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Kul­tur­stadt Bern. Grob­kon­zept: Grund­la­gen für ein neu­es Kul­tur­kon­zept 2016 – 2019

Vor­wort / Übersicht
Wer ist und was will die Ber­ner Kulturkonferenz?

Es gab vie­le Grün­de, die dazu führ­ten, dass wir uns zu einer Ber­ner Kul­tur­kon­fe­renz ent­schie­den haben. Seit Jah­ren wird aus der Kul­tur und der Poli­tik ein Kul­tur­kon­zept gefor­dert. Nichts ist pas­siert. Die Sor­gen der Kul­tur­sze­ne um die Zukunft wuch­sen spür­bar an. Die Stadt hat die Kul­tur­schaf­fen­den auf­ge­for­dert, sich aktiv für ein neu­es Kul­tur-Leit­bild ein­zu­set­zen. Hier sind wir!
Wir sind aus der Ber­ner Kul­tur­sze­ne her­aus gewach­sen und sehen uns als eine freie Initia­ti­ve und Orga­ni­sa­ti­on, um den inhalt­li­chen Dia­log inner­halb der Kul­tur­sze­ne, aber auch die öffent­li­che Debat­te über die gesell­schaft­li­che Funk­ti­on der Kul­tur, zu för­dern. Dabei möch­ten wir nicht bestehen­de Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen kon­kur­rie­ren, son­dern die­se viel­mehr ergän­zen und unter­stüt­zen. Wir sehen uns als Dreh­schei­be, um die Sze­ne über die jewei­li­gen Spar­ten und Häu­ser hin­aus zusam­men­zu­brin­gen und span­nen­de Denk­an­stös­se für die Zukunft der Kul­tur­stadt Bern zu koordinieren.
Am 6. März 2014 führ­ten wir in der Aula des PROGR die ers­te Kul­tur­kon­fe­renz durch. Sie wur­de von gut 200 Men­schen aus der Kul­tur­sze­ne, der Poli­tik, der Ver­wal­tung und der Wirt­schaft besucht. Aus der Kul­tur­kon­fe­renz gin­gen Fach­grup­pen her­vor, die in den ver­gan­ge­nen Mona­ten für ihren jewei­li­gen Bereich Kon­zept­pa­pie­re aus­ge­ar­bei­tet haben (ab Sei­te 5; Bestand und Aus­blick). Die vor­lie­gen­de Mate­ria­li­en­samm­lung für ein künf­ti­ges Ber­ner Kul­tur­kon­zept ver­mit­telt vor­nehm­lich einen «Blick von unten». Vor allem die freie Sze­ne hat sich enga­giert, die gros­sen Häu­ser und Insti­tu­tio­nen haben sich gröss­ten­teils zurück gehalten.

