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Japan hilft, Lon­don ist besser

Von Tat­ja­na Rüeg­seg­ger - Augen zu und durch, das war im Grun­de nicht ganz die Idee hin­ter dem M4Mu­sic-Inter­view mit 7 Dol­lar Taxi. Eigent­lich war alles toll geplant: Der Ein­stieg, die Zwi­schen­fra­gen und der Schluss. Bril­lant auf­ge­baut. Nur, wenn die Infos nicht ganz genau stim­men, dann ver­schiebt sich alles um ein paar Zen­ti­me­ter… wenn nicht Meter. Ein par­al­lel ver­scho­be­nes Inter­view mit Tizi­an, Chris­toph und César, drei der vier Luzerner.

Was man zuerst wis­sen muss: 7 Dol­lar Taxi, ursprüng­lich aus der schö­nen Stadt Luzern, unter­schrei­ben einen Plat­ten­ver­trag in Japan. Oder eher: Der Plat­ten­ver­trag ist in Japan, aber die Jungs waren selbst noch nie dort. Und so fällt der Ein­stieg des Inter­views ins Was­ser. Denn nach Japan steht bei der Band Lon­don an. Was in Japan nur wenig läuft soll­te in Lon­don abge­hen wie eine Rake­te: 7 Dol­lar Taxi gehö­ren, vom Gen­re her, zu der Art Musik, die dort auch in Radi­os gespielt wer­den. Was hier­zu­lan­de kaum denk­bar wäre. Doch bringt es wirk­lich was, nach Eng­land zu gehen, wenn da so oder so schon so vie­le Indie-Bands her­um­schwir­ren? Ha! Natür­lich, denn sie haben etwas, was alle ande­ren nicht haben: Sie kom­men aus der Schweiz, dem Land, wo Käse und Scho­ko­la­de auf den Bäu­men wächst. Und seit das «Tagi-Magi» 7 Dol­lar Taxi offi­zi­ell zu den «500 Bei­trä­gen der Schweiz zur Ver­bes­se­rung der Welt» gezählt hat, kann sie eh nichts mehr bremsen.

In Lon­don soll es für die Jungs rich­tig los­ge­hen. Doch so ein­fach ist das Gan­ze nicht. Der Plat­ten­ver­trag, den sie momen­tan gera­de am Aus­han­deln sind, wird ihr Leben ver­än­dern: Denn Haupt­punkt des Labels ist der fes­te Stand­ort der Band in London.

ensuite – kul­tur­ma­ga­zin: Lon­don, ein gros­ser Schritt. Ist da der Druck nicht rie­sig, um dort durch­zu­star­ten? Vor allem als nicht-eng­li­sche Band?

Chris­toph: Am Anfang dach­ten wir, es sei ein Nach­teil. Unter­des­sen ist es eigent­lich ein Vor­teil. Wenn du einen Hau­fen eng­li­scher Bands hast, die alle gleich tönen und du den Über­blick eh schon ver­lo­ren hast, dann kommt eine Band von Aussen…

César: Die haben sich auch nicht ange­fein­det. Ich habe mir die bri­ti­sche Musik­sze­ne viel chau­vi­nis­ti­scher vorgestellt.

Chris­toph: Zuerst haben wir uns gesagt: «Komm, wir sagen nicht, dass wir Schwei­zer sind.» Aber das bringt’s ja eigent­lich gar nicht, denn da kam der Gedan­ke, dass wir uns abgren­zen muss­ten von den andern, denn sonst bist du eben eins die­ser Massen-
pro­duk­te. Dar­um ist es eigent­lich gut, du bist Schwei­zer, «unver­braucht», bist aus dem Aus­land, aus dem Land, wo sie Uhren und Scho­ko­la­de machen…

Tizi­an: Eben, aber Druck eigent­lich nicht. Also, jetzt abge­se­hen von der Tat­sa­che, dass wir Schwei­zer sind, was ein klei­nes Hin­der­nis ist: Wenn du ein Team hast, das dich unter­stützt, an dich glaubt und auch Geld inves­tiert, wo’s nötig ist – in die­sem Moment gibst du das Gan­ze aus den Hän­den und wir müs­sen da nicht mehr viel tun.

