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laSt­aem­pf­lis Art and Poli­tics world­wi­de 2023

In pur­pur­far­be­nen Puschen, Bur­ber­ry im Glanz,
Sanf­te Berüh­rung, ein Tanz im Herbstkranz.
Für sechs­hun­dert­neun­zig bri­ti­sche Pfund, ein Kunst­werk am Fuss
Die Welt, der Mode, eine Deka­denz, ein Genuss.

Im MOMA von New York, das Jahr 1936,
Legen­de erzählt von einer Ohn­macht im Raum,
Kunst und Kul­tur, ein poli­ti­scher Traum.
Meret Oppen­hei­mers Tas­se, ein küh­ner Mix, Sur­rea­lis­mus – nun auch in der Politik?

Welch Hor­ror, welch Elend – nein!
Sur­rea­lis­mus in der Poli­tik darf nicht sein!
Allein Han­nah Are­ndt Lec­tures garan­tie­ren Geleit
Durch das Jahr 2023 mit Pod­casts, Kunst durch die Zeit.

Die Codes der Welt, ver­stan­den im Verstand.

Flüs­te­re ich immer lau­ter: „It is the codes, stupid!“
Kunst und Poli­tik zie­hen in den dunk­len Abgrund
laSt­aem­pf­li im Text, ein Echo, im Klang
Poe­tisch ver­webt, im Algo­rith­mus gefang‘.
Brin­gen Lösun­gen, Klar­heit und Orientierung
Kul­tur, Lite­ra­tur, Expo­si­ti­on, Mei­nung und Bildung.

Viel Ver­gnü­gen im etwas ande­ren Kul­tur­jahr 2023 als laSt­aem­pf­li Version.

Bild: laSt­aem­pf­li schrei­tet ins Neue Jahr in der Aus­stel­lung von Mari­na Abra­mo­vic in London.

PS: Falls Sie sich an der Wie­der­ho­lung des Namens laSt­aem­pf­li stö­ren, füh­le ich mit ihnen. laSt­aem­pf­li ist im Blog nur des­halb so oft auf­ge­führt, weil, sie­he oben: It is the codes, stupid!

laSt­aem­pf­lis Janu­ar 2023: Untergang.

Auf Arte gab es im Janu­ar die neue Ver­si­on zum Unter­gang Roms. Ich sag ja immer: „Geschich­te ist nix ande­res als Poli­tik in kos­tü­mier­ter Form.“ Und, wen erstaunt es: 2023 war das Kli­ma dran. Rom, so ver­neh­men wir ARTE-Dok­u­n­erds, sei wegen Pan­de­mien und Kli­ma­wan­del unter­ge­gan­gen: Histo­ry als Ideo­lo­gie, echt jetzt? Kei­ne Scham, kei­ne Ver­pflich­tung zu Wahr­heits­su­che? Obwohl: Im 20. Jahr­hun­dert, mit­ten im Kal­ten Krieg, ging Rom laut dama­li­gen Doku­men­ta­tio­nen wegen man­geln­der reli­giö­ser und ideo­lo­gi­scher Stär­ke gegen­über der neu­en jüdi­schen Sek­te namens Chris­ten­tum unter. Dies als War­nung für die 1950er Zeit­ge­nos­sen, dass, wenn sie gegen die UdSSR ideo­lo­gi­sche Schwä­che zei­gen, sel­ber den Unter­gang her­bei­füh­ren. Im 19. Jahr­hun­dert ging Rom wegen sei­ner völ­li­gen Ver­kom­men­heit und Deka­denz unter. Die bür­ger­li­chen Zeit­ge­nos­sen konn­ten nicht genug krie­gen von den sog. per­ver­sen Wand­ma­le­rei­en von Pompeji.

Wie ist nun aber Rom WIRKLICH unter­ge­gan­gen? Ist ja klar. Durch Fake News, den Zer­fall der öffent­li­chen Ord­nung sowie die Pola­ri­sie­rung der Gesell­schaft und ja: Weil die Frau­en Roms dank Chris­ten­tum und des­sen ange­leg­ter Geschlech­ter­gleich­heit den Män­nern in Rom zeig­ten, wo Madon­na sitzt. Und das blü­hen­de Jahr­tau­send weib­li­cher Super­macht begann. Geschich­te als Poli­tik in kos­tü­mier­ter Form – sag ich doch…

Bild: Xenia Haus­ner Tahi­ti Pearls

laSt­aem­pf­lis Febru­ar 2023: Codier­te Fiktionen.

