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Medi­en­de­bat­te: CH-Medi­en­ge­setz Teil 2

Von Lukas Vogel­sang – Das Refe­ren­dum zum neu­en Medi­en­ge­setz ist also defi­ni­tiv, und damit wird das Schwei­zer Volk am 13. Febru­ar 2022 gemein­sam an der Urne dar­über abstim­men. Von den rund 109 948 ein­ge­reich­ten Unter­schrif­ten sind 64 443 gül­tig – nötig waren 50 000 gül­ti­ge Unter­schrif­ten. Die Nega­tiv-Dif­fe­renz zeigt die emo­tio­na­le Betei­li­gung. Ich möch­te mich in aller Form von dem Refe­ren­dums­ko­mi­tee «Staats­me­di­en Nein» distan­ziert wis­sen – und trotz­dem NEIN stim­men. Im ers­ten Teil zum Medi­en­ge­setz in der Novem­ber-Aus­ga­be habe ich mei­ne Mei­nung schon mal erklärt. In die­sem Arti­kel geht es dar­um, wie man es bes­ser machen muss und auch warum:

Es geht um Geld. Die Argu­men­ta­ti­on, dass die Pres­se­frei­heit gefähr­det sei, ist in jeder Hin­sicht ein­fach falsch, das kann man nicht genug deut­lich sagen. Die Iro­nie ist ja, dass die Befür­wor­ter von «Staats­me­di­en Nein» fast deckungs­gleich mit den Coro­na-Mass­nah­men­geg­ne­rIn­nen sind, die etwas von beschränk­ten Frei­heits­rech­ten rufen und auf den Stras­sen vom Demons­tra­ti­ons­recht Gebrauch machen. Ich war­ne vor einer Annah­me die­ses Medi­en­ge­set­zes, nur weil man nicht mit den Geg­ne­rIn­nen auf der glei­chen Sei­te ste­hen möch­te. Eine freie Mei­nung kann auch par­tei­los mit dem glei­chen Ergeb­nis enden. Alles ande­re wäre dann effek­tiv ein Demo­kra­tie­pro­blem, wel­ches fata­le Fol­gen hät­te – da kann die Pres­se­frei­heit nichts mehr dar­an ändern, auch in Zukunft nicht.

Noch­mals kurz: Wenn Sie Lust haben, kön­nen Sie in der Schweiz einen Pres­se­be­trieb auf­bau­en. Nie­mand wird Sie dar­an hin­dern, nie­mand stop­pen. Da gibt es nur ein klei­nes Pro­blem: das Geld. Je nach­dem, wie Sie die­sen Medi­en­be­trieb auf­bau­en, über wel­che Kanä­le Sie eine brei­te Öffent­lich­keit errei­chen möch­ten, ent­ste­hen unter­schied­lich hohe Kos­ten. Eigent­lich fast gra­tis kön­nen Sie eine Inter­net­platt­form auf­bau­en. Die­se Infra­struk­tur steht allen offen – so wur­den vie­le Blogs und Mei­nungs­sei­ten gebaut, die schon seit Jah­ren im Netz funk­tio­nie­ren. Selbst Influen­ce­rIn­nen bedie­nen sich dar­an. Bei einer Zei­tung müs­sen Sie das Papier bedru­cken – da ent­ste­hen Fremd­kos­ten. Das Erstel­len des Lay­outs kön­nen Sie gra­tis mög­lich machen – dafür genügt, je nach ästhe­ti­schem Anspruch, ein Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm. Der Dru­cke­rei lie­fern Sie eine PDF-Datei mit mini­ma­len Vor­ga­ben, das ist alles. Natür­lich kön­nen Sie eine auf­wen­di­ge Pro­duk­ti­on, far­big, mit Bil­dern, in einer PDF-Datei über­mit­teln … So oder so erhal­ten Sie im Anschluss eine Papier­auf­la­ge und müs­sen den Ver­trieb dafür orga­ni­sie­ren. Papier ist schwer. Per Post wird der Ver­sand, wenn Sie die Bedin­gun­gen erfül­len, vom Bund sub­ven­tio­niert, Sie zah­len also weni­ger, zah­len aber immer noch. Das ist einem Ver­sand-Men­gen­ra­batt ähn­lich – nie­mand hat dabei einen Ein­fluss auf den Inhalt, und viel Geld ist das nicht – aus­ser Sie sind rele­vant und haben eine immense Abo-Leser­schaft. Dann ver­die­nen Sie aber noch gut. So einen Ver­trieb baut man nicht von heu­te auf mor­gen auf – die­se Domi­nanz haben heu­te nur noch weni­ge Medi­en­be­trie­be. Beim Radio oder Fern­se­hen wird es etwas kom­pli­zier­ter: Um die­se Kanä­le nut­zen zu kön­nen, sind hohe Inves­ti­tio­nen nötig. Tech­nik, die nicht im Com­pu­ter-Laden gekauft wer­den kann. Es braucht Ver­triebs­part­ner und die Hil­fe vom Staat, der die­se Ver­triebs­ka­nä­le mit­sub­ven­tio­nie­ren muss, da es kaum mög­lich ist, im gan­zen Land ein Kabel­netz in alle Haus­hal­te zu legen. Die ter­res­tri­sche Über­tra­gung von Signa­len ist heu­te wegen der qua­li­ta­ti­ven Ein­bus­se mehr oder weni­ger ein­ge­stellt wor­den. Das heisst, wir haben jetzt DAB+ für die Radi­os – aber da ist eben die Men­ge der Pro­gram­me eben­so etwas ein­ge­schränkt (Sen­de­fre­quen­zen wer­den in Lizenz ver­teilt) und die­se müs­sen selek­tio­niert wer­den – und hier­zu ist auch ein Anten­nen­netz im Land nötig, was wie­der­um zur Staats­in­fra­struk­tur gehört.

