Staat­li­che Pres­se­för­de­rung durch die Hintertüre

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Von Lukas Vogel­sang - Der Bun­des­rat arbei­tet an der Idee eines umfas­sen­den Medi­en­ge­set­zes. Als klei­ner Kul­tur-Zeit­schrif­ten­ver­lag ist man dar­in schlicht unsicht­bar – wir kämp­fen für jeden Rap­pen, um über­haupt am Leben blei­ben zu kön­nen. Fast alle unse­re Anfra­gen wer­den unter dem Deck­man­tel «staat­li­che Pres­se­för­de­rung ist nicht erlaubt» zurück­ge­wie­sen – das ist so auch ganz gut im Gesetz ver­an­kert. Eine Dis­kus­si­on über das The­ma scheint aber unmög­lich zu sein – nie­mand will die Anlie­gen ernst neh­men. Nur wenn poli­ti­sche Inter­es­sen und Mäch­te mit­spie­len, geht alles ganz ein­fach: Die Stadt Bern bezahlt seit 2005 jähr­lich 140 000 Fran­ken einem Ver­ein für eine Kul­tur­agen­da, in Zürich woll­te man mit einem exor­bi­tan­ten Bei­trag von 975 000 Fran­ken ein Online-Pilot­pro­jekt star­ten, was zum Glück abge­stellt wur­de – ein Teil ist aber trotz­dem in einer von der Stadt mit­fi­nan­zier­ten Online-Daten­bank­lö­sung rea­li­siert wor­den. In Aar­au wur­de das Kul­tur­ma­ga­zin zum drit­ten Mal mit­hil­fe der Stadt start­fi­nan­ziert, Biel finan­zier­te sich bis zum Exodus eine Kul­tur­bei­la­ge. Selbst­ver­ständ­lich gibt es noch eine SRF und eine Swis­s­In­fo, die über ande­re Bud­gets vom Bund (vom BAKOM und EDA) Geld für eigent­lich die glei­chen Diens­te erhal­ten, die sie auch wie­der ein­kau­fen von Diens­ten, die bereits sub­ven­tio­niert sind. So gibt es ganz vie­le Kul­tur­pu­bli­ka­tio­nen, die neben der Post-Pres­se­för­de­rung vom BAKOM oder dem Gebüh­ren­split­ting trotz­dem in den Genuss von inhalt­li­chen Unter­stüt­zungs­bei­trä­gen kom­men. Pri­va­te Initia­ti­ven gehö­ren nicht dazu. Sobald Alt-Poli­ti­ke­rIn­nen in den Vor­stän­den oder Ver­wal­tungs­rä­ten sit­zen oder sich Kul­tur­amts­trä­ge­rIn­nen oder Stadt­prä­si­den­ten poli­ti­sche Mani­fes­ta­tio­nen bau­en wol­len, fliesst jähr­lich Geld.

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Auch das Bun­des­amt für Kul­tur (BAK) för­dert zum Bei­spiel vier Schwei­zer Film­zeit­schrif­ten durch Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen. Das BAK ver­teilt 355 000 Fran­ken jähr­lich an Film­zeit­schrif­ten per Aus­schrei­bung und die­ses Sub­ven­ti­ons­pro­gramm ist dann jeweils für vier Jah­re gül­tig. Momen­tan wer­den zwei Zeit­schrif­ten mit klei­nen Unter­stüt­zungs­bei­trä­gen (20 000 bis 25 000 Fran­ken) unter­stützt. Das eine ist das «CINEMA»-Jahrbuch aus Zürich und das ande­re «Décad­ra­ges Ciné­ma» aus Lau­sanne, wel­ches ich noch nie gese­hen habe. Ein wei­te­res ist das «Film­bul­le­tin» aus Win­ter­thur, das mit sat­ten 180 000 Fran­ken sub­ven­tio­niert wird. Inter­es­sant ist das des­we­gen, weil die Auf­la­ge des acht Mal im Jahr erschei­nen­den Hef­tes pro Aus­ga­be nur 3000 Exem­pla­re auf­weist. Als Stif­tungs­rats­prä­si­dent ist Jean-Pierre Hoby, der ehe­ma­li­ge Kul­tur­se­kre­tär aus Zürich, gelis­tet. Auch das «Ciné­bul­le­tin» aus Genf erhält 130 000 Fran­ken für die gera­de mal 8 x 32 Sei­ten (Auf­la­ge 2500 pro Aus­ga­be) pro Jahr. Bei­de Hef­te sind Bran­chen­ma­ga­zi­ne für die Film­bran­che, die zum Teil auch den Ver­ein bil­den. Es sind kei­ne Publi­kums­ma­ga­zi­ne für die Bevöl­ke­rung. Der Schwei­zer Film wird hier­durch nicht berühmt – obwohl die «Her­stel­lung von Öffent­lich­keit» ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um in der BAK-Aus­schrei­bung wäre.

