The Wom­bats

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Von Tat­ja­na Rüeg­seg­ger -Es gibt Bands, mit denen man Inter­views führt. Dann gibt’s ande­re Bands, mit denen man Gesprä­che führt. Letz­te­res gilt bei den Wom­bats. Matthew Mur­phy ali­as Murph sprach mit uns über sei­nen Tod und über das Mas­kott­chen der Band Che­rub im gemüt­li­chen Kel­ler der Hafenkneipe.

Was ist Dein Ritu­al, bevor Du auf die Büh­ne gehst? 

Murph: Etwa eine Stun­de bevor ich auf die Büh­ne gehe, neh­me ich eine Tablet­te gegen Säu­ren­rück­fluss, weil mei­ne Stim­me sonst ziem­lich scheis­se ist. Dann cir­ca eine hal­be Stun­de spä­ter rau­che ich draus­sen eine Ziga­ret­te mit unse­rer Mana­ge­rin Sarah oder unse­rem Fah­rer Chris. 20 Minu­ten vor dem Kon­zert fan­ge ich zu sin­gen an und fünf Minu­ten vor­her hole ich mir ein alko­ho­li­sches Getränk und wer­fe es mir ins Gesicht.

Und für was ist das gut? Also, Dir das Bier ins Gesicht zu schmeissen? 

Ach! Nein, nein. Nicht INS Gesicht, son­dern… ich trin­ke es ein­fach schnell. So durch­ge­dreht bin ich noch nicht. Ich weiss nicht, ob mei­ne Augen da so Freu­de dar­an hätten.

Ja, aber viel­leicht Dei­ne Haa­re. Myri­am fühl­te sich zu Dir ver­bun­den, weil Ihr bei­de so eine rote Locken­mäh­ne habt. 

Ja stimmt, so röt­lich. Her­bal Essen­ces, Gra­py and Ruby. Das steht auf jeden Fall auf der Tube.

Was ist Dei­ne schöns­te Kindheitserinnerung? 

Hmmmmmmmmmmmmmmm.

Es muss nichts Phi­lo­so­phi­sches sein. 

Ver­mut­lich ein­fach im Gar­ten mei­ner Gross­el­tern her­um­ren­nen. Mich hin­ter den Toma­ten ver­ste­cken und sie taten so, als ob sie mich suchen würden.

Was ist denn für Dich das Wich­tigs­te in der Band? 

Che­rub! Das ist unser Maskottchen.

Ist er hier? 

Ja, er soll­te hier im Gebäu­de sein.
Sarah (Mana­ge­rin): Ich glau­be, er ist noch im Wagen.
Murph: Oh ok, na ja, er ist auf jeden Fall in Zürich. Wir wis­sen nicht immer, wo er genau ist.

Er wur­de doch erst gera­de geKID­nappt, nicht? 

Che­rub wur­de letz­tens in Lon­don von einem Freund eines Freun­des geBAT­nappt (Che­rub ist ein Wom­bat (zu deutsch Beu­tel­tier), wel­che abge­kürzt auch Bat genannt wer­den). Der hat uns dann gesagt, er wol­le freie Ein­tritts­kar­ten fürs Glas­ton­bu­ry ansons­ten wür­den wir ihn nie wie­der sehen. Aber wir haben ihn trotz­dem zurück­be­kom­men, unser Mana­ger hol­te ihn zurück.

Er heisst doch Che­rub Mincey… 

Che­rub Min­cey (lacht). Nicht ganz. Dan und ich nann­ten uns frü­her Min­cey und Cin­dy. Frag mich nicht, wie­so. Wir nann­ten uns manch­mal auch Che­rub (Engel), dar­um dach­ten wir, wir soll­ten ihn auch so nen­nen. Es gibt kei­ne ech­te Logik in all unse­ren Namen. Es ist ein­fach albern.

Ihr heisst ja auch «The Wombats». 

Ja, wir hat­ten so ein Ding mit Tie­ren. Anstatt uns als Blöd­mann zu bezeich­nen, sag­ten wir ein­an­der «Du alter Wom­bat». Ein­fach als Ersatz für «Dumm».

Ihr habt ja sogar ein Lied, das Tie­ren gewid­met ist: «Tales of boys, girls and marsupials». 

Ja, wir woll­ten unse­ren eige­nen «The­men» haben. Etwas, mit dem man uns erken­nen kann. Wir begin­nen die meis­ten Shows mit die­sem Song. Also wenn uns danach ist.

Wo holst Du denn die Inspi­ra­ti­on, um dei­ne Tex­te zu schrei­ben? Die sind näm­lich extrem geist­reich, zum Teil auch ironisch… 

Und tro­cken. Ich schrei­be eigent­lich nur über Sachen, die ich getan habe oder die mir pas­siert sind. Sachen, wel­che ich die gan­ze Zeit mache, obwohl ich weiss, dass das End­ergeb­nis schlimm sein wird. Dann ver­dreh ich das Gan­ze ein wenig, mache es ein wenig dra­ma­ti­scher als was es in Wirk­lich­keit war, obwohl es sich für mich so anfühl­te. Ja, also mei­ne Songs dre­hen sich um ver­gan­ge­ne Erfah­run­gen, um ech­te Sachen halt.