Wenn Sie über Inter­net etwas machen wol­len, redet Ihnen kaum jemand rein – sofern Sie die recht­li­chen und mora­li­schen Wer­te nicht über­schrei­ten. Gleich­zei­tig sind Sie vom ers­ten Moment an glo­bal erreich­bar, haben kei­ne publi­zis­ti­schen Gren­zen zu über­win­den, kei­ne Ver­triebs­kos­ten – nur: Nie­mand wird wis­sen, dass Sie unter den Mil­lio­nen Web­sites existieren.

Das gros­se Pro­blem eines Medi­en­be­triebs aber ist: Rele­vanz. Eine Stim­me in der Wüs­te ist eine Stim­me in der Wüs­te – wenn Sie nie­mand hört, dann bewir­ken Sie nichts. Sie erhal­ten kei­ne Abos, kei­ne Wer­bung, kön­nen mit den Inhal­ten kein Geld ver­die­nen, weil ein­fach nie­mand zahlt. Rele­vanz ist, wenn vie­le von Ihrem Werk was mit­be­kom­men. Wenn Ihre Arti­kel dis­ku­tiert wer­den, wenn man lesen oder hören will, was Sie pro­du­ziert haben. Sehr schnell wird man dabei zu einer Refe­renz für Fra­gen. Man abon­niert Sie, folgt Ihnen an Refe­ra­ten, will Ihre Mei­nung hören, weil man Ihnen ver­traut. Das kann in jede belie­bi­ge Rich­tung gehen, wie wir in der Pan­de­mie fest­ge­stellt haben – trotz­dem ist das die logi­sche und gesell­schaft­li­che Kau­sa­li­tät. Beim The­ma Fake News ste­hen wir dabei vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen – die Rele­vanz aber ist in der Funk­ti­on gleich geblie­ben. Das erklärt vieles.

Inhal­te wer­den von Men­schen gene­riert. Im Nor­mal­fall kos­ten die­se Mit­ar­bei­te­rIn­nen Geld. Natür­lich kön­nen die­se ehren­amt­lich und frei­wil­lig arbei­ten – damit wären die Kos­ten wie­der güns­tig gehal­ten. Dar­um sind vie­le klei­ne­re Medi­en­un­ter­neh­men als Ver­ei­ne auf­ge­stellt. Bei Gross­un­ter­neh­men wird ger­ne auf Frei­schaf­fen­de gesetzt – die kos­ten dann «eine Pau­scha­le», sprich: Du arbei­test für die­sen Lohn oder lässt es sein, jemand sonst wird das machen. So hat sich die Ent­gel­tungs­spi­ra­le nach unten gedreht. Zum Teil ver­dient man als freie Jour­na­lis­tin weni­ger als ein Putz­an­ge­stell­ter zwei­ter Klasse.

