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Kri­tik zwi­schen den Sprechblasen

Von Son­ja Wen­ger – In sei­nen Geschich­ten hat der deut­sche Comic­zeich­ner Ralf König (51) noch nie ein Blatt vor den Mund genom­men. Seit dreis­sig Jah­ren zeich­net und schreibt König humor­vol­le, tref­fen­de, infor­ma­ti­ve und expli­zi­te Comics – längst nicht mehr nur über Schwu­le. Ero­ti­sche Phan­ta­sie­ge­stal­ten und ein def­ti­ger Natu­ra­lis­mus sind sein Mar­ken­zei­chen, egal ob es um die (sexu­el­len) Sor­gen und Nöte von Mann und Frau oder um Glau­be und Reli­gi­on geht. Sein unschlag­ba­res Gespür fürs Absur­de und Wit­zi­ge paart er mit einer scho­nungs­lo­sen Offen­heit und einer schlau­en Bissigkeit.

Umso mehr über­rascht, dass König ein enorm zurück­hal­ten­der, beschei­den und fast schüch­tern auf­tre­ten­der Mensch ist. Im Karo-
Hemd und mit dem Flair eines Hand­wer­kers führ­te er Anfang Sep­tem­ber durch die Aus­stel­lung «Got­tes Werk und Königs Bei­trag», die noch bis Ende Okto­ber im Car­toon­mu­se­um Basel zu sehen ist. Dabei erzähl­te er von Ein­sich­ten: «Ich bin eigent­lich ein fau­ler Mensch, des­halb zeich­ne ich nicht ger­ne Hin­ter­grün­de», Rück­sich­ten: «Beim Buch ‹Pro­to­typ› über Adam und Eva im Para­dies war ich viel zu vor­sich­tig, das ärgert mich», und Aus­sich­ten: «Ich will mich nicht mehr mit Reli­gi­on aus­ein­an­der­setz­ten, das macht schlech­te Laune.»

Auch beim anschlies­sen­den Gespräch mit Ensuite hielt er sich nicht zurück. Tabus über per­sön­li­che The­men habe er nicht, sagt König. Gera­de mit den Phan­ta­sien und den pein­li­chen Din­gen im Leben könn­ten sich vie­le sei­ner Leser und vor allem auch Lese­rin­nen identifizieren.

Ralf König, man nennt Sie eine «Kory­phäe», Sie sei­en ein Weg­be­rei­ter für die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz der Schwu­len und «Chro­nist der Schwu­len­be­we­gung»: Wie geht man mit sol­chen Super­la­ti­ven um?

Ralf König: Na ja, das klingt so wich­tig, aber ich hab das mit dem Chro­nis­ten nie ange­strebt. Es ergab sich zwangs­läu­fig, weil ich seit immer­hin dreis­sig Jah­ren zeich­ne. Als ich anfing, woll­te ich nur lus­ti­ge Geschich­ten erzäh­len für mei­ne Freun­de oder für links­po­li­ti­sche Zeit­schrif­ten. Mir ging es nicht um Auf­klä­rung oder dar­um, jeman­den zu beleh­ren, das war nie mein Ding. Auch die Kri­tik an der Schwu­len­sze­ne floss ein­fach in die Geschich­ten mit ein, weil ich die Com­mu­ni­ty immer aus einem Schritt Abstand gese­hen habe und vie­les dar­an ner­vig fand. In den schwu­len Medi­en herrscht eine gewis­se Ober­fläch­lich­keit, der Schön­heits­kult, das Unpo­li­ti­sche oder die­ser ewi­ge Sexis­mus. Da war mir immer zu viel Scha­blo­ne dabei: Wie man sich als Schwu­ler anzieht oder wel­che Musik man hört, näm­lich ent­we­der Madon­na, Abba oder dra­ma­ti­sche Oper. Ok, heu­te heisst Madon­na Lady Gaga, aber sonst ändert sich nicht viel. Als ob es kei­ne guten Bands gäbe! Ich habe nie ver­stan­den, wie­so man etwa als Schwu­ler auf auf­ge­spritz­te Diven ste­hen soll, und ich glau­be, dass die­se Hal­tung gera­de auch vie­le Schwu­le als wohl­tu­end emp­fin­den, die sich im Main­stream nicht wie­der fin­den. Aller­dings hab ich auch 380 Euro für Bar­bra Strei­sand live in Ber­lin berappt, so unschwul bin ich dann doch nicht.

Hat sich die­ses Kri­ti­sche irgend­wann verselbständigt?

