- ensuite | kulturagenda | enBlog - https://ensuite.we-are.gmbh/ -

Kul­tur­gel­der – Eigenartig

Kom­men­tar – Die neue Preis­ver­ga­be der Bur­ger­ge­mein­de an den Ver­ein Licht­spiel wirft neben dem Son­nen­schein auch einen komi­schen Schat­ten. Nicht, dass ich dem fan­tas­ti­schen Licht­spiel das Geld und die Aus­zeich­nung nicht gön­nen mag. Aber in den letz­ten Tagen ist par­al­lel das Kino Kunst­mu­se­um im Gespräch gewe­sen, wel­ches in sei­ner Exis­tenz mas­siv bedroht ist. Dies vor allem, weil die städ­ti­schen Gel­der redu­ziert, wie auch der Zustupf vom Kunst­mu­se­um sel­ber in Zukunft weg­fal­len sol­len. Nota­be­ne hat das Kino Kunst­mu­se­um pro Jahr rund 10’000 Besu­che­rIn­nen. Das Kino Licht­spiel aber im direk­ten Ver­gleich «nur» um deren 4’000 – zudem wur­de dem Licht­spiel eben die Sub­ven­ti­on von der Sei­te Stadt erhöht.

Ver­kehr­te Welt. Das kann man natür­lich nicht direkt ver­glei­chen, wer­den Sie jetzt den­ken. Doch in Sachen Kul­tur sind die Zah­len immer sehr ungreif­bar – oder viel­leicht bes­ser: unbe­greif­bar. Sub­ven­ti­ons­hö­he rich­tet sich immer nach einem Gesuch, einem Bud­get, einer Rech­nung. Die­ses wird oft­mals von Lai­en beur­teilt und ent­spre­chend mit dem Dau­men nach oben oder unten bewil­ligt. Dabei gibt es zum Bei­spiel kei­nen Kata­log, der den Sub­ven­ti­ons­ver­tei­lung als Richt­li­nie die­nen könn­te. Für Aus­sen­ste­hen­de sieht das Gan­ze dann wie ein Wür­fel­spiel aus. Eben: Wer wenig Besu­cher hat, erhält Unmen­gen mehr Gel­der, als die ande­ren… denkt man. Dabei ste­hen sich immer Äpfel und Kopf­sa­lat gegen­über. Unvergleichbar.

Oder doch nicht? Da die­se Fra­gen immer ein The­ma sind, müss­ten sich die Kul­tur­geld-Ver­teil­ter gut über­le­gen, WIE eine Ver­ga­be begrün­det wird. Mehr Trans­pa­renz ist des­we­gen unbe­dingt nötig. Es wäre durch­aus rich­tig, wenn die Buch­hal­tun­gen der jewei­li­gen Insti­tu­tio­nen, die ja sowie­so oft­mals einen öffent­li­chen Cha­rak­ter haben und als Ver­ei­ne orga­ni­siert sind, eben­falls öffent­lich zugäng­lich wären. So kön­nen sich die ver­schie­de­nen Insti­tu­tio­nen gegen­sei­tig anpas­sen und müss­ten sich öfters in den Zah­len erklä­ren. Das hät­te den Vor­teil, dass eben die Vor­ur­tei­le abge­baut wer­den, die finan­zi­el­len Belan­ge jeder Insti­tu­ti­on ver­bes­sert und ein natür­li­cher Kon­kur­renz­kampf statt­fin­den wür­de. Admi­nis­tra­tiv kann sich ein Kunst- oder Kul­tur­ver­ein ja gut kor­ri­gie­ren las­sen – mit dem Inhalt hät­te das nur bedingt zu tun. Sicher hät­te das auch Nach­tei­le. Ich höre schon den Auf­schrei. Aber ich bin über­zeugt, dass durch mehr Trans­pa­renz, das «sich öff­nen», die Kul­tur schluss­end­lich nur gewin­nen kann.

Um jetzt noch etwas zur Trans­pa­renz bei­zu­tra­gen, hier die Zah­len, um die bei­den Kinos zu vergleichen:

Sub­ven­ti­on Stadt Bern Kino Kunstmuseum
170’000 (pro Jahr jetzt)
120’000 (pro Jahr ab 2012)
480’000 (ins­ge­samt von 2012 – 2015)
Begrün­dung: Reduk­ti­on um – 50’000, ten­den­zi­el­ler Rück­zug, weil Kunst­mu­se­um spä­tes­tens ab 2016 an Kan­ton geht

Sub­ven­ti­on Stadt Bern Kino Lichtspiel 
30’000 (pro Jahr jetzt)
55’000 (pro Jahr ab 2012)
220’000 (ins­ge­samt von 2012 – 2015)
Ein­bau der regel­mäs­si­gen Bei­trä­ge aus För­der­mit­teln plus Erhö­hung um 20’000

(Die­se Anga­ben sind von der Stadt Bern, Abt. Kul­tu­rel­les. Lei­der sind die Zah­len vom Kan­ton zur Zeit nicht ver­füg­bar – wer­den wir mal nachliefern)