Kul­tur­stadt ohne Konzept
Kul­tur­stra­te­gie, Kul­tur­leit­bild, Kul­tur­kon­zept – die­se Begrif­fe ste­hen für das Glei­che: ein Instru­men­ta­ri­um, wel­ches ver­bind­lich Richt­li­ni­en und damit für alle ein­seh­bar Grund­la­gen für Ent­schei­dun­gen in kul­tu­rel­len Fra­gen fest­legt. Die Stadt muss ihre Ent­schei­dun­gen begrün­den – sie muss Rechen­schaft able­gen der Poli­tik und der Bevöl­ke­rung gegen­über. Die­se Ver­wal­tungs­tä­tig­keit kann nur erfüllt wer­den, wenn ein Plan vor­han­den ist, ein Bud­get, ein Ziel. Die­se Zie­le soll die Stadt jeweils neu defi­nie­ren und begrün­den – im Nor­mal­fall alle vier Jah­re, ent­spre­chend den Ver­trä­gen und Subventionsperioden.
Eine kul­tu­rel­le Ent­wick­lung muss lau­fend ana­ly­siert, geprüft und ver­än­dert wer­den. Erst, wenn wir wis­sen, wel­che gemein­sa­men Zie­le wir anstre­ben, kön­nen wir den Ruck­sack ent­spre­chend packen und die Rei­se antre­ten. Aus die­sem Grund setz­te die Ber­ner Kul­tur­kon­fe­renz das Mot­to: «Es geht um Inhalt. Es geht nicht um Geld.» Zuerst die Inhal­te defi­nie­ren, dann über das Geld spre­chen. Im Zuge der rigo­ro­sen Spar­mass­nah­men auf allen poli­ti­schen Ebe­nen scheint sich die Rei­hen­fol­ge in den letz­ten Jah­ren gekehrt zu haben.
Zur Zeit gibt es kein gül­ti­ges Kon­zept in Bern. Und es gibt sei­tens der Stadt auch kei­ne Anzei­chen dafür, dass ein sol­ches in Auf­trag gege­ben wer­den soll. Hin­sicht­lich der Erneue­rung der Leis­tungs­ver­trä­ge hat die Stadt Ende Juni eine «Vier­jah­res­pla­nung» für die Jah­re 2016–2019 vor­ge­legt und in die Ver­nehm­las­sung geschickt, die neben den kon­kre­ten Anga­ben zum künf­ti­gen Ver­teil­schlüs­sel ein paar vage stra­te­gi­sche Absichts­er­klä­run­gen ent­hält. Eine gros­se Debat­te dar­über wird nicht mehr statt­fin­den kön­nen, die Zeit drängt: die Ver­trä­ge müs­sen, bevor sie Anfang 2016 in Kraft tre­ten, noch von Par­la­ment und Volk bestä­tigt wer­den. Die neu­en, so genannt tri­par­ti­ten Ver­trä­ge, die von Stand­ort­ge­mein­de, Regi­on und Kan­ton getra­gen wer­den, sind bei den Gemein­den noch in Ver­nehm­las­sung – mit bis jetzt sehr offe­nem Ausgang.
Die bis­he­ri­ge Dis­kus­si­on über die neue Ver­trags­pe­ri­ode ver­lief fast aus­schliess­lich auf der Ebe­ne der Insti­tu­tio­nen. Doch die Kul­tur­sze­ne von Stadt, Regi­on und Kan­ton Bern lebt von unend­lich vie­len klei­nen, oft schlecht bezahl­ten oder unent­gelt­lich geleis­te­ten Enga­ge­ments, die das viel­fäl­ti­ge Kul­tur­ange­bot erst mög­lich machen und nach­hal­tig prä­gen. Mit der Kul­tur­kon­fe­renz ver­su­chen wir, auch die­sen Stim­men Gehör zu verschaffen.

Die Viel­falt erhalten
Die von den Fach­grup­pen erar­bei­te­ten Grund­la­gen für ein neu­es Kul­tur­kon­zept sind ein Dis­kus­si­ons­bei­trag aus der Kul­tur­sze­ne. Es braucht in Bern end­lich einen offe­nen Dia­log, in den sich alle Sei­ten part­ner­schaft­lich ein­brin­gen kön­nen. Wird er aus­ge­schla­gen, hat das mit­tel­fris­tig fata­le Kon­se­quen­zen für das gan­ze Ber­ner Kul­tur­schaf­fen. Die­ses lebt von der Brei­te, von der enor­men Viel­falt, von den Nischen. Die­se Viel­falt ist in Euro­pa einzigartig!
Die Kul­tur­kon­fe­renz eröff­net den Dia­log. Sie bie­tet sich Inter­es­sier­ten aus Kul­tur, Poli­tik, Wirt­schaft und Gewer­be sowie den zustän­di­gen städ­ti­schen Stel­len als Gesprächs­part­ne­rin an. Die vor­lie­gen­de Mate­ria­li­en­samm­lung rei­chen wir – obwohl offi­zi­ell dazu nicht ein­ge­la­den – als Ant­wort bei der heu­te ablau­fen­den Ver­nehm­las­sung zur städ­ti­schen Kul­tur­för­de­rung 2016–2019 ein.
Wir dan­ken allen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern der Fach­grup­pen ganz herz­lich für ihr Enga­ge­ment. Sie haben es – selbst­re­dend ehren­amt­lich – für die Ber­ner Kul­tur gemacht, nicht für höhe­re Subventionsbezüge.

Bern, 28. August 2014
Die Ber­ner Kulturkonferenz
Caro­la Ert­le, Kunst­ach­se, videokunst.ch
Bern­hard Giger, Jour­na­list, Fil­me­ma­cher, Lei­ter Korn­haus­fo­rum Bern
Lukas Vogel­sang, inter­werk gmbh, Chef­re­dak­tor ensuite


Down­load: Grund­la­gen für ein neu­es Kulturkonzept

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 141, Sep­tem­ber 2014