Das war 1987 mit dem Erfolg von «Der beweg­te Mann», da hat­te ich schlag­ar­tig ein ande­res Publi­kum. Bei der Geschich­te ver­such­te ich zu erzäh­len, wie ein hete­ro­se­xu­el­ler Mann eher unfrei­wil­lig in die Schwu­len­sze­ne gerät, und ihn die Ein­drü­cke über­rum­peln. Das war natür­lich Kal­kül: Ich woll­te einen Cha­rak­ter zeich­nen, mit dem sich vie­le hete­ro­se­xu­el­le Leser, die bis dahin nichts mit Schwu­len zu tun hat­ten, iden­ti­fi­zie­ren konn­ten. Trotz­dem ist in die­sem Comic­ro­man der Schwu­le die Haupt­fi­gur. Was übri­gens spä­ter bei der Ver­fil­mung anders gemacht wur­de, zu mei­nem Frust. Da spiel­te Till Schwei­ger als Hete­ro Axel die Haupt­rol­le, und die Schwu­len sind eher so die komi­schen Nudeln nebenbei.

Ich bin zur Zeit von «Der beweg­te Mann» aber bereits zwei­glei­sig gefah­ren im Sin­ne, dass ich die qua­si unge­fil­ter­ten Insi­der­ge­schich­ten für klei­ne­re schwu­le Ver­la­ge gemacht habe. Für den gros­sen Publi­kums­ver­lag Rowohlt dach­te ich erst, ich müss­te ein biss­chen all­ge­mein ver­ständ­li­cher wer­den, habe dann aber fest­ge­stellt, dass alle, die mei­ne Comics mögen, auch alles lesen – egal, bei wel­chem Ver­lag ich ein Buch her­aus­brin­ge. Es gibt kaum Tren­nung zwi­schen schwul und nicht-schwul. Aber beleh­ren woll­te ich nie – auch wenn ich natür­lich zwi­schen den Sprech­bla­sen immer wie­der mal etwas unauf­fäl­lig ein­ge­bracht habe von dem ich dach­te, das muss jetzt mal ver­kün­det werden.

Das Buch «Super­pa­ra­di­se», bei dem es um die The­ma­tik HIV und Aids geht, ist ein Para­de­bei­spiel für Ihre Art des Erzäh­lens, bei der Sie Kri­tik und Infor­ma­ti­on wit­zig ver­pa­cken. Wie kamen Sie zu die­sem Thema?

Ja, «Super­pa­ra­di­se» hal­te ich für mein wich­tigs­tes Buch, auch weil es sehr per­sön­lich ist. Ein Freund von mir, Die­ter, war damals an Aids gestor­ben, und ich war sehr nah dran, mona­te­lang täg­lich im Kran­ken­haus und so. Es war für mich die ers­te Begeg­nung mit so etwas läh­mend Fürch­ter­li­chem. Zuvor hat­te ich mich mit den Comics an das The­ma Aids nicht her­an­ge­traut. In den Jah­ren damals star­ben die Jungs wie die Flie­gen. Ich wuss­te nicht, wie ich mit Humor die­ses The­ma hät­te ange­hen sol­len, denn ich woll­te nie­man­den ver­let­zen oder etwas banalisieren.

Aber als Die­ter gestor­ben war, hat­te ich das Gefühl, aus Erfah­rung mit­re­den zu kön­nen und habe in einer Art Befrei­ungs­schlag «Super­pa­ra­di­se» gezeich­net. Das Buch hält die Waa­ge zwi­schen lus­tig und ernst – und Tra­gi­ko­mik ist ja der bes­te Humor. Natür­lich erwar­ten die Leser, dass mei­ne Geschich­ten spas­sig sind, aber ich habe mir hier auch mal erlaubt, über meh­re­re Sei­ten auch Trau­ri­ges und Uner­freu­li­ches pas­sie­ren zu las­sen. Und es hat sich gezeigt, dass die Leu­te mir da folg­ten, ich bekam sehr viel Zuspruch. Seit­dem kann ich mit mei­nen Knol­len­na­sen alles erzäh­len, ich kann sie sogar ster­ben lassen.

Sie hat­ten bei der Geschich­te Ihre dama­li­ge Haupt­fi­gur Paul zum Opfer gemacht.

Ja, denn es soll­te weh tun. Ich dach­te, wenn ich jetzt irgend­ei­ne Neben­fi­gur neh­me und sie posi­tiv getes­tet wird, hat das nicht den­sel­ben Effekt. Es soll­te schon eine Figur erwi­schen, die vie­le Leu­te wirk­lich ken­nen und mögen, denn der Tod erwischt nun mal auch Leu­te, die man kennt und mag. Aller­dings wur­de ich danach auch oft gefragt, was denn jetzt mit Paul sei? Vie­le Leu­te haben es mir übel genom­men, dass im Buch «Sie dür­fen sich jetzt küs­sen», das ich nach «Super­pa­ra­di­se» gemacht habe, Pauls HIV-Infek­ti­on über­haupt nicht mehr vorkommt.

War­um war das so?