Sibyl­le Berg ist hier The­ma. Best­sel­ler­au­torin, DDR-Kampf­tau­che­rin, Über­le­ben­de eines lebens­be­droh­li­chen Crashs, Aus­nah­me­mensch: So berich­ten die Medi­en über die von SRF und Jan Böh­mer­mann gehät­schel­te Gewalt­fan­tastin. Wer ist sie aber wirk­lich? Am Valen­tins­tag outet sie sich: „#hun­de­kot. Das ist kein Angriff auf die Pres­se­frei­heit. Über­ra­gen­de Künst­ler sind Aus­nah­me­men­schen, sie dür­fen nicht alles aber shit hap­pens. #Mar­co­Go­e­cke ist einer der über­ra­gen­den Künst­ler in D – ihn zu ver­lie­ren wäre ein rie­si­ger Ver­lust – macht ne The­ra­pie, gebt euch die Hand.“ (Tipp­feh­ler, Ortho­gra­phie des Originaltweets.)

Um was ging es? Ach ja. Rich­tig! Der Aus­nah­me­künst­ler und Über­mensch Mar­co Goe­cke strich einer ganz nor­ma­len FAZ-Kri­ti­ke­rin Wieb­ke Hüs­ter die Scheis­se sei­nes von Assis­ten­tin­nen mit­zu­tra­gen­den Hundchens ins Gesicht. Ja klar, unschön, meint die Kul­tur­sze­ne, aber mal ganz ehr­lich? Muss man doch ver­ste­hen. Wenn eine Kri­ti­ke­rin die arme Künst­ler­see­le so ver­letzt? Da wehrt mann sich halt in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen ger­ne mal mit dafür in Tüt­chen gepack­ten Hundekot.

Spä­tes­tens im Febru­ar 2023 wuss­ten auf­ge­klär­te Demo­kra­tin­nen: Im Zeit­al­ter codier­ter Fik­tio­nen wer­den frü­her oder spä­ter auch Gewalt­ver­bre­chen ver­harm­lost. Wenn sie denn von Aus­nah­me­men­schen kom­men. Macht irgend­ein Nor­ma­lo ‚nen Scheiss – wie das fal­sche Kom­pli­ment am fal­schen Ort – dann bit­te sofort „Schwanz ab.“ 

Bild:minamjafari.com/act Ins­ta, Aus­schnitt foto­gra­fiert von laSt­aem­pf­li zu Frau, Leben, Frei­heit im Iran. 

laSt­aem­pf­lis März 2023: Denkmal.

März war der Monat der good News. Im Haupt­bahn­hof Zürich gab es das „Denk­mal für die unbe­kann­ten Künst­le­rin“ von Eli­sa­beth Eber­le und Ruth Righet­ti. Im Rah­men der Aus­stel­lung „Avan­ci­ne.“ 100 Werk­ideen hat eine unab­hän­gi­ge Jury gesich­tet und drei­ßig zur Grund­fi­gur aus­ge­stellt. Das „Denk­mal“ hul­digt gro­ße Künst­le­rin­nen, die von der Geschich­te igno­riert, ver­leum­det, ver­ges­sen und ver­drängt wer­den. „Sexis­ti­sche Ent­eig­nung“ nen­nen dies Isa­bel Roh­ner & Regu­la Stämpf­li in „Die Pod­cas­tin.“ Letz­te­res ein For­mat seit der Pan­de­mie 2020: Jede Woche poli­tisch prä­zi­se, der Wahr­heit und Wirk­lich­keit ver­pflich­tet, ein Uni­kat unter den deutsch­spra­chi­gen Laber­pod­casts, die von Män­nern ange­führt wer­den. Mar­kus Lanz und Richard David Precht bei­spiels­wei­se plau­dern über Femi­nis­mus oder Anti­se­mi­tis­mus ohne wesent­li­che Vor­kennt­nis­se und krie­gen dafür vom öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk eine Mil­li­on Euro pro Jahr.

