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Insi­de Werbung

ensuite_154_Oktober_TitelVon Lukas Vogel­sang - Als Medi­en­un­ter­neh­men stel­len wir immer mehr fest, dass die Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen jähr­lich weni­ger in die Wer­bung inves­tie­ren. Zwar gilt längst als bewie­sen, dass die Print­me­di­en die erfolg­reichs­ten Wer­be­trä­ger sind, wäh­rend bei­spiels­wei­se im Online-Markt haupt­säch­lich die Wer­be­ver­mitt­ler ver­die­nen, die End­kun­den aber kaum erreich- und erfass­bar sind. Ich bin nach wie vor der Über­zeu­gung, dass das schlech­te Wer­be­ver­hal­ten der Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen die gröss­te Schuld am Weg­blei­ben des Publi­kums trägt. Ich habe lan­ge nach den effek­ti­ven Grün­den gesucht, und bin auf drei Phä­no­me­ne gestossen:

1. Die Wer­be­ver­ant­wort­li­chen der Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen sind sehr jung und haben sehr wenig Wer­be-Know­how. Oft­mals macht das ein­fach jemand, damit die Arbeit erle­digt ist. Aber die Wirk­sam­keit wird nicht kon­trol­liert. Man hat ein Bud­get und tut damit was man kann – sehr oft auf ein­zel­ne Pro­jek­te bezo­gen, und nicht mit Nachhaltigkeit.

2. Dadurch, dass die pri­va­ten Spon­so­ren heu­te rar sind, die Wirt­schaft kaum noch im Kul­tur­sek­tor zu fin­den ist, wird eine grös­se­re Kul­tur­in­sti­tu­ti­on haupt­säch­lich durch öffent­li­ches Geld sub­ven­tio­niert. Die Kul­tur­sub­ven­ti­ons­ge­ber sind nicht dar­an inter­es­siert, wie wirk­sam ein Wer­be­bud­get umge­setzt wird. Dass oft­mals nur die eige­nen Pro­gramm­hef­te damit gedruckt wer­den inter­es­siert nie­man­den. Pla­ka­te wer­den lokal an den wich­tigs­ten Stel­len gehängt, aber das genügt nie, um ein gros­ses Publi­kum zu errei­chen. Frü­her for­der­te die Wirt­schaft eine ent­spre­chend pro­fes­sio­nell gene­rier­te Wahr­nehm­bar­keit. Es feh­len auch die Wirt­schafts­netz­wer­ke im Kulturmarketing.

3. Ein gros­ses Pro­blem aber ist die «Kul­tur- und Kunst­ver­mitt­lung». Unter die­sem Begriff wer­den Pro­gram­me geschaf­fen für Schu­len oder Senio­rIn­nen, für punk­tu­el­le Grup­pen. Der Witz: Für die­se Pro­gram­me wer­den zusätz­li­che Sub­ven­ti­ons­gel­der ange­fragt. Das läuft unter der Spar­te «Bil­dung». Die Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen zei­gen der Sub­ven­ti­ons­ge­be­rIn dann jeweils auf, was sie alles an Wer­bung tun – und zei­gen die Ver­mitt­lungs­pro­jek­te auf. Doch damit wur­de kein Publi­kum beworben.

Auch Kul­tur­wer­bung muss sich in einem Wert­schöp­fungs­kreis­lauf bewe­gen. Man wirbt, damit bei­spiels­wei­se die Medi­en ihre Arbeit machen und jour­na­lis­ti­sche Arti­kel über das Kul­tur­ge­sche­hen schrei­ben kön­nen. Dies wie­der­um bringt Publi­kum zu den Insti­tu­tio­nen, und damit auch das öffent­li­che Inter­es­se. Heu­te wol­len die Insti­tu­tio­nen nichts mehr geben. Sie ver­lan­gen, dass man sie gra­tis bekannt macht, ihr Wir­ken breit öffent­lich publi­ziert. Man will aber an «unse­re» Lese­rIn­nen gelan­gen – und wir wer­den von Tau­sen­den von Mails täg­lich über­flu­tet –, und natür­lich sol­len wir nur «Gutes» berich­ten. Sonst wird noch sanktioniert.