Das The­ma Krank­heit ist so gewich­tig, ich habe mich wohl davor gedrückt, das nur zu erwäh­nen, ohne wirk­lich drauf ein­zu­ge­hen. In «Sie dür­fen sich jetzt küs­sen» soll­te es nur um die Homo-Ehe gehen, da erschien mir HIV als Spass­brem­se. Ist ja auch Rea­li­tät: Durch die Medi­ka­men­te geht es vie­len HIV-Posi­ti­ven gut, so sah ich das bei Paul auch. Im Nach­hin­ein betrach­tet, war das jedoch ein Feh­ler, ich hät­te es zumin­dest in ein, zwei Sprech­bla­sen wie­der auf­neh­men sol­len. Aber ich will dem­nächst einen neu­en «Kon­rad und Paul»-Band zeich­nen. Nicht nur, weil die Leu­te wis­sen wol­len, wie es mit den bei­den weitergeht.

Und wie geht es wei­ter mit Paul und sei­nem Freund Konrad?

Hm, ich bin jetzt unglaub­li­che 51 Jah­re alt und fin­de die­ses Älter­wer­den und den kör­per­li­chen Nie­der­gang voll­kom­men inak­zep­ta­bel. Aber es gibt kei­ne Beschwer­de­stel­le, jeden­falls in Deutsch­land nicht. Und so könn­te es bei der nächs­ten Geschich­te auch um das The­ma gehen: Kon­rad und Paul kom­men in die «Andro­pau­se». Ihr Frau­en habt ja mit der Meno­pau­se fer­tig zu wer­den, wir Män­ner neu­er­dings mit der Andro­pau­se. Irgend­ei­ne Pau­se brau­chen wir Män­ner wohl auch mal, sagt die Phar­ma­in­dus­trie. Man will uns wahr­schein­lich nur Hor­mo­ne ver­kau­fen, mal sehen, ob ich drauf rein falle.

Ihre Geschich­ten haben also sehr viel mit Ihnen per­sön­lich zu tun? 

Sicher, ich mache seit dreis­sig Jah­ren Comics und das, was mich im Leben gera­de so beschäf­tigt, fliesst immer auto­ma­tisch dar­in ein. Das war frü­her etwa Aids oder die Hei­rats­dis­kus­si­on unter den Schwu­len, und nun eben das Älter­wer­den. Und so wie ich mich ver­än­de­re, tun das auch mei­ne Figu­ren. Ich wur­de etwa mal gefragt, was denn mit Nor­bert Brom­mer, der Haupt­fi­gur aus «Der beweg­te Mann» sei, ich sol­le doch wie­der etwas über ihn machen. Aber ich kann mich heu­te nur noch schlecht in einen Schwu­len hin­ein­ver­set­zen, der sich in hete­ro­se­xu­el­le Män­ner ver­liebt. Das ist mir damals, als ich das Buch gezeich­net hat­te, aber dau­ernd pas­siert. Und auch schon vor­her. Wenn man als schwu­ler Jun­ge auf dem Land auf­wächst, ver­knallt man sich natür­lich erst mal in sei­ne hete­ro­se­xu­el­len Klas­sen­ka­me­ra­den und lei­det heim­lich. Der hete­ro­se­xu­el­le Mann war so etwas wie die Kir­schen in Nach­bars Gar­ten. Mir gefällt an Hete­ros, dass sie in der Regel nicht so eitel sind. Wenn ein schwu­ler Mann gut aus­sieht, bil­det er sich schnell was drauf ein und läuft mit hoch­ero­ti­schen Kla­mot­ten und gezupf­ten Augen­brau­en rum, was ich schon wie­der völ­lig ungeil fin­de. Ich mag lie­ber so eine Gelas­sen­heit, und die haben Hete­ro­män­ner eher drauf. Die gehen auch mal im Schlab­ber­pul­li und unge­kämmt auf die Stras­se. Aber ich wei­che ab, Hete­ros machen mich wohl immer noch konfus…

…wir waren bei der Andropause.

Genau. Das ver­dräng ich wohl gern. Da ist man kör­per­lich plötz­lich über dem Zenith und ver­liert ganz schlei­chend die Lust auf Sex und Drugs und Rock‹n Roll. Und wenn man doch mal auf die Kacke haut, hat man drei Tage Kopf­schmer­zen. Ich spü­re das Älter­wer­den dar­an, dass mir gewis­se Lei­den­schaf­ten abhan­den kom­men: Wenn da etwa ein klei­ner hüb­scher Ita­lie­ner vor mir her­stapft, muss ich den heu­te nicht mehr unbe­dingt auf die Matrat­ze krie­gen. Die­se Män­ner, denen die Neu­ro­sen aus den brau­nen Bam­bi-Augen blit­zen, das ist mir inzwi­schen zu viel Stress. Frü­her habe ich mich ziel­stre­big auf qual­vol­le Lie­bes­af­fä­ren ein­ge­las­sen und dabei Federn gelas­sen. Das weicht nun ein biss­chen einer alters­wei­sen Ver­nunft. Oder nein, stimmt nicht. Die wol­len einen als altern­den Kna­cker ein­fach nicht mehr, scheiss auf Ver­nunft! Jeden­falls war die Arbeit an dem Buch ziem­lich frus­trie­rend, ich habs erst mal zur Sei­te gelegt.

Was war so frustrierend?

