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Sub­ven­tio­nen an die SDA: «Damit wür­den Bun­des­gel­der für Gross­ver­la­ge eingesetzt»

kleinreport.ch - Sub­ven­ti­on eines Mono­po­lis­ten? Der Bun­des­rat lieb­äu­gelt mit einer Medi­en­för­de­rung über die Schwei­ze­ri­sche Depe­schen­agen­tur (SDA) und will noch im Herbst eine öffent­li­che Anhö­rung zu die­sem Vor­ha­ben durch­füh­ren. Doch bereits heu­te über­weist die Regie­rung Mil­lio­nen an die SDA. Die Poli­tik stellt der­weil die Mono­pol­stel­lung der Nach­rich­ten­agen­tur zuneh­mend infrage.

Die Debat­ten zum neu­en Gesetz über elek­tro­ni­sche Medi­en, wel­ches das bis­he­ri­ge Radio- und Fern­seh­ge­setz (RTVG) ablö­sen soll, lau­fen heiss. Neben einer direk­ten För­de­rung von Online-Medi­en zieht der Bun­des­rat auch eine Unter­stüt­zung der SDA «mit Mit­teln aus der Medi­en­ab­ga­be» in Betracht, wie er bereits in sei­ner Ant­wort auf eine dring­li­che Anfra­ge der Grü­nen Frak­ti­on erwähnte.

Doch die Idee der SDA-Sub­ven­tio­nie­rung ist poli­tisch höchst umstrit­ten. Wäh­rend die SVP die Medi­en­för­de­rung gemäss ihrem Posi­ti­ons­pa­pier zur Medi­en­po­li­tik gänz­lich ablehnt, heisst es auch auf Nach­fra­ge bei der SP: «Es ist sicher nicht unse­re Absicht, die heu­ti­ge SDA ohne jeg­li­che Bedin­gun­gen zu sub­ven­tio­nie­ren. Damit wür­den letzt­lich Bun­des­gel­der für Gross­ver­la­ge ein­ge­setzt, was nicht in unse­rem Sinn ist», erklärt der Medi­en­ver­ant­wort­li­che Micha­el Sorg dem Klein Report.

Zudem erin­nert die SP in ihrem aktu­el­len Arbeits­pa­pier an die unbe­frie­di­gen­de Situa­ti­on, dass die SDA als Nach­rich­ten­agen­tur eine Mono­pol­stel­lung hat, und stellt sich die Fra­ge, «ob es nicht eine Alter­na­ti­ve zum Mono­po­lis­ten SDA bräuch­te». Ob und in wel­cher Form die SDA bereits Bun­des­gel­der erhält, wis­se er nicht, so Micha­el Sorg: «Indi­rekt erhält die SDA sicher öffent­li­che Gel­der via SRG, die einer der Haupt­ak­tio­nä­re ist», ver­mu­tet er aber.

Eine Mög­lich­keit für den Bund, die SDA bereits heu­te mit Finanz­hil­fen zu unter­stüt­zen, fin­det sich zudem im Spra­chen­ge­setz. Auf Grund­la­ge des glei­chen Geset­zes hat bei­spiels­wei­se der Schwei­ze­ri­sche Feuil­le­ton­dienst (SFD) im letz­ten Jahr vom Bun­des­amt für Kul­tur (BAK) 206 808 Fran­ken erhal­ten, wie die BAK-Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­ant­wort­li­che Anne Wei­bel dem Klein Report bestätigt.

«Wer sucht schon nach Medi­en­för­de­rung in der Sprachabteilung?»

Dar­über, dass die SDA oder der SFD über das Spra­chen­ge­setz sub­ven­tio­niert wer­den kön­nen, wun­der­te sich zuletzt Lukas Vogel­sang, Chef­re­dak­tor der Kul­tur­zeit­schrift «Ensuite»: «Wer sucht schon nach Medi­en­för­de­rung in der Sprach­ab­tei­lung?», frag­te Vogel­sang in sei­nem Bei­trag «Staat­li­che Pres­se­för­de­rung durch die Hintertüre».

Zudem deck­te er auf, dass die Sub­ven­tio­nen, die das Bun­des­amt für Kul­tur an den Feuil­le­ton­dienst über­weist, im End­ef­fekt mehr­heit­lich bei der SDA lan­den: «So über­weist der Ver­ein pro Jahr bei­spiels­wei­se 175 000 Fran­ken als ‹Ver­triebs­geld› direkt an die SDA», schreibt Vogelsang.

Neben dem SFD wird auch dem Kan­to Grau­bün­den auf Grund­la­ge des Spra­chen­ge­set­zes finan­zi­ell unter die Arme gegrif­fen. Und mit den Bei­trä­gen des Bun­des unter­stützt der Kan­ton wie­der­um die Agen­tura da Novi­ta­ds Rumant­schas (ANR), wie Ursu­la Eggen­ber­ger, Lei­te­rin Kom­mu­ni­ka­ti­on der Bun­des­kanz­lei, dem Klein Report auf Anfra­ge erklärt.

Die SDA sel­ber wer­de aktu­ell nicht auf Basis des Spra­chen­ge­set­zes sub­ven­tio­niert, kann Eggen­ber­ger nach Abklä­run­gen bei den Depar­te­men­ten sagen. «Kei­nes der sie­ben Depar­te­men­te des Bun­des ver­fügt über einen Ver­trag mit der SDA.» Hin­ge­gen gebe es einen Ver­trag zwi­schen der SDA und der Bun­des­kanz­lei selber.

Aus die­sem Ver­trag flies­sen jähr­lich meh­re­re Mil­lio­nen vom Bund in die Kas­sen der SDA. «Für das Jahr 2017 sind es 2 750 000 Fran­ken», sagt Ursu­la Eggen­ber­ger. Dabei hand­le es sich jedoch nicht um eine För­der­mass­nah­me, son­dern um einen Leis­tungs­auf­trag, betont die Bun­des­kanz­lei. «Lie­fer­ob­jekt sind die Basis­diens­te Deutsch, Fran­zö­sisch und Ita­lie­nisch», erklärt Eggen­ber­ger wei­ter dazu.

Ana­log zu ande­ren Kun­den kauft näm­lich auch die Eid­ge­nos­sen­schaft Dienst­leis­tun­gen der SDA. «Der Auf­trag geht an die SDA, weil sie die ein­zi­ge Nach­rich­ten­agen­tur ist, die schweiz­weit sowie in den Lan­des­spra­chen Deutsch, Fran­zö­sisch und Ita­lie­nisch berich­tet», so Eggen­ber­ger. Von die­ser Mono­pol­stel­lung pro­fi­tiert nicht nur die SDA, son­dern unter dem Strich auch dere Haupt­ak­tio­nä­re: Tame­dia, die NZZ-Grup­pe, die SRG und Médi­as Suisses.

Unter die­sem Gesichts­punkt stellt sich für den Klein Report die Fra­ge, inwie­fern eine Subventionierung/Unterstützung einer Nach­rich­ten­agen­tur, die bereits heu­te von ihrer Mono­pol­stel­lung pro­fi­tiert und an deren Erfolg nur ein­zel­ne, aber nicht alle Medi­en­häu­ser glei­cher­mas­sen teil­ha­ben, tat­säch­lich Sinn machen würde.