len? Sicher nicht für sein Volk, das nicht mal weiss, was ein nor­ma­les Tele­fon ist! #Litt­leRo­cket­Man #StoneAge, #NoPho­ne­sinNK»

Fünf­zehn Minu­ten spä­ter wie­der eine Son­der­sen­dung auf NKTV: «Alte, ver­blö­de­te Hun­de erschiesst man. Alte, ver­blö­de­te Prä­si­den­ten lässt man durch die Welt rei­sen und ihre Demenz in sozia­len Medi­en ver­brei­ten. #Demen­tia #Eutha­na­sia #Make­Do­nald­DrumpfA­gain #Seni­leOld­Do­nald» – wobei die Hash­tags vor­ge­le­sen und unten im Bild­schirm ein­ge­blen­det werden.

Es ist noch eine Stun­de bis zum Mee­ting, als Donald Trumps Twit­ter-Account wie­der ein Lebens­zei­chen von sich gibt.

«Der pum­me­li­ge Rake­ten­jun­ge soll­te sich nicht zu sehr auf­blä­hen, sonst könn­te er noch platzen.»

Eine Son­der­nach­rich­ten­sen­dung bringt eine Samm­lung der unvor­teil­haf­tes­ten Bil­der Trumps, unter­legt mit den schril­len Pro­kla­ma­tio­nen der Nach­rich­ten­brül­le­rin (denn «spre­chen» kann man dem nicht mehr sagen): «Der Dotard Trump ist das per­fek­te Bei­spiel für die Deka­denz und die Dege­ne­ra­ti­on, für wel­che die ver­sa­gen­de Füh­rungs­macht des Wes­tens steht, und prä­sen­tiert sich mit sei­nem Schwach­sinn immer wie­der als Fall für ein Heim für altern­de Kri­mi­nel­le und Per­vers­lin­ge. #Lar­dAss, #Dotard, #Seni­le­Trump»

Kei­ne fünf Minu­ten spä­ter der Ant­wort-Tweet: «Wenn der klei­ne Rake­ten­mann nicht bald ein­sieht, wo sein Platz ist – näm­lich unter dem Tisch bei den Hun­den –, wird er Prü­gel bekommen.»

Als Nächs­tes wird in den Nach­rich­ten des nord­ko­rea­ni­schen TVver­kün­det, dass die Ruhm­rei­che Armee des Vol­kes ihre Rake­ten gegen die Fein­de der Nati­on abge­feu­ert habe und Tod und Ver­der­ben über Ame­ri­ka her­ein­bre­chen werde.

Der letz­te Tweet von Trump lau­tet: «Auch wenn es der klei­ne Rake­ten­mann nicht glau­ben mag: Ich habe mei­nen gros­sen roten Knopf dabei!»

b) «Grab them by the button»

Das Tref­fen, das auf neu­tra­lem Boden in Stock­holm statt­fin­det, wur­de gespannt erwar­tet, und nun ist es end­lich so weit. Um allen Even­tua­li­tä­ten vor­zu­beu­gen, ist der Twit­ter-Account von Donald Trump für zwei Stun­den still­ge­legt wor­den. Ein wei­ser Ent­schluss, wie man aus dem vor­her geschil­der­ten Ablauf unschwer erken­nen kann. Die bei­den Dele­ga­tio­nen kom­men in Kon­vois von den gegen­über­lie­gen­den Sei­ten her­ein und betre­ten den Sit­zungs­saal durch getrenn­te Eingänge.

Schliess­lich sit­zen die Dele­ga­tio­nen an ein­an­der ent­ge­gen ste­hen­den Tischen. Es feh­len nur noch Donald Trump und Kim Jong-un.

Nun betritt Trump den Saal. Schwie­ger­sohn Jared Kush­ner schiebt hin­ter ihm einen mit einem Tuch abge­deck­ten Roll­tisch zum Tagungs­tisch. Die prak­tisch glei­che Sze­ne (ein­fach ohne Kush­ner, dafür mit dem Gene­ral­stabs­chef der nord­ko­rea­ni­schen Armee) fin­det Minu­ten spä­ter statt, als Kim Jong-un den Saal betritt. Sei­ne Assis­ten­ten zie­hen einen Hub­wa­gen mit einer durch eine Pla­ne abge­deck­ten Palet­te drauf in den Saal, unter dem sich eine recht gros­se Run­dung abzeich­net. Trump bemerkt das Ding nicht und beginnt zu spre­chen, kaum hat sich Kim gesetzt,

«Es ist immer gut, wenn Ver­hand­lungs­part­ner wis­sen, wor­an sie sind. Und um jeden Zwei­fel aus­zu­räu­men, habe ich unse­ren Atom­knopf mit­ge­bracht. Und jeder wird sehen, dass unser Knopf grös­ser, glän­zen­der und bes­ser ist als alle ande­ren Atom­knöp­fe! Kushi! Dein Auftritt!»

Kush­ner setzt sich sofort in Bewe­gung, schiebt den Roll­wa­gen zwi­schen die bei­den Tische und stellt die­sen neben Trump hin. Die­ser zieht das Tuch weg und ent­hüllt einen etwas zwan­zig Zen­ti­me­ter brei­ten, halb­ku­gel­för­mi­gen, sehr schön glän­zen­den roten Knopf auf einem ver­gol­de­ten Sockel. «Wit­zi­ger­wei­se wird ein von der Immo­bi­li­en­fir­ma mei­nes Soh­nes gebau­tes neu­es Ein­kaufs­zen­trum genau so aus­se­hen!», lacht ein sicht­lich begeis­ter­ter Trump.