Ich bin nicht nur 51, son­dern auch noch Hypo­chon­der. Kaum hab ich im Inter­net die Lis­te der Sym­pto­me gele­sen, also was in der Andro­pau­se mit einem pas­sie­ren kann, litt ich sofort unter den ent­spre­chen­den Effek­ten. «Ver­rin­ge­rung des Hoden­vo­lu­mens» ist kei­ne Klei­nig­keit! Ich hat­te 37 Sei­ten gezeich­net, danach habe ich das Buch ent­nervt in die Schub­la­de gelegt. Mei­ne Hoden sind inzwi­schen wie­der auf Nor­mal­vo­lu­men, dan­ke der Nachfrage.

Dann ist das The­ma vom Tisch?

Nein, ich wer­de das Buch machen, ich fin­de das The­ma noch immer hoch­span­nend, auch für mei­ne Leser, die ja mit mir älter wer­den. Wir erle­ben schliess­lich alle die­se Ver­än­de­run­gen. Ich habe das Buch ein­fach nicht beim ers­ten Anlauf geschafft, viel­leicht wäre es auch eher etwas für Kurz­ge­schich­ten. Ich woll­te wie­der ein sei­ten­star­kes Epos dar­aus machen, das war ein Feh­ler. Älter­wer­den erträgt man nur Häppchenweise.

Wor­an arbei­ten Sie derzeit?

An der Geschich­te der Hei­li­gen Ursu­la, der Schutz­hei­li­gen von Köln, und den 11’000 Jung­frau­en. In Köln fin­det 2012 das Ursu­la-Jahr statt. Das Stadt­mu­se­um macht dazu eine Aus­stel­lung mit Reli­qui­en und Ölge­mäl­den und der Direk­tor bat mich, mei­ne Ver­si­on der Ursu­la-Legen­de dafür zu zeich­nen. Das ist nicht ganz ohne. Die katho­li­schen Mäch­te in Köln sind näm­lich aktiv, und die wer­den sicher nicht nur amü­siert sein. Mei­ne Jung­frau­en haben even­tu­ell Haa­re an den Waden.

Stich­wort Kir­che und Glau­be: Nach Ihrer Tri­lo­gie «Pro­to­typ», «Arche­typ» und «Anti­typ» blei­ben Sie also wei­ter beim Reli­giö­sen. Macht das so viel Spass?

Spass ist die Bedin­gung dabei, sonst geht gar nichts. Aller­dings mer­ke ich inzwi­schen, dass man auch als Agnos­ti­ker ver­bis­sen wer­den kann, wenn man sich zu viel mit Reli­gi­on beschäf­tigt. Der hei­li­ge Bim Bam macht mich zeit­wei­se übel­lau­nig. Ich hab vier­zig Jah­re ohne Reli­gi­on ver­bracht, da möch­te ich den Rest auch noch ohne Weih­rauch hinkriegen.

Trotz­dem jetzt die Hei­li­ge Ursula?

Ist halt ein Auf­trag. Im Zusam­men­hang damit beschäf­ti­ge ich mich mit den mit­tel­al­ter­li­chen Mär­ty­rer- und Hei­li­gen­le­gen­den – und die sind teil­wei­se unfrei­wil­lig komisch. Sehr bizarr. Da geis­seln sich die Hei­li­gen lie­ber und wäl­zen sich nackt in Dor­nen­sträu­chern, als auch nur ein­mal Sex zu haben. Das ist die Bot­schaft: Fleisch­li­che Lust ist das Schlimms­te, was einem pas­sie­ren kann, es sei denn, man pflanzt sich fort, am bes­ten freud­los. Von Pau­lus über die Mär­ty­rer­ge­schich­ten zum Zöli­bat, das zieht sich wie ein roter Faden durchs Chris­ten­tum: Bloss kei­nen Spass am Lei­be! Das ist der direk­te Weg in die Ver­damm­nis. Der katho­li­sche Moral­ka­te­chis­mus ist eine erhel­len­de Lek­tü­re, soll­te man mal gele­sen haben, steht alles im Internet.

Sie erwähn­ten die katho­li­schen Mäch­te in Köln: Wie reagiert denn die Kir­che gene­rell auf Ihre Werke?

Zu mei­ner Tri­lo­gie der Bibel-Geschich­ten habe ich über­ra­schend viel Zuspruch von theo­lo­gi­scher Sei­te her bekom­men. Das sind zwar oft Evan­ge­len, aber auch sonst wur­de nie­mand je so rich­tig böse, wie man das etwa in Inter­net-Kom­men­ta­ren lesen muss – was ich mir abge­wöhnt habe, das macht nur schlech­te Lau­ne. Ich hat­te span­nen­de Gesprä­che mit Pries­tern, die sich sehr amü­siert haben, auch wenn sie dabei offen­bar einen Spa­gat machen zwi­schen dem, was sie glau­ben und dem, was ich in den Comics dar­aus mache.

Was mei­nen Sie mit Spagat?