Das ist eigent­lich ziem­lich übel, denn ich benut­ze oft Mäd­chen­na­men und mei­ne Exfreun­din heisst Lau­ra und sie mag ein­zel­ne Lie­der nicht so. Ich den­ke, das ist der Nach­teil, wenn du ehr­li­che Songs schreibst.

Geben die­se Leu­te Dir Rück­mel­dun­gen über die­se Tex­te? Wie zum Bei­spiel Dei­ne Exfreundin. 

Ja, schon. Mei­ne Exfreun­din wein­te an Kon­zer­ten, als ich den Song spiel­te («par­ty in a forest (where’s Lau­ra?)») und wir gera­de Schluss gemacht haben. Und mei­ne aktu­el­le Freun­din, die geht an die Bar, wenn wir die­ses Lied spie­len. Dort sagt sie dann dem Bar­kee­per: «Das ist mein Stich­wort für einen Drink.».

Einer Eurer Band ist ja aus Nor­we­gen, gibt’s da nie Verständnisprobleme?

Ja, Tort ist aus Nor­we­gen. Gott nein, in Nor­we­gen spre­chen sie bes­se­res Eng­lisch als vie­le Eng­län­der es tun. Sie ler­nen es von klein auf in der Schu­le. Er kam auf Liver­pool, um zu stu­die­ren, da haben wir uns kennengelernt.

Und Du und Dan habt Euch vor­her am Paul McCart­ney Insti­tu­te kennengelernt. 

Genau, wir haben uns im ers­ten Jahr ken­nen­ge­lernt und am Anfang dach­te ich, er sei ein selbst­über­zeug­ter Idi­ot. Er hat­te so ein Pier­cing an der rech­ten Augen­braue und er hat ver­sucht sei­ne Haa­re rosa zu fär­ben, was aller­dings voll dane­ben ging, denn sei­ne Haa­re waren am Ende grau. Irgend­wann gab’s dann so eine Par­ty und ich tor­kel­te stock­be­sof­fen in sein Zim­mer her­ein. Dort tran­ken wir noch ein wenig Wein. Nach die­sem Ereig­nis wur­den wir sehr enge Freunde.

Was ist das Schlimms­te, was Du je gemacht hast? 

Die Lis­te ist unend­lich. Das wirk­lich Schlimms­te, was ich je gemacht habe… Ich weiss nicht, ob ich das jetzt sagen soll. Na ja, so um acht Uhr mor­gens an einer Par­ty, habe die gan­ze Nacht durch blö­des Zeug geschwatzt und Sachen genom­men… Ich war so weg­ge­tre­ten, dass ich eine Woche lang nicht mehr sprach. Und danach muss­ten sie mich ins Spi­tal brin­gen. Das war die schlimms­te Erfah­rung, die ich je gemacht habe.

Du bist im Spi­tal gelan­det, nach einer Woche?! 

Ja. Die muss­ten mir Beru­hi­gungs­mit­tel geben, um mich run­ter­zu­ho­len. Aber das ist wirk­lich das Schlimms­te, was ich je getan habe. Ich habe dar­aus gelernt.

Kannst Du uns eine über­be­wer­te­te Band nennen? 

Ich glau­be die Kla­xons wer­den ziem­lich über­be­wer­tet. Ich glau­be, es ist eine Fra­ge des Geschmacks. Ich mag Songs, die eine gewis­se Struk­tur haben, wel­che einen gewis­sen Sinn erge­ben. Die schrei­ben irgend­was und kleis­tern es nach­her irgend­wie wie­der zusam­men. Aber sie sind trotz­dem eine coo­le Band. Ich weiss ein­fach nicht, was mit ihren Lyrics los ist.

Wie wür­dest Du ster­ben wollen? 

(lacht) Wie ich ger­ne ster­ben möch­te. Es soll­te etwas dra­ma­tisch Blö­des sein. Wie zum Bei­spiel mich auf mei­nem Stuhl zurück­leh­nen und von einem Wol­ken­krat­zer stür­zen. Und wenn ich dann auf dem Boden klat­sche, will ich ca. zehn Leu­te mit­zie­hen. Wenn ich schon ster­be, dann will ich es irgend­wo in den Schlag­zei­len haben. Ich will es so dra­ma­tisch wie mög­lich haben, aber es soll nichts Trau­ri­ges sein. Die Leu­te müs­sen es fei­ern wol­len, dass ich so gestor­ben bin.

«Rai­se your glass to the ceiling». 

Ja! Genau.

Bild: zVg.
ensuite, Dezem­ber 2007



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