Es tut mir sehr leid, dass ich Sie in der letzten Ausgabe ins Freie geschickt habe. Leider hatte das Wetter keinen Sinn für Kunst im ungeschützten Aussenraum. Oder vielleicht hat das Wetter sowieso keinen Sinn für Kunst, auch wenn es ja in zahlreichen Kunstwerken zumindest im Hintergrund eine eminent wichtige Rolle spielt: Kein Landschaftsgemälde ohne leicht mit Wolken behangenen Himmel, oder wenn es denn eine erhabene Gegend sein soll, dann sind auch mal Regen- und Sturmwolken zu sehen, vielleicht gar Blitze und das Donnern stellt man sich dann innerlich mit Leichtigkeit und Schaudern vor. Im September werden Sie dahingehend besser bedient sein. Nicht dass ich Ihnen einen sonnigen Herbst prophezeie, vielmehr finden im September einige äusserst reizvolle Veranstaltungen rund um Kunst und verwandte Bereiche statt bis hin zu spartenübergreifenden Events, die vielleicht noch eine Spur interessanter werden könnten. Mehr dazu gleich hier in der Nachbarschaft unter der Rubrik «Vorschau».
Wer es doch noch einmal nach draussen wagt, dem sei die Ausstellung «Gastspiele» im Museum Rietberg in Zürich ans Herz gelegt. Auf dem ganzen Areal des Rietberg, inklusive Park und der verschiedenen Villen, lassen sich Werke der Gegenwartskunst vor, hinter und neben den Sammlungsobjekten aus aller Welt des Rietberg betrachten: Videos von Pipilotti Rist, lackglänzende Rohre von David Renggli, Gebasteltes von Lutz & Guggisberg. Weniger die Werke an sich überraschen als vielmehr der neue Kontext ihrer Präsentation – in ganz neuem Gegenlicht.
Wen es schliesslich überhaupt nicht nach draussen zieht, für den haben unsere neuen und sozialen Medien viel Ersatz zu bieten. Die «Virtuale» etwa, also die Virtual Biennale, zeigt nicht einfach Kunstwerke im Internet, sondern pflegt im virtuellen Raum den digitalen Umgang mit Stadt und Raum. Künstlerinnen und Künstler wie Peter Aerschmann, Herve Graumann oder Franziska Furter haben sich beteiligt. Also für jeden und jede etwas.
Bild Titelseite: Paul Chan, Master, Argument, 2013, Kabel, Schuhe, Beton, 36.8 cm x 18.1 m x 17.3 m, Courtesy the Artist and Greene Naftali, New York. © Paul Chan / Foto: Dominik Imhof
Publiziert: ensuite Ausgabe Nr. 141, September 2014