Dass man etwas glaubt, was nicht zu glau­ben ist. Es ist nun mal nicht wahr­schein­lich, dass vor 2000 Jah­ren einer wan­del­te, umge­bracht wur­de, drei Tage lang tot war, also nicht schein­tot oder so, son­dern tot im Sin­ne von tot, und dann auf­stand und zum Him­mel ent­wich. Ich fin­de, es ist eine wirk­lich schö­ne Geschich­te, dass ein Gott sei­nen Sohn schickt, und die Men­schen sind so blöd und töten den – sehr schö­ner Plot, aber dadurch wird die Geschich­te ja nicht wahrer.

Als ich das Buch «Anti­typ» mach­te, bei dem es um den Apos­tel Pau­lus geht, habe ich in Köln oft mit einem schwu­len katho­li­schen Theo­lo­gen dis­ku­tiert. Da sass mir also die­ser eigent­lich auf­ge­klär­te Mann gegen­über, der sein Schwul­sein mit Freu­de aus­lebt und der mit dem Papst eher ein Pro­blem hat. Aber als ich ihn dann frag­te, ob er das mit der Auf­er­ste­hung wirk­lich, wirk­lich glau­be, fing er kurz an, ner­vös auf dem Stuhl her­um­zu­rut­schen, bevor er «Ja» sag­te – denn das ist echt ein Spa­gat zwi­schen dem welt­li­chen, dem kri­ti­schen Den­ken und der Reli­gi­on. Mir feh­len zum Glau­ben die Gehirn­syn­ap­sen, Gottseidank.

Wel­che Ant­wort erhal­ten Sie auf Ihre Frage?

Dass der Zwei­fel zwar stets prä­sent, aber im Glau­bens­ge­bäu­de ein­ge­bun­den ist, denn Pau­lus schrieb ja, das mit der Auf­er­ste­hung sei eben gera­de des­halb zu glau­ben, weil es unglaub­haft sei. Und die­se Ant­wort erschreckt mich. Denn wenn der Zwei­fel im Glau­be inte­griert ist, dann hat er ja kei­ne Chan­ce. No Way out! Das ist Gehirn­wä­sche. Gruselig.

Nun hat ja fast jeder Glau­be die­sen Wahr­heits­an­spruch und auch oft etwas Mis­sio­na­ri­sches an sich. 

Ja. Die Leu­te, die mei­nen, sie wür­den in Got­tes Sin­ne han­deln und reden, nei­gen natür­lich zu Über­heb­lich­keit und dem allei­ni­gen Besitz der Wahr­heit. Ich mei­ne, dass die Auf­klä­rung die gröss­te Leis­tung ist, die die Men­schen auf die Bei­ne gekriegt haben, da ist die Mond­lan­dung ein Furz dage­gen; dass wir gemerkt haben, dass wir Poli­tik und Reli­gi­on tren­nen müs­sen, sonst wird das hier nichts mehr. Man darf auch nicht aus­ser Acht las­sen, dass wir hier auf einer klei­nen, säku­la­ren Insel leben. Wenn man schaut, was glo­bal los ist im Zusam­men­hang mit Reli­gi­on … schon in Polen gehen die Uhren echt anders. Es macht mir Angst, dass die Kir­che immer mehr Ein­fluss hat auf die Poli­ti­ker, auch in unse­ren Breiten.

Ein Bei­spiel?

Ich fin­de es unge­heu­er­lich, dass der Papst Mit­te Sep­tem­ber bei sei­nem Besuch in Deutsch­land auch vor dem Par­la­ment pre­di­gen soll – und dass ihn eini­ge Poli­ti­ker wahr­schein­lich mit «Hei­li­ger Vater» anspre­chen. [Das Gespräch wur­de Anfang Sep­tem­ber geführt, d. Red.] Dass da ein Kle­ri­ker reden kann, der berech­tigt stark in der Kri­tik steht und der in so vie­lem so welt­fremd und gefähr­lich denkt. Ich fin­de vor allem uner­träg­lich, dass bis­her kaum jemand von den Grü­nen im Bun­des­tag auf­schreit und sagt, dass da etwas faul ist. Wo bleibt die spon­ta­ne Empö­rung und die Gegen­wehr? Alle wer­den den Papst will­kom­men heissen.

Ihre Kri­tik gilt ja nicht nur der katho­li­schen Kir­che. Sie haben sich auch mit bis­si­gen Zeich­nun­gen für die Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit enga­giert, als 2005 in Däne­mark der soge­nann­te Kari­ka­tu­ren­streit um die Dar­stel­lung von Moham­med aus­ge­bro­chen ist und von vie­len Sei­ten her gesagt wur­de, dass man ja nicht alles sagen muss, was man sagen könnte.

Ja. Ich war damals sehr wütend. Wenn es mit­ten in Euro­pa plötz­lich The­men gibt, zu denen man sich nicht mehr äus­sern darf, ohne gekillt zu wer­den, ist das ein sehr dra­ma­ti­scher Ein­schnitt. Aller­dings habe ich auch kei­ne Moham­med-Kari­ka­tur gezeich­net. Ich habe kei­ne Lust unter­tau­chen zu müs­sen oder ein Leben in Bedro­hung zu führen.