Das „Denk­mal“ ist essen­ti­ell für Frau­en. Ein Gegen­stück zum: „Que­e­ring of Art“, das seit eini­gen Jah­ren an Kunst­uni­ver­si­tä­ten gelehrt wird. In die­sen wird behaup­tet, dass die wenig bekann­ten Frau­en der Welt­ge­schich­te, bio­lo­gisch gebo­re­ne Män­ner gewe­sen sei­en. Eliza­beth I., Jean­ne d’Arc oder die Hei­li­ge Aga­tha von Cata­nia –alles Trans­frau­en, echt jetzt? Die rei­nen und frau­en­ver­ach­ten­den Män­ner­theo­rien des 19. Jahr­hun­derts erle­ben über den Sprech­akt-Akti­vis­mus ein Revi­val. Was tun?: #Let­Wo­men­Speak, glo­bal und mäch­tig, unser aller Frau­en­be­we­gung, yes!

Bild: Regu­la Stämpf­li und Eli­sa­beth Eber­le (Künst­le­rin) vor dem neu im Kunst­haus Zürich aus­ge­stell­ten „Denk­mal“ von Eli­sa­beth Eber­le und Ruth Righetti.

laSt­aem­pf­lis April 2023: Super­yacht. Super­reich. Superblöd.

Wer Schu­len besetzt, sich in Muse­en an Bil­der klebt oder Fleisch­fres­ser Mör­der nennt, zele­briert in ers­ter Linie sich sel­ber, hält damit den Öko­zid lei­der nicht auf. Kli­ma, Gen­der, Meat sind klas­si­sche Codes der Gegen­wart, mil­lio­nen­fach geteilt, ohne wirk­li­chen Fort­schritt zu errei­chen. Der tie­fe Gra­ben zwi­schen Sym­bo­l­ak­ten und Wirk­lich­keit ist erschüt­ternd banal und zeigt Gegen­wart: auf der Stel­le dre­hen. X/Twitter, Tele­gram, Tik­Tok, Snap­chat, Insta­gram, Goog­le, Face­book u. a. sind fürch­ter­li­che CO2-Schleu­dern: Der Strom­be­darf einer x‑beliebigen Platt­form über­steigt schnell mal den einer mit­tel­gro­ßen Stadt. Dazu kommt: Die sel­te­nen Erden bedin­gen Gewin­nung, Abbau und Ver­trieb unter unmensch­lichs­ten Bedin­gun­gen. Das Gift, das in den Müll­de­po­nien von Apple, Goog­le, Face­book, Ama­zon, Micro­soft etc. in afri­ka­ni­schen Staa­ten pro­du­ziert und ent­sorgt wird, zer­stört Mensch und Natur. Davon wird kaum gere­det. Dabei fin­det, nur 106 Auto­stun­den ent­fernt, die Höl­le statt: Agbog­blo­shie (Gha­na), wo aus­ran­gier­te Tablets, Smart­phones und Com­pu­ter von Kin­der­hän­den sor­tiert wer­den. «Wel­co­me to Sodom – dein Smart­phone ist schon da» erzählt davon; gewann aber im Jahr 2018 kei­ne Oscar, kei­nen Bären, kei­nen Löwen, dies taten ande­re – soviel zu rele­van­ten Prei­sen und Dis­kur­sen. Des­halb habe ich für ensuite im April das Buch „Super­yach­ten“ von Gré­go­ry Salle rezen­siert. Ein Essay für Demo­kra­tie mit einem den Zei­len inne­woh­nen­den hei­li­gen bür­ger­recht­li­chen Zorn. Super­yach­ten inkar­nie­ren rohe Macht, Gewalt und Hier­ar­chie: Sie sind nicht der Gip­fel des Sys­tems, sie sind das Sys­tem. Sie sind nur da, um Müll zu pro­du­zie­ren: Müll gegen Demo­kra­tien und rechts­staat­li­che Prin­zi­pi­en, Müll in den Bou­le­vard­me­di­en, Müll in den Män­ner­ma­ga­zi­nen, Müll gegen die Gleich­stel­lung, Müll in den Atol­len, Koral­len­rif­fen und See­gras­bän­ken. Der Rest der Welt brennt wegen der Super­yach­ten, und Jan Böh­mer­mann et. al. ver­nich­ten bekann­te Femi­nis­tin­nen, als wären die­se am Unter­gang der Welt schuld. Der Krieg der Rus­sen gegen die Ukrai­ne bspw. könn­te pro­pa­gan­dis­tisch schon längst gewon­nen wer­den, wür­de das rus­si­sche Volk von den Super­yach­ten sei­ner Herr­scher en détail und täg­lich erfah­ren. Wäh­rend die eige­nen Söh­ne auf den mat­schi­gen oder eisi­gen Schlacht­fel­dern der Ukrai­ne hin­ge­rich­tet wer­den, ver­ste­cken die Ideo­lo­gen zu Hau­se dank west­li­chen Anwäl­ten den Reich­tum des rus­si­schen Vol­kes. Russ­lands Blut wird für das Wei­ter­be­stehen der neu­en Zaren ver­gos­sen, nicht für die eige­ne Nati­on. Wer das Kli­ma wirk­lich ret­ten will, greift kei­ne demo­kra­ti­schen Insti­tu­tio­nen, son­dern den Kern der den Öko­zid pro­du­zie­ren­den Herr­scher an: Wes­halb nicht bei den Super­yach­ten begin­nen? «Wenn der Rest der Welt erfährt, wie es ist, auf einer Yacht zu leben, wird man die Guil­lo­ti­ne wie­der hervorholen.»

