- ensuite | kulturagenda | enBlog - https://ensuite.we-are.gmbh/ -

Mit Sue am See

Von Sta­nis­lav Kutac – Sie hat­te Som­mer­spros­sen. Als wir uns am See nicht nur zum Baden tra­fen, schien die Son­ne noch kräf­tig und ver­schwieg glaub­haft den Sturm, der sie ver­trei­ben soll­te, noch bevor der Abend das Sel­bi­ge tat. Wir lies­sen uns nicht stö­ren, auch von frem­den Bli­cken nicht der­je­ni­gen, die jen­seits am ande­ren Ufer ihren Lie­ge­stuhl auf­ge­schla­gen hat­ten und so taten als wür­den sie nichts sehen von all dem, was wir vor hat­ten. Libel­len flo­gen umher wie klei­ne bun­te Hub­schrau­ber, kaum Schna­ken, dafür Gezwit­scher mal nicht vom IPho­ne. Gelas­sen­heit, Gras und Mil­de leg­ten sich über uns von Ort zu Ort Getrie­be­ne. Für den einen Moment genüg­ten wir uns, sahen nur uns und dank­ten der Insel für ihren Schutz vor eige­nen und frem­den Gedan­ken. Wer ein­mal vom Was­ser umge­ben fes­ten Boden unter den Füs­sen ver­spürt hat, eine klei­ne, über­sicht­li­che, geord­ne­te Welt mit kla­ren Gren­zen, der weiss, dass er sei­ner Leb­ta­ge davon träu­men wird, dort­hin zurück­zu­keh­ren. Wir muss­ten nicht träu­men. Träu­men von Bil­dern, die ande­re sich machen müs­sen, weil sie sich die­se nicht zuge­ste­hen. Bil­der von Ein­ge­bo­re­nen, die freu­dig sind mit dem, was sie nicht ken­nen, des­halb nach nichts trach­ten, was sie weg­brin­gen könn­te vom Eiland ihrer Vor­er­fah­re­nen. An so einem Ort sind wir gewe­sen, gar nicht weit weg, ganz nah und doch in einer ande­ren Welt. Einer aus Kör­per und Wahr­neh­mung erschaf­fe­nen Welt. Einer Welt deren Augen sehen, deren Hän­de berüh­ren, und deren offe­nes Herz zart das Mit­ein­an­der­sein gewährt. Wenn der Spie­gel dann zurück­schnalzt, der ange­hal­te­ne Atem wie­der in Gang kommt, um im nächs­ten Augen­blick wie­der still zu wer­den gleich dem zuge­knif­fe­nen Auge, beherrscht eine selt­sa­me Anmut den Rhyth­mus des Gesche­hens. Klack. Klack. Klack. Ange­zo­gen von der Berauscht­heit, setz­te sie sich nie­der, viel­leicht um aus­zu­ru­hen, viel­leicht aus purer Neu­gier, viel­leicht… «Ste­chen die?» – «Nein die ste­chen nicht. Die fres­sen nur Fleisch!»

Tat­säch­lich kam die besag­te Libel­le mehr­mals ange­flo­gen, setz­te sich auf Sues Kör­per nie­der, und liess sich bereit­wil­lig foto­gra­fie­ren. Ich weiss nicht wel­chen Mut sie dafür auf­brin­gen muss­te. Ich weiss nur, dass sie es frei­wil­lig tat, genau­so wie sie den Zeit­punkt wähl­te, wie­der weg zu flie­gen und sich ihren ange­stamm­ten Inter­es­sen zu wid­men. Aber, wer weiss das schon so genau, was in einer Libel­le vor sich geht?

Beschrei­bung einer Fotosession
mit Sta­nis­lav und Sue.
Kon­takt Foto­ses­si­ons: stanislavkutac.com

Foto: stanislavkutac.com
ensuite, Novem­ber 2011