Ist das eine unbe­wuss­te Sche­re im Kopf?

Wenn ich eine Geschich­te hät­te, die wirk­lich erzäh­lens­wert wäre und ich sie dann aber nicht zeich­ne, dann wäre das Selbst­zen­sur. Aber wes­halb soll­te ich ein­fach so, nur um jeman­den zu pro­vo­zie­ren, einen Pro­phe­ten zeich­nen? Ich möch­te so etwas schon in einer Aus­sa­ge oder in einer Geschich­te auf­ge­ho­ben sehen, die Sinn ergibt und die ver­gnüg­lich ist. Ich bin ein gros­ser «South Park»-Fan. Die hau­en reli­gi­ös rich­tig in die Kacke, die neh­men kei­ne Gefan­ge­nen, gross­ar­tig. Aber mein Humor ist wohl etwas fein­füh­li­ger. Was kein Vor­teil sein muss.
Gibt es etwas, das Sie nicht zeich­nen wür­den? Etwas, das Ihnen noch pein­lich ist?
(Über­legt lan­ge) Im per­sön­li­chen Bereich habe ich kei­ne Tabus, an die ich nicht her­an­ge­hen wür­de – im Gegen­teil. Ich neig­te immer zum Exhi­bi­tio­nis­mus. Gera­de das Pein­li­che, Lie­bes­kum­mer oder Sex­sucht, alles, was im Leben und in Bezie­hun­gen schief läuft, ist inter­es­sant. Ich wer­de das Andro­pau­sen-Buch machen, und die Arbeit wird sehr pein­lich wer­den. Aber ich habe kein Pro­blem damit, denn es gibt vie­le Leu­te, die sich damit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Ich bin nie allei­ne mit mei­nen Ängs­ten oder Phan­ta­sien. In mei­nen Comics war schon immer eine gewis­se Hem­mungs­lo­sig­keit. Beson­ders im Früh­werk: Ich habs ein­fach so gezeich­net, wie’s mir kam. Im wahrs­ten Sin­ne. Sozusagen.

Sie scho­nen sich aber auch selbst nicht. Im Buch «…und das mit links!» haben sie ein Inter­view mit sich selbst gezeich­net. Dar­in gibt es eine Sze­ne aus Ihrer Kind­heit, in der Sie sich den Penis Ihres schla­fen­den Vaters nicht nur ansehen.

(Lacht schal­lend) Ja. Oh, Scheis­se! Aber ich kann frank und frei sagen, dass ich als Puber­tie­ren­der mei­nen Vater tat­säch­lich geil fand, ein soge­nann­ter nega­ti­ver Ödi­pus-Kom­plex. Hete­ro­jungs ste­hen ja in der Puber­tät gele­gent­lich auf ihre Müt­ter, bei Schwu­len ist es natur­ge­mäss anders­rum. Mein Vater war ein stäm­mi­ger, sehr attrak­ti­ver Mann, und er lag also nach einem Fami­li­en­fest sturz­be­trun­ken neben­an und schnarch­te, und ich bin mit Herz­klop­fen und der Taschen­lam­pe unter sei­ne Decke gekro­chen, um mir das alles mal aus der Nähe anzu­gu­cken. Na ja, ich war zehn oder elf, Jugend forscht, so was kommt in den bes­ten Fami­li­en vor. Mein Vater ist ja nicht etwa mit der Taschen­lam­pe unter m e i n e Decke gekro­chen, da läge der Fall wohl anders. Aber ich hab das dann gezeich­net, ohne zu ahnen, dass man mich noch vier­zig Jah­re spä­ter in Basel dar­auf­hin verhört.

Ja, so kanns kom­men! Aber The­men­wech­sel. In den Büchern «Wie die Kar­ni­ckel» und noch stär­ker in «Hem­pels Sofa» ste­hen erst­mals je ein hete­ro­se­xu­el­ler Mann und eine hete­ro­se­xu­el­le Frau im Mit­tel­punkt der Geschich­te. Wie­so die­se Wende?

Ich hat­te mich 25 Jah­re lang nur mit schwu­len Män­nern und schwu­len Zusam­men­hän­gen beschäf­tigt – ich fing an, mich zu lang­wei­len. Aus­ser­dem lebe ich auf kei­ner schwu­len Insel. Ich habe hete­ro­se­xu­el­le Freun­de und Freun­din­nen, und ich fin­de es span­nend, wenn die mir von ihren Bezie­hungs­kämp­fen erzäh­len. Eigen­ar­ten und Miss­ver­ständ­nis­se zwi­schen den Geschlech­tern, die bei Schwu­len ein­fach weg­fal­len – Män­ner wis­sen sexu­ell meis­tens, was sie vom ande­ren Mann wol­len, da wird nicht gleich lang­fris­ti­ge Fami­li­en­pla­nung betrie­ben. Zwi­schen Mann und Frau herr­schen ande­re Regeln und Emp­find­lich­kei­ten. So ist etwa die sexu­el­le Treue zwi­schen Frau und Mann ein ewi­ger Kon­flikt­punkt, bei Schwu­len ist das sel­te­ner The­ma, jeden­falls in mei­nem Umfeld. Da ist etwa Chris­ti­an eher nei­disch, dass Erik den gei­len Tür­ken abge­kriegt hat, aber sie lie­ben sich ohne wenn und aber.