Kim Jong-un sieht nicht sehr beein­druckt aus. Er lächelt, tuschelt mit sei­ner Schwes­ter, die zu sei­ner Lin­ken, und dem Gene­ral, der rechts von ihm Platz genom­men hat. Er macht nur einen Wink und beginnt dann zur Ver­blüf­fung der Anwe­sen­den auf Eng­lisch zu sprechen.

«Natür­lich stim­men wir mit dem Prä­si­den­ten der USA über­ein, dass Ver­hand­lun­gen nur fruch­ten kön­nen, wenn sie von einem kla­ren Stand­punkt aus begon­nen wer­den. Des­halb haben auch wir den Knopf mit­be­bracht, mit dem das nord­ko­rea­ni­sche Nukle­ar­ar­se­nal abge­feu­ert wird.»

Der Gene­ral schiebt nun den Hub­wa­gen zwi­schen die Tische und stellt die Palet­te direkt vor Trump ab, den US-Knopf zur Sei­te schie­bend. Dann wird der Knopf ent­hüllt: Er ist rie­sig, misst fast fünf­zig Zen­ti­me­ter im Durch­mes­ser, ist in Rubin­rot metal­lic lackiert und, der Gra­nit­so­ckel erin­nert an einen sta­li­nis­ti­schen Regierungspalast.

«Unser Knopf sym­bo­li­siert per­fekt die Leis­tun­gen der nord­ko­rea­ni­schen Volks­ar­mee für die Ver­tei­di­gung unse­res Vater­lan­des gegen den Impe­ria­lis­mus! Aus­ser­dem wird das neu­en Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um so aussehen!»

Trumps Knopf sieht im Ver­gleich jäm­mer­lich aus, und der US-Prä­si­dent ist sicht­bar irri­tiert, wird immer röter im Gesicht, bis er auf­steht, sich nach vorn über den Tisch beugt und, wäh­rend er mit der Faust auf den nord­ko­rea­ni­schen Knopf schlägt, ruft: «Das ist nichts als eine alber­ne Attrappe!»

Aller­dings klickt es ver­nehm­lich, als der Schlag den Knopf nach unten drückt und auf dem Sockel leuch­tet ein Count­down auf, von 10 auf 0 hin­un­ter zählend.

Kim schaut Trump ent­setzt an. «Du Idi­ot! Das ist wirk­lich unser Atom­knopf, und du hast eben zwan­zig Rake­ten auf die USA abgeschossen!»

c) Brü­der im Geiste

Das Tref­fen wur­de mit Span­nung erwar­tet und im Vor­feld von einer Rhe­to­rik beglei­tet, die auf Kon­fron­ta­ti­on und gegen­sei­ti­ges Miss­trau­en schlies­sen liess. Doch schon beim ers­ten Zusam­men­tref­fen von Trump und Kim pas­siert das Unglaub­li­che: Die bei­den ver­tra­gen sich nicht nur, sie lie­ben sich geradezu.

Bei der Pres­se­kon­fe­renz im Anschluss an das ers­te, mehr­fach ver­län­ger­te Tref­fen tre­ten die bei­den Staats­ober­häup­ter, sich gegen­sei­tig die Arme um die Schul­tern legend, lachend vor die Kamera.

«Jong-un ist ein tol­ler Kerl, und wir haben schon ver­ein­bart, dass unse­rer Staa­ten in Zukunft wesent­lich enger zusam­men­ar­bei­ten wer­den! Aus­ser­dem wer­den wir Nord­ko­rea vor den Chi­ne­sen schüt­zen, und die US-Armee wird ihre Trup­pen aus Süd­ko­rea abzie­hen und in Nord­ko­rea stationieren!»

«Donald ist der ers­te Poli­ti­ker, der Nord­ko­rea wirk­lich ver­steht! Auch die Wie­der­ver­ei­ni­gung mit dem Süden unter unse­rer Füh­rung ist nur noch eine Fra­ge der Zeit!»

«Was mich wirk­lich beein­druckt hat, ist wie Jong-un undis­zi­pli­nier­te Regie­rungs­mit­glie­der hand­habt … ‹You’re fired!› hat da eine ganz neue Bedeutung.»

Bei­de lachen nach die­ser Bemer­kung laut auf, prus­ten geradezu.

«Hey, Ste­ve Ban­non, sei ein­fach froh, das du schon draus­sen bist!», japst Trump, bevor er wie­der in lau­tes Lachen aus­bricht. Dann, sich immer noch umar­mend, ver­las­sen bei­de wie­der das Podi­um. Eine Stun­de spä­ter mar­schiert Chi­na in Nord­ko­rea ein und star­tet einen Angriff auf die USA …

Also … bit­te, bit­te ver­hin­dert das Tref­fen. OK?



Newsletter

SPENDEN!

Einen Text gelesen und der hat gefallen? Spende per TWINT ein paar Franken - ohne Abo, aber mit gutem Gewissen. Geht doch auch.