Auch ensuite hat­te sich vor Jah­ren mit einem extra dafür gebau­ten Kon­zept einer monat­li­chen Film­bei­la­ge für den Schwei­zer Film bewor­ben und wur­de als «nicht rele­vant» abge­wie­sen. Die­se Film­zeit­schrif­ten­för­de­rung ist nicht neu und all­ge­mein bekannt. Die Bei­trä­ge und Infos kön­nen auf der Web­site vom BAK nach­ge­le­sen wer­den. Das Pro­ze­de­re die­ser Pres­se­för­de­rung ist poli­tisch abge­seg­net und gutgeheissen.
Die Medi­en­bran­che lei­det unter Inse­ra­te­schwund, und vie­le Publi­ka­tio­nen sind in den letz­ten Jah­ren bereits ver­schwun­den oder wir hören von Spar­mass­nah­men – wie zur­zeit bei der Tame­dia. Die Kul­tur­re­dak­tio­nen der Tages­pres­se wur­den regel­recht vaku­um­iert ver­gli­chen mit vor 20 Jah­ren, als sich jede Zei­tung noch eine kul­tu­rel­le Bei­la­ge leis­te­te. Im Jahr 1939 grün­de­ten ein paar Intel­lek­tu­el­le zur «geis­ti­gen Lan­des­ver­tei­di­gung» einen Ver­ein, den Schwei­ze­ri­schen Feuil­le­ton Dienst (SFD). Die­ser schick­te sich an, den Tages­me­di­en wie eine Depe­schen­agen­tur pfan­nen­fer­ti­ge Kul­tur­ge­schich­ten anzu­bie­ten. Je nach Zusam­men­set­zung des Vor­stands arte­te dies aller­dings auch in bio­lo­gi­sche und wis­sen­schaft­li­che Bei­trä­ge aus – aber das ist auch schon über 20, 30 Jah­re her. Seit 1993 arbei­tet der Ver­ein mit der SDA, der Schwei­ze­ri­schen Depe­schen­agen­tur zusam­men. Die­ser wie­der­um gehört den Tages­me­di­en, ist eine pri­vat­wirt­schaft­li­che Pres­se­or­ga­ni­sa­ti­on. Zufäl­lig tele­fo­nier­te ich dem Ver­ein SFD und lan­de­te zu mei­nem Erstau­nen bei der SDA. Die Büro­adres­se vom SFD, so stell­te ich fest, ist tat­säch­lich die SDA-Adres­se in Zürich. Eine wei­te­re kur­ze Abklä­rung ergab, dass das Bun­des­amt für Kul­tur dem Schwei­ze­ri­schen Feuil­le­ton Dienst pro Jahr zwi­schen 164 000 und 206 000 Fran­ken (davon sind 20 000 bis 26 000 Fran­ken für Bücher­pro­jek­te) bezahlt. Doch wo wird das beim BAK aus­ge­wie­sen? Was tut der SFD? Wo wer­den die Arti­kel publi­ziert? Gibt es eine Aus­schrei­bung dazu? Ich fing an zu suchen:

Auf der Zür­cher Stadt-Web­site heisst es:
Schwei­zer Feuil­le­ton-Dienst SFD: eine beson­de­re Kul­tur­agen­tur
Der Schwei­zer Feuil­le­ton-Dienst SFD ist eine Kul­tur­agen­tur mit Sitz in Zürich. Über die Kanä­le der Schwei­ze­ri­schen Depe­schen­agen­tur (SDA) belie­fert er Print- und Online­me­di­en, Radio und Fern­se­hen mit Tex­ten über das kul­tu­rel­le Gesche­hen in der Schweiz.
Schwer­ge­wich­tig schreibt der Schwei­zer Feuil­le­ton-Dienst über kul­tu­rel­le Ereig­nis­se im Kan­ton Zürich: über Pre­mie­ren in Zür­cher oder Win­ter­thu­rer Thea­tern, über Kunst­aus­stel­lun­gen, lite­ra­ri­sche Neu­erschei­nun­gen, Kon­zer­te, Opern­auf­füh­run­gen und vie­les mehr. Neben den tages­ak­tu­el­len Tex­ten fin­den sei­ne Som­mer­se­ri­en über die viel­spra­chi­ge Schweiz bei den Medi­en gros­se Beach­tung. Die 14 Por­träts mehr­spra­chi­ger Autorin­nen und Autoren, die der SFD im Som­mer 2010 publi­ziert hat, sind beim Zür­cher Lim­mat Ver­lag als Buch erschie­nen. Unter dem Titel «Mut­ter, wo über­nach­tet die Spra­che?» kom­men dar­in auch fünf im Kan­ton Zürich leben­de Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler zu Wort: Danie­la Jan­jic, Wen-huei Chu, Simon Froeh­ling, Yus­uf Yesilöz – und Melin­da Nadj Abon­ji. Deren Por­trät hat der SFD ver­öf­fent­licht, bevor die Autorin den Deut­schen und Schwei­zer Buch­preis 2010 erhal­ten hat. Eigen­stän­di­ge Qua­li­täts­be­ur­tei­lung und Unab­hän­gig­keit in der Aus­wahl sind Mar­ken­zei­chen des SFD.

Mehr: www.feuilletondienst.ch
Finan­ziert mit Betriebs­bei­trag des Kan­tons Zürich

Die nur gedruckt erhält­li­chen Geschäfts­be­rich­te vom SFD der letz­ten drei Jah­re gaben gute Ein­sich­ten. So über­weist der Ver­ein pro Jahr bei­spiels­wei­se 175 000 Fran­ken als «Ver­triebs­geld» direkt an die SDA. Es ist das Geld, wel­ches der Ver­ein vom BAK erhält. Je län­ger ich rum­such­te, umso deut­li­cher wur­de: Der Schwei­ze­ri­sche Feuil­le­ton­dienst ist nur ein «Käs­se­li­ver­ein», der sei­ne Diens­te der SDA über­ge­ben hat und durch den sich die SDA die eige­ne Kul­tur­re­dak­ti­on mit­fi­nan­ziert und die kos­ten­pflich­ti­gen SDA-Dienst­leis­tun­gen bewirbt. Der SFD-Mit­ar­bei­ter ist ange­stellt bei der SDA und koor­di­niert die SFD-Auf­trä­ge, um den soge­nann­ten Leis­tungs­auf­trag dem BAK gegen­über zu erfül­len. Aller­dings konn­te ich kei­ne Wie­der­ver­wer­tung die­ser Arti­kel in den Tages­me­di­en fin­den. Alle Stich­pro­ben waren Enten. Auch die auf der Web­site vom SFD ange­ge­be­ne Anzahl Arti­kel pro Jahr, zwi­schen 350 und 450, konn­te ich nicht bestä­ti­gen, wohl aber habe ich meh­re­re vom SFD umge­schrie­be­ne Kul­tur-Pres­se­mit­tei­lun­gen gefun­den. Und die Hono­ra­re, wel­cher der Ver­ein für AutorIn­nen aus­weist, wür­den pro Arti­kel im Schnitt 50 Fran­ken aus­ma­chen. Da stim­men offen­sicht­lich eini­ge Anga­ben und Annah­men nicht mehr.

Eine Über­prü­fung der aktu­el­len Kul­tur­bot­schaft vom BAK ergab kei­ne Hin­wei­se auf die­se jähr­li­che Pres­se­sub­ven­ti­on, die ja einer­seits ein kla­rer Markt­ein­griff und eine inhalt­li­che För­de­rung der Tages­me­di­en dar­stellt. Wir erin­nern uns: Die Kul­tur­be­richt­erstat­tung defi­nier­te man 1939 noch als «geis­ti­ge Lan­des­ver­tei­di­gung». Hat sich in die­ser Hin­sicht bis heu­te was ver­än­dert? Und wo wäre die Recht­fer­ti­gung dazu? Ich wür­de heu­te die Not­wen­dig­keit des Feuil­le­tons eher als «geis­ti­ge Innen­ver­tei­di­gung» titeln.

