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Itz­hak Perl­man zum Achtzigsten

Itz­hak Perl­man kam am 31. August 1945 in Tel Aviv zur Welt; sei­ne Eltern waren aus Polen vor den Pogro­men geflüch­tet. Der klei­ne Itz­hak war schon sehr früh vom Klang der Gei­ge hin­ge­ris­sen. Die Tat­sa­che, dass er vier­jäh­rig an Kin­der­läh­mung erkrank­te, hat ihn nicht von sei­nem Wil­len abge­bracht, sein Leben die­sem Instru­ment zu widmen.

Mit 13 begibt er sich, von Isaac Stern dazu ermu­tigt, in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Der berühm­te Fern­seh­prä­sen­ta­tor Ed Sul­li­van lädt ihn als Gast in sei­ne Show ein, die zu den belieb­tes­ten Pro­gram­men des Lan­des gehört. Die Sen­dung, am 2. Novem­ber 1958 aus­ge­strahlt, wird zur Sensation.
Perl­man stu­diert an der Juil­li­ard School of Music in New York, sei­ne Leh­rer sind Ivan Gala­mi­an und Doro­thy DeLay, zwei der ein­fluss­reichs­ten Gei­gen­leh­rer ihrer Zeit.

So begann eine der glanz­volls­ten Musi­ker­kar­rie­ren, ein Sieg des Wil­lens über kör­per­li­che Behin­de­rung, der Tri­umph einer Per­sön­lich­keit, die neben stu­pen­der Vir­tuo­si­tät und tiefst emp­fun­de­ner Musi­ka­li­tät durch sein hier inten­si­ves, da poe­ti­sches Spiel, aber auch durch sei­nen Charme und sei­nen Humor beeindruckt.
Ein Vor­teil sind zwei­fel­los sei­ne gros­sen Hän­de. Aber auch sei­ne meis­ter­haf­te Beherr­schung von Vibra­to und Por­ta­men­to – genü­gend, aber nie zu viel – prägt sein Spiel.

Perl­mans Reper­toire ist rie­sen­gross; doch was beson­ders beein­druckt, ist sein Talent, für jeden Stil den rich­ti­gen Ton zu tref­fen. Von Bach – «ich schät­ze weder den Manie­ris­mus gewis­ser his­to­ri­scher Inter­pre­ta­tio­nen noch einen zu roman­ti­schen Stil» – über die gros­sen Vio­lin­kon­zer­te des XIX. Jahr­hun­derts bis zu den Meis­ter­wer­ken der Kam­mer­mu­sik. Aber auch die klei­nen vir­tuo­sen und amü­san­ten «Salon­stü­cke» lie­gen ihm, wobei die Vir­tuo­si­tät nie Selbst­zweck ist; Perl­man will nicht ein­fach bril­lie­ren. Dass er auch die­se kur­zen Pie­cen ernst nimmt, lässt sich z. B. im Mit­tel­teil der «Polo­nai­se bril­lan­te» op. 21 von Wie­niaw­ski erle­ben, wo Perl­mans glut­vol­ler Ton die «bril­lan­ce» ver­ges­sen lässt. Hand­kehrum kommt in den köst­li­chen «Sou­ve­nirs d’Amérique» von Vieux­temps, bestehend aus bur­les­ken Varia­tio­nen über «Yan­kee Dood­le», des Gei­gers Sinn für Humor voll zur Gel­tung. Die­sen Humor fin­den wir auch im ers­ten Teil einer DVD mit Schu­berts «Forel­len­quin­tett», wo Perl­man mit Pin­chas Zuker­man (Brat­sche), Jac­que­line du Pré (Cel­lo), Zubin Meh­ta (Kon­tra­bass!) und Dani­el Baren­bo­im an einer herr­li­chen musi­ka­li­schen Kla­mauk-Sze­ne teil­nimmt. Bewun­derns­wert, wie sie gleich anschlies­send eine ein­drück­li­che Auf­füh­rung die­ses Quin­tetts in der Queen Eliza­beth Hall (Lon­don) bieten!

Perl­man ver­fügt über eine klang­vol­le Bass-Stim­me, und er ist noch heu­te stolz dar­auf, dass er in einer «Tosca»-Aufnahme die win­zi­ge Rol­le des Schlies­sers sin­gen durfte.

Die Rei­se in die Welt sei­ner Ahnen ist ergrei­fend: Gegen Ende des XX. Jahr­hun­derts beschloss er, die Kles­mer­mu­sik zu erkun­den. Er griff auf Erin­ne­run­gen zurück, liess sich aber auch von eini­gen der bes­ten Kles­mer­grup­pen Ame­ri­kas lei­ten. Das ver­blüf­fen­de und begeis­tern­de Resul­tat lässt sich auf CDs und einer DVD erleben.

Ich kann mich an ein Kon­zert 1969 in der Lon­do­ner Roy­al Albert Hall erin­nern, das ich zusam­men mit mei­nem in Eng­land ansäs­si­gen Cou­sin besuch­te. Der Applaus war natür­lich gigan­tisch, und Perl­man muss­te immer wie­der auf die Büh­ne kom­men, an zwei Krü­cken, um sich zu ver­beu­gen. «Das ist grau­sam», bemerk­te mein Cou­sin, «man zwingt einen Lah­men zum Gehen.» Doch das Strah­len des Gei­gers zeig­te etwas ganz ande­res: Mut, Kraft, Stolz und Freu­de über das Erreich­te, über die Ver­wirk­li­chung in der Musik.

Leicht gemacht wird es heu­te allen, die sich eine Perl­man-Samm­lung anle­gen wol­len: «The Com­ple­te War­ner Clas­sics Recor­dings» umfasst 78 CDs, «The Com­ple­te Recor­dings on Deut­sche Gram­mo­phon» deren 25 …