Was Jour­na­lis­tIn­nen immer wie­der ver­ges­sen, wenn sie aus der Not neue Medi­en­un­ter­neh­men selbst aus dem Boden stamp­fen: die Admi­nis­tra­ti­on und den Ver­trieb. Das sind zwei Pos­ten, die hohe Kos­ten ver­ur­sa­chen und kaum Geld abwer­fen. Das Mar­ke­ting ist hier drin – ein Pos­ten, der lus­ti­ger­wei­se aus­ge­rech­net die Online-Medi­en sehr stark betrifft, weil die­se phy­sisch kei­ne Sicht­bar­keit erzie­len. Ein Online-Medi­um wird immer nur von einer Per­son gleich­zei­tig kon­su­miert – nicht wie bei Zei­tun­gen von meh­re­ren Lese­rIn­nen (zum Bei­spiel im Kaf­fee­haus). Mit ande­ren Wor­ten: Für ein Online-Medi­um müs­sen wir alle Lese­rIn­nen ein­zeln anwer­ben und bin­den – und selbst die Abon­nen­tIn­nen müs­sen wir dar­an erin­nern, dass wir neu­en Inhalt publi­ziert haben, weil das im vir­tu­el­len All­tag ver­ges­sen geht. Online-Medi­en haben zwar güns­ti­ge Erstel­lungs­kos­ten, aber viel höhe­re Mar­ke­ting­auf­wen­dun­gen und viel mehr Ablen­kungs­kon­kur­renz. Und genau dar­an schei­tern die­se Betrie­be oft frü­her oder später.

Will heis­sen: Ein Drit­tel der Kos­ten soll­te über die Abon­nen­tIn­nen gedeckt sein, zwei Drit­tel wären über Wer­be­ein­nah­men oder fixe Bei­trä­ge zu decken. So war das frü­her und so funk­tio­nie­ren die Medi­en­sys­te­me auch heu­te noch. Bei den ter­res­tri­schen Medi­en sub­ven­tio­niert der Staat mit, weil die­se die Infra­struk­tur kaum selbst berap­pen kön­nen. Zudem wer­den die­se Sub­ven­tio­nen und Sen­de­li­zen­zen an Bedin­gun­gen geknüpft: Die Inhal­te müs­sen einen gewis­sen Pro­zent­satz an neu­tra­len poli­ti­schen und intel­lek­tu­el­len For­ma­ten auf­wei­sen, um bei der gesell­schaft­li­chen Mei­nungs­bil­dung und gene­rell bei der Bil­dung mit­zu­wir­ken. Die Logik dahin­ter ist ein­fach, und wir sehen sie heu­te bei vie­len Pri­vat­ka­nä­len: Der Unter­hal­tungs-Bull­shit soll­te nicht durch Steu­er­gel­der bezahlt wer­den. Tut­ti-Frut­ti-Pro­gram­me kann man mit Wer­be­part­ne­rIn­nen finan­zie­ren – sie bie­ten aber nicht wirk­lich einen Dienst am geis­ti­gen Wachs­tum einer Gesell­schaft. Pri­vat­sen­der finan­zie­ren sich mit einem sol­chen Misch­pro­gramm auch «intel­li­gen­te» Sen­dun­gen – was zum Teil deren Erfolg erklärt. Nur: Gewis­se For­ma­te sind schlicht sel­ten durch Wer­bung för­der­bar – zum Bei­spiel Nachrichtensendungen.