Bild von laSt­aem­pf­li copy­right 2023, publi­ziert in ensuite: Ceci n’ést pas diversité.

laSt­aem­pf­lis Mai 2023: “Gain of Func­tion” Ver­bot NOW.

Ein im Labor fabri­zier­tes hoch­ge­fähr­li­ches Virus legt die gesam­te Welt lahm und nie­mand spricht dar­über. Sie­ben Mil­lio­nen gemäss WHO (deren Rol­le seit Covid 19 äus­serst suspekt ist), der „Eco­no­mist“ zählt 20 Mil­lio­nen Tote. Dabei brau­chen unse­re west­li­chen Demo­kra­tien Infor­ma­tio­nen. Denn dass ein Virus im Labor kre­iert und über die Welt ver­brei­tet wird – die Unter­su­chun­gen ver­wei­sen auf die inter­na­tio­na­le Mili­tär­kon­fe­renz in Wuhan im Okto­ber 2019 – muss his­to­risch ver­ar­bei­tet wer­den. Denn das Virus kommt nicht per Zufall aus der Volks­re­pu­blik Chi­na, son­dern weil dort die brand­ge­fähr­li­che For­schung der „Gain of Func­tion“ wei­ter betrie­ben wird. Die USA haben dar­auf ein Memo­ran­dum gesetzt, aus gesund­heits­po­li­ti­schen Grün­den, weil eben die­se For­schung den Bestand der Mensch­heit gefähr­den kann.

Das bes­te Buch zum The­ma schaff­te es nicht nach Euro­pa, nicht in unse­re Bil­dungs- und Infor­ma­ti­ons­ka­nä­le. «Viral. The Search for the Ori­gin of Covid-19» von Ali­na Chan und Matt Rid­ley emp­feh­le ich des­halb erneut. Nicht zuletzt, weil im Buch nach­ge­wie­sen wird, wie Face­book, Goog­le und Twit­ter VOR Elon Musk, den Begriff „Lab Leak“ ein­fach von den Such­be­grif­fen gelöscht haben. Ali­na Chan ist preis­ge­krön­te Mole­ku­lar­bio­lo­gin mit umfang­rei­chen Publi­ka­tio­nen zu Viren, Gene­tik und Sequencing/Crispr. In «Viral» zeich­net sie einer Gerichts­me­di­zi­ne­rin ähn­lich, die einen kom­pli­zier­ten Fall auf ihrem Lei­chen­tisch hat, die Ent­wick­lung von Covid-19, die «Gain of Function»-Forschung (GOF) sowie die inter­na­tio­na­len und chi­ne­si­schen Ver­schleie­rungs­ver­su­che nach. In unzäh­li­gen Inter­views, mit rie­si­gen Daten­men­gen sowie einer exzel­len­ten Time­line doku­men­tiert «Viral» nicht nur die «Lab Leak»-Theorie, son­dern auch die fürch­ter­lich kor­rup­te Geschich­te der «Gain of Function»-Forschung. Helft alle mit, ähn­lich der Anti-Atom­be­we­gung von damals, die mensch­heits­ge­fähr­den­de For­schung zur „Gain of Func­tion“ an Viren welt­weit zu ächten.

Bild: Mal­gorza­ta Cho­d­a­kows­ka Skulp­tur, foto­gra­fiert vom Netz von Regu­la Stämpfli. 

laSt­aem­pf­lis Juni 2023: Resi­li­enz und Resonanz.

