Lite­ra­tur­tipps: Ein «Writer’s wri­ter», der ent­deckt wer­den will

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Richard Yates: Eine strah­len­de Zukunft. Roman. Aus dem Eng­li­schen von Tho­mas Gunkel.

Micha­el Daven­port ist gera­de aus dem Zwei­ten Welt­krieg zurück­ge­kehrt, wo er sich als Pilot bei der Flie­ger­staf­fel vor allem unwohl gefühlt hat. Als er Lucy ken­nen und lie­ben lernt, macht er sehr schnell zur Bedin­gung, dass er nicht von ihrem gros­sen Ver­mö­gen pro­fi­tie­ren, son­dern es auf sei­ne Wei­se schaf­fen will.
Er schreibt Gedich­te und ver­mag auch einen ers­ten Band zu publi­zie­ren, trotz­dem geht er in den ers­ten Jah­ren noch einem Brot­job nach. Wegen der gemein­sa­men Toch­ter beschlies­sen sie, in einen Vor­ort zu zie­hen. Dort, ange­kom­men in der Spies­sig­keit, ler­nen sie über­ra­schen­der­wei­se den Künst­ler Tho­mas Nel­son und des­sen Frau ken­nen. Die­ser scheint mit Leich­tig­keit zu schaf­fen, was Micha­el und sei­nes­glei­chen ver­sagt bleibt: die Kunst als Lebens­zen­trum ohne Manieriertheit.
Bald dar­auf mie­ten sich die Daven­ports ein Haus auf dem Land, des­sen Selt­sam­keit in gewis­ser Wei­se die Ver­korkst­heit ihrer Bezie­hung wider­spie­gelt. Nach wie vor sind sie bemüht, sich in den rich­ti­gen Künst­ler- und Intel­lek­tu­el­len­krei­sen zu bewe­gen. Ent­spre­chend dem Zeit­geist die­ses Umfelds sucht sich Lucy einen The­ra­peu­ten. Und Micha­el könn­te sich nicht ver­un­si­cher­ter gebär­den, wenn sie sich mit einem Lieb­ha­ber tref­fen wür­de. Tat­säch­lich weist Lucy Micha­el schon bald dar­auf die Tür und ver­sucht, sich ein selbst­be­stimm­tes Leben auf­zu­bau­en. Zunächst als Schau­spie­le­rin, dann als Schrift­stel­le­rin, spä­ter als Male­rin, immer wie­der auf ihre Ama­teur­haf­tig­keit zurück­ge­wor­fen. Um in spä­te­ren Jah­ren als Akti­vis­tin bei Amnes­ty Inter­na­tio­nal so etwas wie ihre Beru­fung zu finden.
Micha­el hin­ge­gen ent­deckt die Frau­en­welt aufs Neue, und den Alko­hol. Bei­des führt ihn irgend­wann zu einem psy­cho­ti­schen Zusam­men­bruch, wel­cher mit einer Zwangs­ein­wei­sung endet. Die dar­auf­fol­gen­den Bezie­hun­gen und beschei­de­nen Erfol­ge als Dich­ter machen auch ihm die Begrenzt­heit sei­nes Kön­nens bewusst, wobei die Ret­tung sei­ner dro­gen­süch­ti­gen Toch­ter zu einem der Höhe­punk­te gehört.
Yates macht süchtig.


Yates, Richard: Eine strah­len­de Zukunft. Roman. Aus dem Eng­li­schen von Tho­mas Gun­kel. Deut­sche Ver­lags-Anstalt. Mün­chen 2014. ISBN 978 3 421 04611 6. S. 492.

Publi­ziert: ensuite Nr. 140, August 2014



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