So weit, so gut. Wir sind immer noch beim Geld. Das neue Medi­en­ge­setz will die Wer­be­ein­nah­men-Aus­fäl­le der Ver­la­ge auf­fan­gen, und sogar die Abon­nen­tIn­nen-Aus­fäl­le wer­den mit den Ideen der neu­en Sub­ven­tio­nen getra­gen. Die indi­rek­te Pres­se­för­de­rung, also jene, die die Post­vers­än­de güns­ti­ger macht, hat kei­nen Ein­fluss auf irgend­ei­nen Inhalt. Kei­ne ein­zi­ge Jour­na­lis­tin, kein ein­zi­ger Jour­na­list wird bei einer Erhö­hung einer sol­chen Sub­ven­ti­on mehr Lohn erhal­ten – auch kei­ne Garan­tie, dass die Arbeits­stel­le in Zukunft gesi­chert sein wird. Bei den Online-Medi­en ist es trü­ge­risch gleich: Wenn die­se Geld vom Staat erhal­ten, so garan­tiert das kei­nen ein­zi­gen Lohn – aus­ser jene der Admi­nis­tra­ti­on, Ver­wal­tung, der Pro­gram­mie­rer, und selbst die Leu­te vom Mar­ke­ting wer­den gesi­cher­tes Geld erhal­ten – nicht die Jour­na­lis­tIn­nen. War­um? Weil es die Logik des Gel­des so will: Jene, die arbei­ten, erhal­ten immer weni­ger als jene, die den Auf­trag geben. Und um es noch deut­li­cher zu sagen: Das Geld wird nicht aus­rei­chen, um zum Schluss noch die Jour­na­lis­tIn­nen gesi­chert anstel­len zu kön­nen. Das Geld vom Staat ist nicht eine 100-%-Finanzierung, son­dern nur eine Teilfinanzierung.

Des­we­gen wird das neue Medi­en­ge­setz das Gegen­teil von dem bewir­ken, was gewünscht wäre: Es wird nach eini­gen Jah­ren weni­ger Medi­en geben, weil die klei­nen Betrie­be nicht geför­dert wer­den und die gros­sen Kon­zer­ne die hohen Mil­lio­nen­bei­trä­ge abgra­sen kön­nen und alles domi­nie­ren. Ich habe es schon erwähnt: Für uns als Maga­zin macht die indi­rek­te Pres­se­för­de­rung unge­fähr die Hälf­te eines gedruck­ten Hef­tes aus – pro Jahr! Bei Tame­dia sind es 6 bis 10 Mil­lio­nen Fran­ken an Ein­spa­run­gen im Jahr. Aber die klei­nen Betrie­be schrei­ben die Inhal­te – die gros­sen Kon­zer­ne ver­wer­ten mit Man­tel­me­di­en die glei­chen Inhal­te mehr­fach, im Print und auch auf den Online-Por­ta­len – wofür sie mehr­fach sub­ven­tio­niert wer­den! Ergo: Die Klei­nen wer­den sich nicht finan­zie­ren kön­nen in Zukunft, die Kon­zer­ne erhal­ten das Geld, pro­du­zie­ren den Ein­heits­brei, und die «viel­fäl­ti­ge Pres­se­land­schaft» ist dahin. Prost Demokratie.

Es gäbe Instru­men­te, um ein neu­es Medi­en­ge­setz so zu ver­an­kern, dass es zu einer bes­se­ren Pres­se­land­schaft füh­ren und die Lösung brin­gen wür­de, die das Schwei­zer Volk sich vorstellt:

Der Schwer­punkt des neu­en Medi­en­ge­set­zes darf nicht die Ver­la­ge fokus­sie­ren, son­dern soll­te die Anstel­lun­gen und den Ver­trieb stär­ken. Es ist kor­rekt, dass wir eine indi­rek­te Pres­se­för­de­rung haben in der Schweiz. Das ver­steht man inso­fern bes­ser, als man weiss, dass es eine betrieb­li­che Tren­nung zwi­schen Redak­ti­on und Ver­lag gibt. Hier wird offen­sicht­lich: Das Medi­en­ge­setz för­dert nur eine Instanz: die Ver­la­ge. Also jene, die mehr­heit­lich für das Desas­ter zustän­dig sind. Eine Sub­ven­ti­ons­kul­tur muss die­se bei­den Instan­zen ver­bin­den – ohne eben inhalt­li­che Vor­ga­ben zu machen. Und das ist mög­lich und wäre intelligent.
Lus­ti­ger­wei­se heisst es in der Bot­schaft zum neu­en Medi­en­ge­setz im Zusam­men­hang mit digi­ta­len Medi­en­an­ge­bo­ten: «Die Unter­stüt­zung von Jour­na­lis­ten­stel­len wur­de mit der Medi­en­bran­che dis­ku­tiert und von die­ser aus Grün­den der Unab­hän­gig­keit der Redak­ti­on abge­lehnt. Auch nur der Anschein staat­li­cher Ein­fluss­nah­me sei zu ver­hin­dern.» Es scheint nie­mand auf die Idee gekom­men zu sein, dass Anstel­lungs­be­din­gun­gen bei den Ver­la­gen lie­gen und nicht bei den Redak­tio­nen – da wäre eine gute Steue­rungs­grund­la­ge. Das gilt für Print- wie auch für Online-Medien.