Am 4. Juli hielt ich am Swiss Tele­com­mu­ni­ca­ti­on Sum­mit einen Kurz­vor­trag zum The­ma: „Resi­li­enz in einer hoch­tech­no­lo­gi­sier­ten Demo­kra­tie.“ Die The­sen fin­den sich auf https://regulastaempfli.eu/?p=10119 Vor­be­rei­tet hat­te ich mich in mei­ner Artist Resi­dence in Island – wo ich einen Monat bei der gros­sen Künst­le­rin Hul­da Vil­h­jáls­dót­tir @huldavil ver­brin­gen durf­te. In Island ver­fass­te ich dazu auch fol­gen­des Gedicht:

Vom Daten­loch zur Resonanz

Reso­nanz zulassen,
unse­re Taten von Codes abwenden.
Respek­tie­ren wir unser Sein,
unse­re Wür­de, unser aller Leben.
Denn nur so kön­nen wir wah­ren Fort­schritt erstreben.

Fra­gen wir die Tiere,
sie tra­gen die Ant­wort schon längst in sich.
Sie leh­ren uns Demut und Mitgefühl,
ohne Schnick­schnack und Kitsch.

Denn Lie­be und Demokratie
erwa­chen nicht durch Zah­len und Strom,
sie leben im Mit­ge­fühl, der Spra­che und dem Traum.
Sie benö­ti­gen eine gemein­sa­me Welt
ohne codier­tes Gewicht,
vol­ler Leben­dig­keit des Da-Seins,
ohne böse Schat­ten des digi­ta­len Lichts.
Nein, Demo­kra­tie erwacht nicht durch Steckdosen
sie wächst allein durch Reso­nanz und Pflicht.

Bild von Hul­da Vil­jhi­als­dot­tir, foto­gra­fiert im Resi­denz­zim­mer von laStaempfli

laSt­aem­pf­lis Juli/August: MediaToo.

Die Bom­be platz­te am 24. August 2023 und seit­dem hört man nichts mehr. Sechs Frau­en wer­fen einem der links­ten Star­jour­na­lis­ten der „Repu­blik“ sexu­el­le Beläs­ti­gung, Ein­schüch­te­rung und Macht­miss­brauch vor. Ich sel­ber woll­te mich bei der Unter­su­chung gegen den Jour­na­lis­ten, damals als er noch bei der WOZ arbei­te­te, betei­li­gen, doch die Män­ner der WOZ – die ehe­ma­li­ge Che­fin des Star­re­por­ters ist ein hohes Tier beim Schwei­zer Pres­se­rat – ver­wei­ger­ten mir den Zugang und mein­ten: Es gin­ge nur um Über­grif­fe sexu­el­ler Natur und wäh­rend des Arbeits­ver­hält­nis­ses, resp. es beträf­te nur die Auf­sichts­pflicht der Chefredaktion.

I mean: Wir reden hier von den Blät­tern, die mit­tels WOKE-Atta­cken gegen Frau­en, für Men­schen­fleisch­ver­kauf in der Pro­sti­tu­ti­on, für die digi­ta­le Het­ze gegen Femi­nis­tin­nen, die sich gegen Sprech­akt­dik­ta­to­rin­nen weh­ren, ein­set­zen, die Arti­kel um Arti­kel publi­zie­ren, um die Frau­en­be­we­gung, die Demo­kra­tie, den Wes­ten, den gesam­ten geis­tes­ge­schicht­li­chen Kanon auf den Müll­hau­fen post­ko­lo­nia­ler Neu­herr­schaft zu wer­fen. Also aus­ge­rech­net die­se Blät­ter wol­len sich strik­te in den unan­ge­neh­men Ange­le­gen­hei­ten nur auf die „Auf­sichts­pflicht“ beschränken?

Media­Too ist in der Schweiz ein Kava­liers­de­likt, wenn über­haupt. Frau­en wer­den bedroht, ein­ge­schüch­tert, ver­lie­ren den Job, sie wer­den sexis­tisch durch Nicht-Rezen­sio­nen, Unsicht­bar­keit und Stern­chen der Spra­che beraubt; sie wer­den sogar ver­ge­wal­tigt – aber Kon­se­quen­zen hat dies kei­ne: höchs­tens für die Frauen.

