Kul­tur­pres­se­schau: Die Dra­men des Kulturbetriebs

Von

|

Drucken

By Lukas Mey­er

Das deutsch­spra­chi­ge Feuil­le­ton beschäf­ti­ge sich nur noch mit den Dra­men des Kul­tur­be­triebs, aber nicht mehr mit der Kunst an sich, moniert Alex Brüg­ge­mann im «Frei­tag». Als Bei­spiel dient ihm der Fall Suhr­kamp und des­sen end­lo­ses Hin und Her, das von den Kul­tur­jour­na­lis­ten ger­ne auf­ge­nom­men wird. Es stimmt ja: Nicht erst seit den jüngs­ten juris­ti­schen und betriebs­wirt­schaft­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen um den Ver­lag liest man mehr über inter­ne Que­re­len und Nach­fol­ge­strei­tig­kei­ten als über die intel­lek­tu­el­len und künst­le­ri­schen Leis­tun­gen der Autoren. Für die sieht der Jour­na­list nur eine Mög­lich­keit: «Um im Feuil­le­ton anzu­kom­men, set­zen Kul­tur­schaf­fen­de nicht mehr auf die Kraft der Wor­te, der Musik oder der Bil­der – sie müs­sen sich selbst als Dra­ma inszenieren.»

*

Trotz eini­ger schlech­ter Erfah­run­gen mit Kri­tik hat Gei­ger Dani­el Hope die Hoff­nung noch nicht ganz ver­lo­ren, dies gemäss sei­nen Aus­sa­gen in «Cice­ro». Er habe immer wie­der von guten Kri­ti­ken pro­fi­tiert, obwohl die­se lei­der die Aus­nah­me gewor­den sei­en. Doch hat er auch Mit­leid mit sei­nen Rezen­sen­ten: «Und mit dem Inter­net-Blog­ging scheint der Sofa-Kri­ti­ker end­gül­tig eta­bliert zu sein. Jetzt muss sich der Rezen­sent sogar vor der gan­zen Welt ver­tei­di­gen: Es ist nur eine Fra­ge der Zeit, bis er sel­ber im Netz beur­teilt wird. Die Spiel­re­geln ändern sich.»

*

Mit dem Kunst­kri­ti­ker setzt sich Fritz Bil­le­ter, ehe­ma­li­ger Kul­tur­re­dak­tor des «Tages-Anzei­gers», aus­ein­an­der. In sei­nem – online lei­der nicht ver­füg­ba­ren – Text in «Das Maga­zin» (Aus­ga­be 23/2013) meint er, der Kri­ti­ker sei zum Die­ner ver­kom­men. Die meis­ten wür­den lie­ber neu­tral blei­ben, was fatal sei: «Die­se Vor­sicht, kein Risi­ko eines Urteils auf sich zu neh­men, ver­dient nicht, als Kunst­kri­tik bezeich­net zu wer­den.» Aller­dings sieht er die Kunst­kri­ti­ker momen­tan in einer schwie­ri­gen Lage: Unter dem Ein­fluss von post­mo­der­nem «ever­y­thing goes» und den neu­en Tech­ni­ken des digi­ta­len Zeit­al­ters sei ein «neu­es künst­le­ri­sches Para­dig­ma» – und damit die Mög­lich­keit zu einer grif­fi­gen Beur­tei­lung – erst in Ent­ste­hung begriffen.

*

Die Spra­che des Kunst­be­trie­bes macht es den dar­über Berich­ten­den auch wirk­lich nicht ein­fach, wie die Kri­tik des «Inter­na­tio­nal Art Eng­lish» (kurz «IAE») von Alix Rule und David Levi­ne zeigt (auf deutsch in der letz­ten Aus­ga­be des «Mer­kur» erschie­nen, online nicht ver­füg­bar). Sie kon­sta­tie­ren im «Revier der Kura­to­ren», wie eine Bespre­chung der Vene­di­ger Bien­na­le über­schrie­ben ist, eine immer noch von Lacan, Fou­cault & Co. gepräg­te Spra­che, die eigent­lich nie­mand so rich­tig ver­steht. Ob das nun ein nivel­lie­ren­der Duk­tus von Nicht-Mut­ter­sprach­lern ist oder doch eher die Wer­be­spra­che des glo­ba­li­sier­ten Kunst­mark­tes, bleibt unklar, wie auch Peter Rich­ter in der «Süd­deut­schen Zei­tung» kom­men­tiert. Das renom­mier­te Kunst­ma­ga­zin «Frie­ze» will etwas dage­gen tun und sucht mit dem «Frie­ze Writer’s Pri­ze» neue Talen­te im Bereich der Kunstkritik.

*

Die tech­ni­schen Grund­la­gen von Lite­ra­tur und Kunst waren eines der Haupt­the­men des vor zwei Jah­ren ver­stor­be­nen Fried­rich Kitt­ler – der Suhr­kamp-Ver­lag bringt gera­de eine neue Samm­lung mit den wich­tigs­ten Tex­ten des Medi­en­theo­re­ti­kers her­aus. Dazu passt die­ser Text auf Netz­wer­tig über Word­Press – das auch Kulturkritik.ch antreibt – aus Anlass des 10. Geburts­ta­ges des Blog-Anbie­ters: «Die Bedeu­tung von Word­Press für die Medi­en­land­schaft ist nicht zu unter­schät­zen. Das Sys­tem hat vie­len ein­zel­nen Blog­gern oder gan­zen Unter­neh­men in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren die Mög­lich­keit gege­ben, dyna­mi­schen Con­tent so ein­fach wie nie zu ver­öf­fent­li­chen und ihn zu mone­ta­ri­sie­ren. Auch inhalt­lich haben Word­Press-Blogs auf den Jou­na­lis­mus eingewirkt.»

*

Haben Sie die­sen Text zu Ende gele­sen? Damit gehö­ren Sie zu einer Min­der­heit, denn ziem­lich vie­le Online-Tex­te wer­den erwie­se­ner­mas­sen nicht bis zum Schluss gele­sen. War­um das so ist, und war­um es sich meis­tens lohnt durch­zu­hal­ten, erklärt Far­had Man­joo auf Slate.com.

: http://www.kulturkritik.ch/2013/kulturpresseschau-die-dramen-des-kulturbetriebs/



Newsletter

SPENDEN!

Einen Text gelesen und der hat gefallen? Spende per TWINT ein paar Franken - ohne Abo, aber mit gutem Gewissen. Geht doch auch.