1. Es ist unver­ständ­lich, dass die Gewerk­schaf­ten jetzt nicht auf den Medi­en-GAV (Gesamt­ar­beits­ver­trag) set­zen und eine Sub­ven­ti­ons­be­din­gung dar­an knüp­fen. Der Clou: Wenn wir die Staats­för­de­rung mit einer Lohn­be­din­gung ver­bin­den, gibt es noch immer kei­ne inhalt­li­che Ein­fluss­nah­me, aber wir garan­tie­ren, dass die Jour­na­lis­tIn­nen das Geld erhal­ten, also das, was wir unter dem Begriff Medi­en­schaf­fen oder eben Medi­en­ge­setz för­dern wol­len: mei­nungs­bil­den­de Inhal­te. Sonst ist uns die Finan­zie­rung von Medi­en ziem­lich egal. Damit wür­den wir die­se bei­den Rechts­per­sön­lich­kei­ten (Ver­lag und Jour­na­lis­tIn­nen) zur Ein­heit ver­pflich­ten, dazu, gemein­sam zu ope­rie­ren. Die Ver­la­ge erhiel­ten Geld – aber müss­ten dafür sor­gen, dass die Anstel­lungs­be­din­gun­gen nach­hal­tig gestal­tet sind. Dazu müss­te unbe­dingt auch ein GAV für Frei­schaf­fen­de defi­niert wer­den – sonst wür­den Jour­na­lis­tIn­nen wie­der aus­ge­nutzt wer­den, ohne fes­te Anstel­lun­gen und zu maka­bren Pauschal-Ansätzen.
Online-Medi­en wäre so genö­tigt, das Geld vom Staat für Inhal­te ein­zu­set­zen und nicht nur die Admi­nis­tra­ti­on und das Mar­ke­ting zu sichern. Das bedingt für die gan­ze Bran­che neue Busi­ness­plä­ne, neue Inno­va­tio­nen, neue Zusam­men­schlüs­se und weni­ger Eigen­bröt­le­rei­en. So wür­den Ver­la­ge eine neue Dyna­mik in der Geld­be­schaf­fung erzie­len müs­sen – Inno­va­ti­ons­för­de­rung nennt man das, die sogar belohnt würde.

So wür­de auch ver­hin­dert, dass die Ver­la­ge sich bei Stif­tun­gen, Gön­nern und Spon­so­ren die Inhal­te bezah­len las­sen. Die­se Ten­denz läuft bereits und hat zur Fol­ge, dass die Ver­la­ge immer mehr Geld kas­sie­ren, aber den Inhalt nicht mehr selbst bezah­len. Das neue Medi­en­ge­setz schiebt die­ser Ten­denz kei­nen Rie­gel vor – im Gegenteil.

2. Die Inhalts­rech­te von Arti­keln wer­den heu­te von den Ver­la­gen gekauft, mit der Abgel­tung einer Ver­trags­ar­beit bei frei­en Mit­ar­bei­te-rIn­nen. Das heisst, der Ver­lag erhält bei Auf­trag auto­ma­tisch das Recht (das muss man beim Auf­trag unter­zeich­nen!), alles frei ver­wer­ten zu kön­nen – ohne dass die AutorIn­nen noch finan­zi­el­le Ansprü­che gel­tend machen kön­nen. So kann ein Arti­kel nur einem Ver­lag ange­bo­ten wer­den, und danach hat man die Rech­te an der Geschich­te ver­lo­ren – kann also selbst kei­ne Zweit­ver­wer­tung mehr machen und ver­liert damit Geld. Das hat inso­fern Rele­vanz, als Pro­Lit­teris zum Bei­spiel, also die Urhe­ber­rechts­ver­wal­tung für AutorIn­nen, Abgel­tun­gen nicht mehr den AutorIn­nen zahlt, son­dern dem Ver­lag, der nichts geschrie­ben hat und nur noch dar­an ver­dient. Die­se Gel­der waren für freie Jour­na­lis­tIn­nen immer wich­tig, und dabei geht es um Tau­sen­de von Fran­ken pro Jahr. Das zahlt schon mal einen Teil der Feri­en oder die Zahn­arzt­rech­nung … und wirkt sich auch auf die Pen­si­ons­kas­sen­aus­zah­lun­gen aus!

