Bild: Bern 17.11.2010- Mona Kloos und Fabian Guggisberg in der Probe zu "Die Schneekšnigin" , einem WeihnachtsmŠrchen von Hans Christian Andersen in der Inszenierung von Ingrid GŸndisch am Stadttheater Bern. Die Premiere findet am Freitag, 19. November 2010 statt. (Annette Boutellier)

Kal­tes Herz und heis­se Tränen

Von

|

Drucken

Von Belin­da Mei­er – Hans Chris­ti­an Ander­sens Mär­chen «Die Schnee­kö­ni­gin» wird seit Mit­te Novem­ber 2010 unter der Regie von Ingrid Gün­disch am Stadt­thea­ter Bern auf­ge­führt. Die­ses viel­schich­ti­ge Mär­chen über Glück, Lie­be und Ver­stand lässt sowohl Klein als auch Gross das Hier und Jetzt vergessen.

Das Kunst­mär­chen «Die Schnee­kö­ni­gin» des däni­schen Schrift­stel­lers H.C. Andersen
(1805–1875) wur­de zahl­rei­che Male ver­filmt und als Thea­ter­stück, Musi­cal und Kin­der­oper für die Büh­ne insze­niert. Zusam­men mit Mär­chen wie «Däu­me­lin­chen», «Die Prin­zes­sin auf der Erb­se», «Die klei­ne Meer­jung­frau», «Das häss­li­che Ent­lein», «Die roten Schu­he», «Her­ze­leid» und vie­len mehr, hat «Die Schnee­kö­ni­gin» Ander­sens Welt­ruhm besie­gelt. Sei­ne Märchen gehö­ren mitt­ler­wei­le zur Welt­li­te­ra­tur, sind zeit­los und haben Gene­ra­tio­nen geprägt. 

Der teuf­li­sche Spie­gel «Die Schnee­kö­ni­gin» erzählt die aben­teu­er­li­che Geschich­te von den eng befreun­de­ten Kin­dern Ger­da und Kay, gespielt von Mona Kloos und Fabi­an Gug­gis­berg. Auf­grund eines teuf­li­schen Spie­gel­split­ters wer­den die bei­den für lan­ge Zeit getrennt. Der Split­ter trifft Kay näm­lich direkt ins Auge. Seit­her ist er gefühl­s­arm, gemein und alles erscheint ihm nur noch böse und häss­lich. Sei­ne Zunei­gung zu Ger­da erlischt urplötz­lich. Fas­zi­niert von der Geo­me­trie der Eis­kris­tal­le und der ihm erschie­ne­nen Schnee­kö­ni­gin (Lilia­ne Stef­fen), hat sein Leben sei­ne Bestim­mung gefun­den: Er will der Spur die­ser geheim­nis­vol­len Her­rin weit in den hohen Nor­den hin­auf folgen.

Das Rät­sel Im Eis­pa­last ange­kom­men hat Kay die Auf­ga­be, das Geheim­nis des Lebens zu ent­schlüs­seln. Gelingt ihm dies, schenkt ihm die Schnee­kö­ni­gin die gan­ze Welt und ein paar Schlitt­schu­he dazu. Die Zeit drängt, denn jeder Kuss der Schnee­kö­ni­gin lässt Kays Herz mehr erkal­ten. Ger­da beschliesst, ihn zu suchen.

«Nun bekommst du kei­ne Küs­se mehr, […] denn sonst küs­se ich dich tot!»

Komik, Aben­teu­er und Traum­wel­ten In Ingrid Gün­dischs Insze­nie­rung füh­len die Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er das Schick­sal von Ger­da und Kay haut­nah mit und ver­fol­gen mit Span­nung die aben­teu­er­li­che Rei­se Ger­das. Sie, die von Mona Kloos gekonnt als ver­spiel­tes, vor­wit­zi­ges und muti­ges Mäd­chen dar­ge­stellt wird, trifft unter­wegs auf die son­der­bars­ten Cha­rak­te­re und Gestal­ten. Ingrid Gün­dischs Umset­zung und Dar­stel­lung die­ser Figu­ren brin­gen die Kin­der zum Lachen und Stau­nen und las­sen sie sogar aktiv am Gesche­hen teil­ha­ben, wenn es etwa dar­um geht, laut­hals nach Kay zu rufen oder «wäh» in die Men­ge zu schrei­en, wenn sie beim Anblick der sich küs­sen­den Raben der Ekel packt. Ange­fan­gen bei einem kau­zi­gen und bizar­ren Gärt­ner (Ste­fa­no Wenk) inmit­ten eines präch­tig blü­hen­den Gar­tens, begeg­net Ger­da auf ihrem Weg in den Nor­den zwei schrä­gen Vögeln (Lilia­ne Stef­fen und Ste­fa­no Wenk), einer Prin­zes­sin (Lau­ra Kol­be) und einem Prin­zen (Fabi­an Gug­gis­berg), die ein ver­träum­tes Schloss bewoh­nen, das so bunt und ver­spielt ist, wie es sich Kin­der in ihrer Fan­ta­sie nur vor­stel­len kön­nen. Spä­ter wird sie von einer töl­pel­haf­ten Räu­ber­ban­de gefan­gen genom­men, kommt aller­dings wie­der frei und fin­det letzt­lich in Beglei­tung eines lis­peln­den Ren­tiers (Ste­fa­no Wenk) den Weg zum Eis­pa­last der Schnee­kö­ni­gin. Hier ange­kom­men, gelingt es Ger­da, Kay vom Split­ter zu befrei­en, das Rät­sel zu lösen und ihm damit die Frei­heit zurückzuschenken.

«Er betrach­te­te sie, und sie sang […]. Da brach Kay in Trä­nen aus; er wein­te, dass das Spie­gel­körn­chen aus dem Auge schwamm, er erkann­te sie und jubelte […].»

Die Kraft der Lie­be «Die Schnee­kö­ni­gin» bie­tet alles, was man von einem Mär­chen erwar­tet: spre­chen­de Flüs­se, Blu­men und Tie­re, gute Men­schen eben­so wie Böse­wich­te, eine Prin­zes­sin, einen Fluch und damit die Umkehr des Guten ins Böse, die Lie­be, das Glück, den Glau­ben und am Ende schliess­lich die erwar­te­te Wen­de zurück zum Guten. In Ingrid Gün­dischs Insze­nie­rung zie­hen die Figu­ren und deren Schick­sal in Kom­bi­na­ti­on mit den zum Stau­nen arran­gier­ten Büh­nen­bil­dern (Büh­ne und Kos­tü­me: Hel­ke Has­se) die Zuschau­er mit­ten ins Gesche­hen hin­ein, las­sen sie nicht mehr los, bis Ger­da und Kay wie­der glück­lich ver­eint sind. Des Rät­sels Lösung, die Lie­be, die als Geheim­nis des Lebens ent­zif­fert wird, erlöst schliess­lich Kay und macht zugleich deut­lich, dass die Lie­be als unfass­ba­re Kraft und Macht der rei­nen Intel­lek­tua­li­tät eben­bür­tig gegen­über steht.

Foto: Annet­te Boutellier
ensuite, Janu­ar 2011



Newsletter

SPENDEN!

Einen Text gelesen und der hat gefallen? Spende per TWINT ein paar Franken - ohne Abo, aber mit gutem Gewissen. Geht doch auch.