Beson­ders die Figur der Psy­cho­the­ra­peu­tin Sil­ke Hem­pel und ihre sehr nach­voll­zieh­ba­ren Pro­ble­me sind aus­neh­mend gut getrof­fen. Woher kommt die­ses Wissen?

Ich hab eine Freun­din, die spricht ganz offen über ihre Gedan­ken, Ängs­te und Pro­ble­me. Sie ist für mich ein biss­chen die­se Hem­pel gewor­den, eine Frau, die Lust hat auf sexu­el­le Erfah­run­gen, die auch mal was Schnel­les, Unkom­pli­zier­tes erle­ben möch­te, aber die sich nicht traut oder es sich nicht zuge­steht, weil expe­ri­men­tier­freu­di­ge Frau­en ja das Pro­blem haben, ganz schnell als Schlam­pe abge­stem­pelt zu wer­den. Ich hör mir das an und dre­he es durch den All­ge­mein­wolf, so dass sich nicht unbe­dingt die­se Freun­din, son­dern vie­le Lese­rin­nen damit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Ich habe auch einen Hete­ro­freund, der mir hin und wie­der sei­ne Frau­en­ge­schich­ten erzählt. Und so weit weg ist das alles nicht von schwu­lem Erle­ben, die Akzen­te sind nur leicht ver­scho­ben. Und gera­de das machts span­nend und komisch.

Ein Drit­tel Ihrer Leser­schaft sind Frauen.

Ja, obwohl mir ja gele­gent­lich Frau­en­feind­lich­keit vor­ge­wor­fen wird, weil die Frau­en bei mir oft die­se vor­ste­hen­den Zäh­ne hat­ten und ein biss­chen beläm­mert aus­sa­hen. Viel­leicht war das spä­te Rache, da ich wie gesagt als Jun­ge aufm Dorf dau­ernd in mei­ne hete­ro­se­xu­el­len Schul­kol­le­gen ver­knallt war, die aber immer irgend­ei­ne Tus­si knutsch­ten. Es gibt frau­en­feind­li­che, sexis­ti­sche Comics, aber nicht von mir. Aus­ser­dem sind mei­ne Männ­chen auch nicht gera­de Schön­hei­ten. Es sei denn, es ist der mus­ku­lö­se Bau­ar­bei­ter, der sich aufm Gerüst den Sack kratzt.

Wie steht es mit hete­ro­se­xu­el­len männ­li­chen Lesern?

Die ste­hen eher unsi­cher am Signier­tisch, schie­ben mir cool das Buch hin und grun­zen: Mach mal «Für Nata­scha». Was ich wie­der­um unwi­der­steh­lich sexy fin­de. Ich den­ke, das ist einer der Grün­de für den Erfolg, den ich bei so vie­len Hete­ros habe, dass sie bei mir lesen kön­nen: So kann man’s auch machen. Man kann öfter und locke­rer Sex haben und das Gan­ze ent­spannt ange­hen. Wenn ich Nata­scha wäre, würd‹ ich vor Freu­de über eine ech­te Ralf König-Signa­tur gleich in die Knie gehen und ihm den Hosen­stall auf­knöp­fen, aber die will bestimmt wie­der nicht.

Wer weiss? Ihre Bücher sind sehr erfolg­reich und die­nen immer wie­der als Vor­la­ge für Fil­me, bei eini­gen haben Sie selbst das Dreh­buch geschrie­ben. Doch mit Aus­nah­me von «Der beweg­te Mann» hat­ten die Fil­me sehr schlech­te Kri­ti­ken. Wor­an lag das?

Ich bin tat­säch­lich nicht sehr glück­lich mit den Ver­fil­mun­gen. Die Grün­de sind aber sehr unter­schied­lich. Zum einen ist es schon ein Humor­ver­lust, wenn mei­ne «Knol­len­na­sen» von Men­schen dar­ge­stellt wer­den – des­halb habe ich immer ver­sucht zu errei­chen, dass die Rol­len eher gro­tesk besetzt wer­den. So war ich sehr zufrie­den mit der Beset­zung von «Wie die Kar­ni­ckel» – bei dem ich den Comic übri­gens erst nach der Ver­fil­mung gezeich­net habe. Und für die Sto­ry hab ich beim Comic­fes­ti­val im fran­zö­si­schen Angoulê­me sogar einen Preis gekriegt. Ich hat­te bei «Wie die Kar­ni­ckel» einen guten Draht zum Regis­seur, die Stim­mung am Set war erfreu­lich. Lei­der waren die Dreh­ar­bei­ten zeit­lich sehr gehetzt, man konn­te kaum etwas noch­mals pro­ben, wenn es noch nicht auf dem Punkt war, und dann wur­den auch beim Schnitt Feh­ler gemacht. Der Film war aber nicht so platt, wie er dann von der Pres­se dar­ge­stellt wur­de. Im Fern­se­hen und auf DVD hat er vie­le Fans, und mir ist er der liebs­te. Nun soll «Hem­pels Sofa» ver­filmt wer­den, man darf gespannt sein.