Ich gab im Janu­ar 2023 ein Pro­jekt zu die­ser Fra­ge ein – geför­dert wur­de ein Kunst­ma­ler für unter­ir­disch viel Geld. Pro Hel­ve­tia ist DIE MÄCHTIGSTE Schwei­zer Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on mit einem Jah­res­bud­get – ein­at­men – von 45,8 Mil­lio­nen Fran­ken – aus­at­men. Der Auf­ga­ben­be­reich besteht in der Erhal­tung und Wah­rung der kul­tu­rel­len Eigen­art des Lan­des, Kunst­ver­mitt­lung, den Kunst­bi­en­na­len, inter­na­tio­na­len Buch­mes­sen etc. 1939 wur­de die Orga­ni­sa­ti­on für die „Geis­ti­ge Lan­des­ver­tei­di­gung“ gegrün­det, mit dem Start­ka­pi­tal aus der Frau­en­spen­de von 1915 von über einer Mil­li­on Fran­ken. Der Pro Hel­ve­tia stand noch NIE EINE FRAU vor (ein­mal, ad inte­rim, also nicht ordent­lich: 2016–17). Das Bun­des­geld ist viel zu rele­vant, um eine Frau zu bestel­len, nicht wahr? „Akte Son­nen­kö­nig: Die Eska­pa­den des Pro-Hel­ve­tia-Direk­tors Phil­ip­pe Bischof.“(NZZ Maga­zin vom 16.12.2023) Phil­ip­pe Bischof hat, laut Arti­kel, eine frü­he Lei­te­rin des Büro Mos­kau von Pro-Hel­ve­tia zu sei­ner Lebens­part­ne­rin gemacht, und ihr einen fet­ten Job ver­mit­telt: In der Zen­tra­le. Dort wur­de mit Schwei­zer Steu­er­gel­dern ein pro-rus­si­scher Kurs – dies nach dem Ukrai­ne­krieg! – gefah­ren; eine Putin-Künst­le­rin sogar exklu­siv unter­stützt. Nett, nicht wahr? Der Direk­tor sel­ber hat kein abge­schlos­se­nes Stu­di­um – kein Wun­der hören die Frau­en mit drei Dok­tor­ti­teln immer, sie sei­en für den Job über­qua­li­fi­ziert, wenn es in der Schweiz reicht, den rich­ti­gen Kum­pel in der Bun­des­ver­wal­tung zu ken­nen, um über 350.000 Fran­ken pro Jahr zu ver­die­nen. Kon­se­quen­zen in die­sem Skan­dal? Kei­ne. Der Direk­tor bezieht bis Som­mer 2025 sei­nen Lohn, was mit dem Pos­ten wei­ter pas­siert, kei­ne Ahnung, denn die Web­sei­te befin­det sich im War­tungs­zu­stand. Ach ja: Bun­des­rat Ber­set hat sei­nen inti­men Freun­din­nen und Freun­den, mit Akkla­ma­ti­on durch den Gesamt­bun­des­rat, zwei wei­te­re fet­te Pos­ten in der öffent­li­chen Ver­wal­tung ver­mit­telt. Skan­dal? #Bue­ro­kra­tie­Too? Fehlanzeige.

Ach ja, noch ein Zücker­chen zum Som­mer­schluss von 2023: Der Ver­lag Rin­gier trenn­te sich von Chris­ti­an Dorer wegen unge­klär­ten Vor­fäl­len, Män­ner betref­fend, und von Wer­ner de Schep­per, unge­klär­te Vor­fäl­le Frau­en betref­fend. Chris­ti­an Dorer ist neu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chef Migros-Genos­sen­schafts­bund und Wer­ner de Schep­per wird neu Blatt­ma­cher in Biel beim Medi­en­haus Gas­s­mann. Wel­chen Job wohl der Star­re­por­ter der „Repu­blik“ in Schwei­zer Medi­en kriegt?

Bild: Kaf­ka-Aus­stel­lung in der Vil­la Stuck, schlecht foto­gra­fier­tes Zitat von Kaf­ka durch laStaempfli.

laSt­aem­pf­lis Sep­tem­ber: Mitläufer.