Staats­ub­ven­tio­nier­ten Betrie­ben müss­te die­se Pra­xis ver­bo­ten wer­den. Wenn wir schon ein Medi­en­ge­setz machen, so soll­ten wir den Fokus auf den Schutz der Inhal­te und von deren Urhe­be­rIn­nen rich­ten, also auf die jour­na­lis­ti­schen Mit­ar­bei­te­rIn­nen set­zen und sie schüt­zen. Es macht kei­nen Sinn, einen Berufs­stand mit Aus­bil­dun­gen zu för­dern und gleich­zei­tig des­sen zukünf­ti­ge finan­zi­el­le Ent­wick­lung zu beschnei­den. Wel­cher Trot­tel lässt sich auf so was noch ein?

3. Aus­bil­dungs­för­de­rung: Das ist gut – aber nicht, wenn die Medi­en­be­trie­be ihre Redak­tio­nen mit Prak­ti­kan­tIn­nen fül­len und damit wie­der Geld spa­ren – womög­lich noch finan­ziert durch den Staat. Noch­mals, die Qua­li­tät des Jour­na­lis­mus kön­nen wir nicht för­dern, wenn wir nicht Dos­sier­kennt­nis­se, Recher­che­in­hal­te, redak­tio­nel­le Refle­xi­on und Dia­lo­ge för­dern. Ein Blick in die Jour­na­lis­ten­welt zeigt: In vie­len Redak­tio­nen sind die fixen Teams so klein gewor­den, dass durch einen Stel­len­wech­sel das Know-how zur Hälf­te verschwindet.

4. Das Medi­en­ge­setz, über das wir abstim­men wer­den, ist ein Ver­lags­ge­setz, wel­ches die Posi­ti­on der Ver­la­ge för­dert, nicht aber die Inhal­te der Medi­en. Und damit wird kein Pro­blem gelöst, das wir eigent­lich mit den Mil­lio­nen Steu­er­fran­ken lösen möch­ten. Oder man kann das auch so sehen: Die­je­ni­gen, die beim Shop­pen viel Geld aus­ge­ge­ben und dabei ver­ges­sen haben, dass auch noch Lebens­mit­tel hät­ten gekauft wer­den sol­len, wer­den jetzt belohnt mit mehr Geld zum Shop­pen – egal was. Soll mir mal jemand bewei­sen, dass danach mehr (regio­na­le) Lebens­mit­tel gekauft werden …

Die SRG hat im neu­en Medi­en­ge­setz eine spe­zi­el­le Stel­lung inne. Die­se wer­de ich viel­leicht spä­ter mal geson­dert behandeln.

Am 13. Febru­ar 2022 müs­sen wir ein kla­res NEIN in die Urne legen. Die­ses NEIN bedeu­tet ein JA für die Medi­en­in­hal­te, für den Jour­na­lis­mus, für eine gesun­de Demo­kra­tie und eine nach­hal­ti­ge Pres­se­land­schaft. Ein NEIN muss der Anfang einer neu­en Dis­kus­si­on wer­den. Und spä­tes­tens bei der GAV-Dis­kus­si­on wird die Grup­pe «Staats­me­di­en Nein» nicht mehr mit­ma­chen – aber genau da müs­sen wir hin. Ohne GAV wird spä­ter nie­mand mehr über so was dis­ku­tie­ren wol­len, wenn schon der Staat bezahlt – dann besteht kei­ne Not­wen­dig­keit mehr.

Wenn wir die­se Chan­ce ver­spie­len, ist eigent­lich garan­tiert, dass sich die Medi­en­land­schaft nega­tiv ver­än­dern wird. Es wird kein par­al­le­les Medi­en­ge­setz geben, nie­mand wird sich nach die­ser Abstim­mung noch für den Jour­na­lis­mus ein­set­zen kön­nen. Eine Geset­zes­än­de­rung wird Jah­re dau­ern – und bis da wird es für den Berufs­stand zu spät sein.
Inso­fern hof­fe ich – nur: Inter­es­siert das noch irgendjemand?

»> Hier lesen Sie den Teil 1 zum Mediengesetz …