Zwar recht­fer­tigt der SFD die Zah­lun­gen an die SDA als «Ver­triebs­geld» – doch der Betrag ist bei dem digi­ta­len und daten­bank­ge­steu­er­ten Mit­glie­der­sys­tem ELIAS der SDA etwas gar viel. Als ich bei der SDA nach­frag­te, ob ich mal die Arti­kel ein­se­hen könn­te, woll­te man mir nur ein SDA-Abo ver­kau­fen. In Gesprä­chen mit dem Chef­re­dak­tor der SDA und eini­gen ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­te­rIn­nen wur­de klar: Hier hat schon lan­ge nie­mand mehr eine Fra­ge gestellt. Wäh­rend SDA-Chef­re­dak­tor Ber­nard Mais­sen von einem unab­hän­gi­gen Ver­ein, der nichts mit der SDA zu tun habe, spricht, bestä­ti­gen ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­te­rIn­nen, dass dies ein und das­sel­be sei und die wenigs­ten SFD-Arti­kel je in einem Tages­me­di­um publi­ziert wür­den. Das wird auch im SFD-Jah­res­be­richt 2016 bestä­tigt. Mais­sen erklärt mir wie­der­um, dass, weil die Kul­tur­re­dak­tio­nen bei den Tages­me­di­en weg­ge­spart wür­den, das Kul­tur­ange­bot der SDA jetzt viel inten­si­ver genutzt wer­de. Ich inter­pre­tie­re das umge­kehrt: WEIL das Ange­bot der SDA vor­han­den ist, kön­nen die Tages­me­di­en auf die Kul­tur­re­dak­to­rIn­nen ver­zich­ten, ohne qua­li­ta­ti­ve Ein­bus­sen ein­ge­hen zu müs­sen. Der Schuss geht für mich in die fal­sche Rich­tung, und mit feuil­le­to­nis­ti­scher Viel­falt hat das ja nichts zu tun. Mais­sen schrieb: «Ich ver­ste­he Ihren Ärger über eine gewis­se Pra­xis des BAK. Aller­dings üben Sie mei­ner Mei­nung nach etwas am fal­schen Objekt. Letzt­lich geht es doch dar­um, dass in den Medi­en (auch online, Radio, TV) über­haupt noch über Kul­tur berich­tet wird.» Ein sol­che Argu­men­ta­ti­on bedeu­tet Kapi­tu­la­ti­on und ist etwas gar blind. Immer­hin zäh­le ich über 10 Kul­tur­ma­ga­zi­ne in der Schweiz, die ohne SDA aus­kom­men. Im Post­skrip­tum stand dann noch: «Ich wür­de mich freu­en, wenn wir den Aus­tausch mal im direk­ten Gespräch fort­set­zen könn­ten. Viel­leicht ergibt sich da auch eine Mög­lich­keit der Zusam­men­ar­beit, die allen dient. Oder sonst zumin­dest eine inter­es­san­te Dis­kus­si­on über Kul­tur­jour­na­lis­mus.» Ein inter­es­san­ter Ver­such, mich auf die ande­re Sei­te zu brin­gen und mei­ne Fra­gen zu blo­ckie­ren. Kein Wun­der: Die­se Dis­kus­si­on könn­te die SDA 175 000 Fran­ken kosten.

Einen guten Witz gab es noch im Jah­res­be­richt vom SFD zu lesen. Das steht: «Seit sei­nem Bestehen ist es ja auch ein wich­ti­ges Bestre­ben des SFD, zu Ver­stän­di­gung zwi­schen den Sprach­re­gio­nen der Schweiz bei­zu­tra­gen.» Viel­leicht müss­te man dem SFD wie­der mal sagen, dass dies der ein­zi­ge Grund ist, war­um er vom BAK finan­ziert wird.

Und jetzt muss ich es schrei­ben: Unse­re Kul­tur­zeit­schrift publi­ziert pro Jahr mehr als 550 eige­ne Tex­te zu Kul­tur und Kunst, die alle im Print und online natio­nal ver­öf­fent­licht wer­den. Und wir sind damit nicht die Ein­zi­gen. Klein­ver­la­ge erhal­ten kei­nen Rap­pen aus den öffent­li­chen För­der­töp­fen, brin­gen aber zum Teil die «glei­chen» Geschich­ten und errei­chen wesent­lich mehr Lese­rIn­nen mit der Arbeit. Zudem müs­sen wir eige­ne Büros, Pro­duk­tio­nen, die gesam­te Ver­triebs­lo­gis­tik, Wer­bung und Abo­be­wirt­schaf­tung sel­ber finan­zie­ren. Viel­leicht habe ich irgend­et­was nicht rich­tig ver­stan­den, aber für mich ist das alles nicht logisch.