Sie­ger­jour­na­lis­mus bleibt der Hit, auch im Jahr 2023. Es gab einen Roman, der die Reprä­sen­ta­ti­ons­lust der Jour­na­lis­ten auf Kos­ten von Recher­che, etwas in Fra­ge stell­te, doch nach einer ers­ten Auf­re­gung war alles viel zu schnell vor­bei. Nicht ein­mal in den Jah­res-Rück­blick des Feuil­le­tons schaff­te es: „Noch wach?“ von Stuck­rad-Bar­re. Der Roman wur­de mit dem The­ma „Me-Too“ bewor­ben, was eigent­lich nicht stimmt. Wer wirk­lich einen Me-Too-Roman will, lese Chi­ma­man­da Ngo­zi Adi­chie „Ame­ri­ca­nah“, Mary Adkins „Das Pri­vi­leg“ oder Vanes­sa Spring­o­ra „Die Ein­wil­li­gung.“ „She Said“ – der Film zur Akte Har­vey Wein­stein ist auch ein Muss, es ist wirk­lich ein umwer­fend guter Film zum The­ma und die Mecha­nis­men des Sie­ger­jour­na­lis­mus – vom deut­schen Feuil­le­ton wirk­lich sträf­lich ver­nach­läs­sigt. „Noch wach?“ ist DER SCHLÜSSELROMAN des arche­ty­pi­schen Mit­läu­fers des 21. Jahr­hun­derts. Es ist die sub­til-bos­haf­te Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen mäch­ti­gen Ver­le­ger und unsi­che­ren Künst­ler – ein Sit­ten­ge­mäl­de der beson­de­ren Art. Eine per­fek­te Mischung von Per­so­na­li­ty-Infor­ma­ti­on und selbst­re­fe­ren­zi­el­ler Beob­ach­tung in Zei­ten der Kul­tur­krie­ge und popu­lis­ti­schen Ver­kür­zun­gen. Der Roman zeigt, was ist: Män­ner ficken Frau­en, Män­ner erhö­hen Frau­en zu Musen, Män­ner gebrau­chen Frau­en, Män­ner schwän­gern Frau­en, Män­ner geben vor, Frau­en zu lie­ben, doch die Wirk­lich­keit? Die dreht sich nur um Män­ner unter Män­nern (Brunft­zei­ten ausgenommen).

Frau­en müs­sen sich sel­ber lie­ben: Sel­fie im Kunst­werk der gros­sen Loui­se Dei­nin­ger, von laSt­aem­pf­li fotografiert.

laSt­aem­pf­lis Okto­ber: Pogrom.

Das Wort stammt aus dem Rus­si­schen und bedeu­tet: Ver­wüs­tung, Zer­stö­rung; es ist ein Begriff, ethy­mo­lo­gisch ver­wandt mit grimm. Pogrom steht für Het­ze, gewalt­tä­ti­ge Angrif­fe gegen Leben und Besitz von Juden und Jüdin­nen. Unter Zar Niko­las I. wur­den „Nütz­li­che“ und „Nutz­lo­se“ defi­niert. Die Pogro­me an Juden und Jüdin­nen von 1881 bis 1884 fan­den im süd­li­chen Russ­land, in Kiew bspw. statt und führ­ten zur Flucht von Hun­dert­tau­sen­den von jüdi­schen Men­schen in die Welt. Bis zur Staa­ten­grün­dung 1948 wur­den in den unter­schied­li­chen Pogro­men in der ara­bi­schen und natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Welt meh­re­re Mil­lio­nen Jüdin­nen und Juden ermor­det; die Über­le­ben­den über­all auf dem Glo­bus ver­streut, wo sie in Abstän­den wie­der und wie­der ver­nich­tet und ver­trie­ben wur­den. Kolo­nia­lis­ten kön­nen ihre Kolo­nien ver­las­sen und in ihr kolo­nia­les Hei­mat­land zurück­keh­ren. Juden kön­nen nir­gend­wo hin: Außer eben in ihren Staat Isra­el, der genau zu die­sem Zweck gegrün­det wur­de, näm­lich um sie vor den Folter‑, Ver­ge­wal­ti­gungs- und Mord­or­gi­en durch Nicht-Juden zu retten.

Am 7. Okto­ber ver­nich­te­ten blut­rüns­ti­ge Mör­der­trup­pen mit der Unter­stüt­zung „ihres“ Vol­kes, eine Erfin­dung der anti­se­mi­ti­schen Bri­ten und juden­has­sen­den Ara­ber übri­gens, 1200 Men­schen im Live­stream. Sie fol­ter­ten en mas­se Babys, Frau­en und Män­ner und ver­nich­te­ten in einer unfass­ba­ren Gewalt­or­gie, tan­zen­de und fei­ern­de Wokie-Men­schen einer pro Zwei­staa­ten-Lösung, in den frü­hen Mor­gen­stun­den eines Festivals.

