Monats­no­ti­zen: Insi­de Culture

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Jetzt ist es soweit: Die Ver­nehm­las­sung der Abtei­lung Kul­tu­rel­les für die neue «Kul­tur­stra­te­gie» (das Doku­ment heisst «Städ­ti­sche Kul­tur­för­de­rung, Schwer­punk­te und Mit­tel­ver­wen­dung der Prä­si­di­al­di­rek­ti­on 2016 – 2019») ende­te am 28. August – zufäl­lig zeit­gleich mit der Ver­öf­fent­li­chung des Grob­kon­zep­tes der Ber­ner Kul­tur­kon­fe­renz, wel­ches Sie in die­ser Aus­ga­be vor­fin­den (ab Sei­te 12). Eines haben die­se bei­den Doku­men­te übri­gens gemein­sam: Sie sind ähn­lich rudi­men­tär. Das Grob­kon­zept der BKK (Ber­ner Kul­tur­kon­fe­renz) ist aller­dings in Zusam­men­ar­beit mit Fach­grup­pen ent­stan­den, die sich dafür zusam­men­ge­fun­den haben. Eine demo­kra­ti­sche und sinn­vol­le Arbeit – denn ohne Grund­la­gen kann man kein Kon­zept schrei­ben. Die Abtei­lung Kul­tu­rel­les hat die­sen Dia­log nicht gesucht. Zwar hat man Anfang Jahr 2014 ein Hea­ring ver­an­stal­tet, jedoch kei­ne Inputs ins eige­ne neue Kul­tur­leit­bild über­nom­men. Das zwei­te Tref­fen – am 10. August, noch in der Feri­en­zeit, wel­ches schon gar nicht mehr «Hea­ring» genannt wur­de – war nur ein Hil­fe­ruf vom Stadt­prä­si­den­ten und der Lei­te­rin der Abtei­lung Kul­tu­rel­les um Ver­ständ­nis. Man hät­te kei­ne Zeit und kei­ne Res­sour­cen für ein Kul­tur­kon­zept gehabt. Sechs Jah­re sind zu wenig Zeit? Und wie ist das damit, dass Frau Schal­ler es erst im letz­ten Novem­ber 2013 noch ablehn­te, ein Kul­tur­kon­zept zu erschaf­fen: «Für die Visio­nen sei­en die Kul­tur­schaf­fen­den zustän­dig.» Mit die­sen zusam­men­ar­bei­ten will sie aber auch nicht. Und in ihrem eige­nen Kul­tur­pa­pier steht nichts davon, dass die Abtei­lung Kul­tu­rel­les zu wenig Per­so­nal oder Mit­tel hät­te, um die Ver­wal­tungs­tä­tig­kei­ten kor­rekt auszuführen.

Der Stadt­prä­si­dent wird gemäss eige­ner Aus­sa­gen in sei­ner letz­ten Amts­zeit kein Kon­zept mehr sehen. Es bleibt vor­erst ein Geheim­nis, war­um sich die Prä­si­di­al­di­rek­ti­on mit dem Bereich Kul­tur so schwer tut. Die Ber­ner Kul­tur­kon­fe­renz ist schweiz­weit wahr­ge­nom­men wor­den, und hat vie­le Anfra­gen von ande­ren Städ­ten zum Grob­kon­zept und den Akti­vi­tä­ten erhal­ten. Das ist auch der Grund dafür, dass wir ein­ge­wil­ligt haben, das Grob­kon­zept im ensuite zu publizieren.

Ich habe es immer wie­der erwähnt: Die Kon­trol­le über die städ­ti­sche Kul­tur hat mit Macht zu tun. Das Kul­tur­se­kre­ta­ri­at ist so etwas wir eine Inten­dan­ten­stel­le. Durch die Bewil­li­gung von Gel­dern wer­den Selbst­be­wusst­sein und die Zufrie­den­heit der Bevöl­ke­rung gesteu­ert – zumin­dest eines Teils, und die­ser hat hohen gesell­schaft­li­chen Wert. Man gibt etwas zurück – ver­meint­lich, denn es sind ja Steu­er­gel­der, die nur zurück­flies­sen. Man reprä­sen­tiert sich mit dem Kul­tur­schaf­fen einer Stadt – man misst sich gegen­sei­tig dar­an. Eine Stadt ohne Kul­tur gilt als lang­wei­lig. Bern ist es defi­ni­tiv nicht. Und die Bewe­gun­gen, wel­che in die­ser Stadt zur Zeit vor­herr­schen, sind äus­serst span­nend und intensiv.


Bild Titel­sei­te: Paul Chan, Mas­ter, Argu­ment, 2013, Kabel, Schu­he, Beton, 36.8 cm x 18.1 m x 17.3 m, Cour­te­sy the Artist and Gree­ne Naf­ta­li, New York. © Paul Chan / Foto: Domi­nik Imhof

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 141, Sep­tem­ber 2014



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