Die Anfra­ge beim BAK, Kul­tur & Gesell­schaft, ergab wenig Erhel­len­des. Das Amt ist nur die Exe­ku­ti­ve der Geset­ze, wel­che die Poli­tik abge­seg­net hat, wel­che das BAK zuvor mit ver­schie­de­nen Par­tei­en und Lob­by­is­ten für die Ver­nehm­las­sung für die Poli­tik vor­be­rei­tet hat. Die Recht­fer­ti­gung bezüg­lich die­ser Feuil­le­ton-Pres­se­för­de­rung liegt «total trans­pa­rent» in einer «Ver­ord­nung über die Lan­des­spra­chen und die Ver­stän­di­gung zwi­schen den Sprach­ge­mein­schaf­ten», SpV, (vom 4. Juni 2010 (Stand 1. Okto­ber 2014). Da sucht ja auch jeder danach. Unter Art 13 ist nachzulesen:

Unter­stüt­zung von Nachrichtenagenturen
1 Finanz­hil­fen kön­nen Nach­rich­ten­agen­tu­ren von gesamt­schwei­ze­ri­scher Bedeu­tung gewährt wer­den, die:
a. sich einen ver­stän­di­gungs­po­li­ti­schen Auf­trag auf­er­legt haben und ihn wahrnehmen;
und
b. über sprachen‑, kul­tur- und ver­stän­di­gungs­po­li­ti­sche The­men aus allen vier Sprach­re­gio­nen berichten.
2 Von gesamt­schwei­ze­ri­scher Bedeu­tung ist eine Nach­rich­ten­agen­tur, wenn sie regel­mäs­sig Infor­ma­tio­nen in min­des­tens drei Lan­des­spra­chen veröffentlicht.

Unter dem Bun­des­ge­setz über die Lan­des­spra­chen und die Ver­stän­di­gung zwi­schen den Sprach­ge­mein­schaf­ten (Spra­chen­ge­setz, SpG) wie­der­um steht gemeisselt:

Art. 18 Unter­stüt­zung von Organisationen
Der Bund kann Finanz­hil­fen gewäh­ren an:
a. Nach­rich­ten­agen­tu­ren von gesamt­schwei­ze­ri­scher Bedeu­tung, die über die vier Sprach­re­gio­nen des Lan­des berichten;
b. nicht gewinn­ori­en­tier­te Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen von gesamt­schwei­ze­ri­scher Bedeu­tung, die durch ihre Tätig­keit in min­des­tens einer Sprach­re­gi­on die Ver­stän­di­gung för­dern oder Grund­la­gen­ar­beit für die För­de­rung der Mehr­spra­chig­keit leis­ten und die Ergeb­nis­se vermitteln;
c. Gemein­we­sen, die Pro­jek­te zuguns­ten der Ver­stän­di­gung zwi­schen den Sprach­ge­mein­schaf­ten unterstützen.

Die SDA ist nicht nament­lich erwähnt, was den Schluss zulässt, dass jeder Ver­ein, der möch­te, eine sol­che Nach­rich­ten­agen­tur sein könn­te – was mir vom BAK auch bestä­tigt wur­de. Die Tages­me­di­en bil­den zum Bei­spiel kei­ne Mehr­heit im Bereich der Kultur-
infor­ma­tio­nen, da könn­te man sich noch ganz radi­kal posi­tio­nie­ren – und da es nicht um poli­ti­sche Nach­rich­ten, son­dern um sprach­li­che, kul­tu­rel­le «Grund­la­gen­ar­beit» geht, wäre dies pro­blem­los zu kon­tern. Zumal ja in Bezug der Kul­tur­leis­tun­gen der SDA noch viel Spiel­raum nach oben besteht, sprich deren Ver­trieb der kul­tu­rel­len Nach­rich­ten nicht an die eigent­li­che Bran­che geht: den Kul­tur­ma­ga­zi­nen. Dies könn­te sogar eine inter­es­san­te gesetz­li­che Mög­lich­keit für Pro Hel­ve­tia wer­den, wo der neue Direk­tor Phil­ip­pe Bischof bereits ange­kün­digt hat, im Bereich der Kul­tur­ma­ga­zi­ne wir­ken zu wollen.