Und was geschah? Gemein­sam mit Hamas­brü­dern ver­teil­ten Lin­ke, Intel­lek­tu­el­le, Stu­dis von Har­vard, MIT, Stand­ford et al Süs­sig­kei­ten, offe­ne Brie­fe, Arti­kel in der „Die Zeit“, um das zu fei­ern, was nie hät­te pas­sie­ren dür­fen: Der größ­te Mas­sen­mord seit dem Holocaust.

Ich habe seit­dem Fami­li­en­mit­glie­der, Freun­din­nen und Freun­de und Geschäfts­part­ner verloren.

Just bring them home and let the ongo­ing night­ma­re pass.

Bild: Die lee­ren Kin­der­wa­gen auf dem Wie­ner Ste­phans­platz mit Bil­dern der von den anti­se­mi­ti­schen Ter­ror-Bar­ba­ren ent­führ­ten israe­li­schen Kin­der. für die gekid­napp­ten israe­li­schen Kin­der, foto­gra­fiert von Regu­la Stämpf­li im Netz, da das eige­ne Bild nicht brauch­bar war – von Trä­nen verschmiert.

laSt­aem­pf­lis November/Dezember: Wie es dazu kam.

Die Fes­seln der Mensch­heit sind in Codes geschrie­ben. Ent­stan­den ist dadurch die neue „Reichs­kul­tur­kam­mer“ im 21. Jahr­hun­dert – Sie erin­nern sich: Das war das Minis­te­ri­um unter Goeb­bels von 1935–45. Es orga­ni­sier­te die Aus­lö­schung der Erin­ne­rung an alles Jüdi­sche, Men­schen inklu­si­ve. Die neue Reichs­kul­tur­kam­mer heißt „BDS – Boycott.Disinvest.Sanctions. Von einem rei­chen second gene­ra­ti­on Katar-Pal­es­ti­ni­an Mann 2009 ins Leben geru­fen, von allen nam­haf­ten Intel­lek­tu­el­len, Künst­le­rin­nen und Buch­au­torin­nen unse­rer Zeit im Wes­ten geför­dert, unter­stützt und auch nach dem 7. Okto­ber aktiv. Die Lei­chen waren noch gar nicht alle gefun­den als sie von Wahn geschla­gen schrie­en: „Lasst ja kei­ne Isla­mo­pho­bie ent­ste­hen.“ Woher denn? Was kam und blieb ist ein gras­sie­ren­der Anti­se­mi­tis­mus, der mir das Blut in den Adern gefrie­ren lässt. BDS hat gan­ze Arbeit in Kul­tur, Medi­en und an den Uni­ver­si­tä­ten geleis­tet. Die Vari­an­te des „Kauft nicht bei Juden“ – zu Recht vom Deut­schen Bun­des­tag in einer über­par­tei­li­chen Beschluss 2019 ver­ur­teilt – war der Vor­bo­te. Wie mein­te Han­nah Are­ndt doch ein­mal sinn­ge­mäß? Zu Hit­ler fie­len den Deut­schen ganz unglaub­li­che Din­ge ein. Well: Zu Hamas und dem Isla­mo­fa­schis­mus fal­len ganz engen Freun­din­nen und Freun­den von mir ganz unglaub­li­che Din­ge ein. The codes und deren Tumb­lr-Opfer­wahn­sinn ist nicht mehr zu entkommen.

Von Geburt an ins Daten­kor­sett geschürt 

Falsch erzählt, ist die Demo­kra­tie schnell gekreuzigt.
Ein Schlei­er der Täuschung,
der mit der Wahr­heit irre geht
die Welt simu­liert und betrügt.

Was einst frei gedacht,
gelebt in Viel­falt und Macht,
wird geschickt den Codes unterworfen,
in all ihrer digi­ta­len Pracht.

Der bar­ba­ri­sche Nexus ver­birgt sich,
äus­serst clever,
im codier­ten Stre­ben nach Mehrheit,
whoe­ver and whe­re ever.

Der Mensch in der Ferne,
in digi­ta­ler Ent­frem­dung und Distanz.
Ein Tas­ten- und Wisch­ver­hält­nis im tota­li­tä­ren Firlefanz.
POST (demo­kra­tisch, femi­nis­tisch, mate­ria­lis­tisch) als Sein,
ein­ze­men­tiert in Algo­rith­men, tota­li­tär ver­lo­ren im Schein.

Ver­las­sen­heit als neu berech­ne­te Wirklichkeit.

Bild: It Hurts with a Scis­sor 1974-196 von Kiki Kogel­nik, schlecht foto­gra­fiert von laStaempfli.