Chris­toph: In der Schweiz, so wie jetzt hier, ist es ziem­lich ein­fach, einen gewis­sen Bekannt­heits­sta­tus zu errei­chen. Wenn du dran bleibst, hast du das recht schnell. In Eng­land hast du zwar einen län­ge­ren Weg, aber wenn du’s dort schaffst, dann hast du was. In der Schweiz bringt es dir nicht viel. Irgend­wann sagt man dir, mit die­sem Sound sei man nicht mas­sen­taug­lich. Du erreichst ein­fach nicht sehr vie­le. Aber wenn du in Eng­land durch bist: Dann hast du ein wenig was davon.

Wird man dann zur eng­li­schen Band?

César: Naja, also was heisst da schon eng­li­sche Band. Wenn man ernst­haft Musik macht, dann spielt man in Eng­land genau­so wenig wie in der Schweiz. Dann spielt man auch nicht zwei­mal in der Woche in London.

Tizi­an: Um uns als Eng­län­der aus­zu­ge­ben, tönen wir zu wenig bri­tisch. Abge­se­hen von den

Vocals… Aber vom Sound her sind wir teil­wei­se ziem­lich ame­ri­ka­nisch, Gara­ge… so The Stan­del­les, The Sonics… The Kinks…

Ähm…The Kinks!? (The Kinks, die ja Bri­ten sind)

Tizi­an: Jaja, also eben, Stan­del­les und Sonics.

César: Und… Also eine Schwei­zer Band zu sein, das heisst ja nicht, dass man die Hälf­te der Kon­zer­te hier spielt.

Tizi­an: Aber wir wer­den nicht ver­su­chen, uns als eng­li­sche Band zu verkaufen.

Chris­toph: Das sicher nicht. Die­se Bands, die, nach­dem sie in Ber­lin waren, plötz­lich zu «Ber­li­ner Bands» wer­den, das ist ein­fach lächer­lich. Wenn die dann zurück­kom­men und hier ein Kon­zert haben… das ist doch irgend­wie komisch.

Tizi­an: Schluss­end­lich ist auf dem Pass halt immer noch das rote Kreuz­chen drauf.

Chris­toph: Du meinst das weis­se Kreuzchen…

Dass die­ser Schritt nach Lon­don von den Taxis als ers­te gewagt wird, ist kein Zufall. In der unre­ge­mäs­sig (auf Basel und Luzern, unter­des­sen auch Baden und Zürich) ver­teil­ten Land­schaft der Schwei­zer Indie­sze­ne ragen die vier Luzer­ner her­aus. Falsch ist es nicht, wenn man sie als Pio­nie­re des Schwei­zer Indies unse­rer Gene­ra­ti­on bezeichnet.
Der Gedan­ke, nach Lon­don zu zie­hen, ist seit den Ver­hand­lun­gen des Ver­trags – unter­des­sen ein wenig mehr als sie­ben Mona­te – in den Köp­fen der vier Musi­ker. Aber die Ent­schei­dung fällt nicht leicht…

Chris­toph: So ein Ver­trag regelt dein gan­zes Leben. Das dau­ert eine Wei­le, ihn fer­tig zu stel­len. Schluss­end­lich hast du so ein Buch, in dem alles drin­steht was du darfst und so.
Tizi­an: Es ist ein stän­di­ges Hin und Her: Das Label schreibt eine Ver­si­on, schickt es sei­nem Anwalt, der es unse­rer Anwäl­tin schickt, die geht es dann mit uns durch, und… wir sind jetzt an der fünf­ten Ver­si­on inner­halb der letz­ten sie­ben Monate.

Doch egal, wohin das Taxi sie in Zukunft hin­fah­ren wird: Die Luzer­ner Band ist hier in der Schweiz zu Hause.

Tizi­an und César von Arx sind Brü­der, was man, Tizi­ans Mei­nung nach, nur schon der unüb­li­chen Vor­na­men wegen erra­ten kann. Der Song «The World is ending», wel­chen die meis­ten Fans schon aus­wen­dig kön­nen, wird auf der nächs­ten Plat­te zu fin­den sein, für die sie noch ein Label brau­chen. Tizi­an arbei­tet auch an sei­nem schon erfolg­rei­chen Solo­pro­jekt «One Lucky Sperm» Anhö­ren: Naked or Undressed.

Foto: zVg.
ensuite, Mai 2009