Das Pro­blem ist auch, dass der Ver­ein SFD und die SDA rein theo­re­tisch nicht die glei­chen Insti­tu­tio­nen sind. Wür­de das BAK ein­fach die SDA bezah­len, wäre die Form gemäss die­sem Regle­ment so weit kor­rekt. Jetzt aber bezahlt man einen Ver­ein, der eine ande­re Insti­tu­ti­on damit beauf­tragt, die Diens­te zu über­neh­men. Die Tren­nung der Diens­te scheint mir nicht trans­pa­rent auf­ge­teilt. Selbst im Jah­res­be­richt vom SFD ver­weist man auf die Leis­tun­gen der SDA bezüg­lich der Mehr­spra­chig­keit – sel­ber mache man eher nur Über­set­zun­gen. Auf die Fra­ge nach einem Con­trol­ling über die Umset­zungs­qua­li­tät des SFD ant­wor­tet das BAK, dies sei nicht sei­ne Auf­ga­be, dafür sei die Poli­tik zustän­dig. Na, dann prüft mal!

Der Vor­stand vom SFD beher­bergt Alt-Poli­ti­ke­rIn­nen und AutorIn­nen, der Lei­ten­de Aus­schuss hat einen Alters­durch­schnitt von 72 Jah­ren. Unge­fähr so sieht auch der Web­auf­tritt aus. Wie soll irgend­je­mand fest­stel­len kön­nen, ob die­se Form von «geis­ti­ger Lan­des­ver­tei­di­gung» tat­säch­lich noch zeit­ge­mäss nütz­lich ist und nicht nur als Ver­kaufs­för­de­rungs­in­stru­ment der pri­va­ten SDA und damit als indi­rek­te Pres­se­för­de­rung für die Tages­me­di­en gilt? In der Kul­tur­bot­schaft wird die­se Form von Pres­se­sub­ven­ti­on mit kei­ner Sil­be erwähnt. Wer kei­ne Kennt­nis­se über die­sen Ver­ein hat, wird auch kei­ne Anga­ben fin­den. Wer sucht schon nach Medi­en­för­de­rung in der Sprach­ab­tei­lung? Und was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. Nun wis­sen wir das aber, lie­be LeserInnen.

Mei­ne Fra­ge ist: Wie vie­le Medi­en-Pro­jek­te wer­den denn noch in der Schweiz über sol­che Hin­ter­tü­ren finan­ziert, trotz der eigent­li­chen Nicht­fi­nan­zier­bar­keit von Medi­en in der Schweiz? Hat hier noch jemand den Über­blick? Ist das fair? Ist das der Boden der Kul­tur­be­richt­erstat­tung, wie wir uns das wün­schen? Bau­en wir auf die­sem Nähr­bo­den ein neu­es Medi­en­ge­setz? Viel­leicht soll­ten wir unse­re Poli­ti­ke­rIn­nen mal dar­auf anspre­chen. Immer­hin geht es hier um die «geis­ti­ge Landesverteidigung».

Bun­des­amt für Kultur

Unter­stüt­zung von Nach­rich­ten­agen­tu­ren (Art. 13 SpV)
Schwei­ze­ri­scher Feuil­le­ton­dienst – 206 808 CHF
(Wir wei­sen dar­auf hin, dass der SFD im Jahr 2016 vom BAK «nur» eine Sub­ven­ti­on von 169 750 aus­weist und 37 058, aus­ser­halb der Jah­res­rech­nung, als Spe­zi­al­bei­trag 2016 deklariert)

Unter­stüt­zung von Orga­ni­sa­tio­nen (Art. 14 SpV)
Asso­cia­ti­on pour la pro­mo­ti­on de l’enseignement plu­ri­lin­gue en Suis­se APEPS – 8000 CHF
Aux Arts etc. ‑19 400 CHF
Cosci­en­za svi­z­zera – 58 200 CHF
Fon­da­zio­ne lin­gue e cul­tu­re ‑33 950 CHF
Forum für Zwei­spra­chig­keit / Forum du bilin­gu­is­me Biel/ Bien­ne – 155 800 CHF
Forum Hel­ve­ti­cum – 92 150 CHF
Ser­vice de pres­se suis­se – 126 100 CHF

(Quel­le BAK 2016)



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