Gibt es ande­re Projekte?

Aus «Pro­toyp» ent­steht nun ein Zei­chen­trick­film, der von der UFA in Ber­lin gemacht wird, wahr­schein­lich zusam­men mit einem däni­schen Trick­film­stu­dio. Die­se Kulis­se mit dem Para­dies, Adam und Eva und den Tie­ren im Gar­ten Eden bie­tet sich ja gera­de­zu dafür an. Das Dreh­buch hab ich gera­de fer­tig geschrie­ben, die Figu­ren wer­den aller­dings – bewusst – ein biss­chen anders aus­se­hen als im Buch, weil die Sto­ry sich erwei­tert hat. Ich hof­fe, dass das Resul­tat dann noch etwas mit mei­nem Strich zu tun hat. Bei all den tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten heu­te muss man den Leu­ten immer sagen: Bleibt klein, bleibt sim­pel im Strich und mini­ma­lis­tisch in den Bewe­gun­gen – so wie bei den alten Pea­nuts- oder Lori­ot-Trick­fil­men. Das kriegt man aber kaum durch, heu­te gibts Com­pu­ter­ani­ma­ti­on, da haut man zwangs­läu­fig auf die Kacke, in 3‑D.

Sie machen seit eini­ger Zeit auch Lesun­gen ihrer Comics. Wie kam das?

Ich wer­fe die Bil­der mit dem Bea­mer auf die Lein­wand und lese die Dia­lo­ge. Es macht Spass und ist ein zusätz­li­ches Stand­bein, denn die Zei­ten haben sich schon geän­dert. Die Leu­te kau­fen mein Zeug nicht mehr im glei­chen Mass wie Mit­te der neun­zi­ger Jah­re. Ich hat­te durch mein schwu­les The­ma lan­ge sehr viel Auf­merk­sam­keit, aber inzwi­schen wird mein Publi­kum mit mir auf­ge­klär­ter und älter. Vie­le haben 35 Bücher von mir im Regal und brau­chen nicht auch noch das 36igste. Und die Jun­gen tip­peln lie­ber auf ihren i‑Phones rum als Comics zu lesen. Neu­lich hielt ich an der Uni­ver­si­tät Wup­per­tal eine Lesung, weil der Pro­fes­sor anhand mei­ner Comics den Stu­den­ten klar­ma­chen woll­te, wie non­ver­ba­le Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert, oder so. Die ers­te Fra­ge einer Stu­den­tin danach war: «War­um set­zen Sie sich denn so viel mit Homo­se­xua­li­tät aus­ein­an­der?» Da stand ich dann wie so’n Fossil.

Sie haben in Ihrem Beruf fast alles erreicht, was mög­lich ist. Was kommt nun?

Kei­ne Ahnung. Ich den­ke immer nur ans nächs­te Buch­pro­jekt. Viel­leicht mal Sci­ence-Fic­tion, das hab ich noch nie gezeich­net. Drei ein­sa­me, stäm­mi­ge Astro­nau­ten in enger Raum­kap­sel, weit draus­sen im kal­ten Welt­all. Da brauch ich nicht mal Ali­ens in der Luftdruckschleuse.


Ralf König (*1960) wuchs im west­fä­li­schen Wes­tön­nen auf. Nach einer Tisch­ler­leh­re stu­dier­te er an der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf Freie Kunst. 1979 ver­öf­fent­lich­te er ers­te Comic­sto­rys im Münch­ner Under­ground-Maga­zin «Zomix» sowie der Schwu­len­zeit­schrift «Rosa Flie­der». 1987 wird König mit sei­nem Comic­ro­man «Der beweg­te Mann» weit über die Schwu­len­sze­ne hin­aus bekannt. Seit­her fin­den sei­ne Geschich­ten ein immer brei­te­res Publi­kum. Meh­re­re sei­ner Bücher wur­den ver­filmt. Drei­mal erhielt König den renom­mier­ten Max-und Moritz-Preis. 1992 als bes­ter deutsch­spra­chi­ger Comic-Künst­ler, 2006 den Spe­zi­al­preis der Jury «für sei­ne künst­le­ri­sche Stel­lung­nah­me im Streit um die Moham­med-Kari­ka­tu­ren», und 2010 für den bes­ten Comic-Strip für «Pro­to­typ» und «Arche­typ» in der FAZ.

www.ralf-koenig.de

ensuite, Okto­ber 2011