Bild: Filmstill: Carrie Frances Fisher (Oktober 21, 1956 - Dezember 27, 2016)

Ing­ram, Insta­gramm, und Incel-Wichser!

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Die neue ‹Star Wars›-Serie auf Dis­ney+, die sich mit dem Schick­sal des Yedi-Ein­sied­lers Obi Wan Kenobi zwi­schen Teil III und Teil IV der Ster­nen­sa­ga befasst, hat ein­mal wie­der die Trol­le aus dem Gebüsch der sozia­len Netz­wer­ke gelockt. Natür­lich, Trol­le, von ras­sis­tisch bis miso­gy­nis­tisch haben in den aso­zia­len Medi­en ein wun­der­ba­res Heim gefun­den, einen Ort, an dem sie, meist anonym, ihre Unsi­cher­heit, ihren Selbst­hass und die dar­aus genähr­te Ver­ach­tung für alles, was nicht ihren ver­krüp­pel­ten Idea­len ent­spricht, angrei­fen und zumin­dest ver­bal Niedermachen.

Das aus­ge­rech­net Star Wars, die­ses viel­fäl­ti­ge Mär­chen­uni­ver­sum vol­ler ein­fach gestrick­ter Geschich­ten, eine beson­ders üppig spries­sen­de Wie­se die­ser Blu­men des Blö­den und Bösen ist, ist recht traurig.

Wenn in einem Uni­ver­sum, in dem Bett­vor­le­ger (hey, Prin­zes­sin Leia nann­te Chew­bac­ca so) Hel­den und Prin­zes­sin­nen har­te Gene­ra­le sein kön­nen, sich soge­nannt Fans auf Insta­gram über eine schwar­ze Frau zu ner­ven und ras­sis­ti­schen Mist über die Dar­stel­le­rin aus­schüt­ten, ist das jäm­mer­lich, ekel­haft und wider­lich. Doch das hat lei­der schon lan­ge Tra­di­ti­on: John Boye­ga, Kel­ly Marie Tran und selbst die weis­se Dai­sy Rid­ley wur­den von Fans fer­tig gemacht, wobei Sexis­mus, Ras­sis­mus, oder bei­des den Boden für die­ser Abson­de­run­gen bil­de­te, wäh­rend die Leis­tun­gen der Dar­stel­ler unwich­tig blieben.

Dabei ist Star Wars bei wei­tem nicht die ein­zi­ge Enter­tain­ment-Gala­xie wo Hass gegen Frau­en und Min­der­hei­ten, sei­en die­se nun eth­ni­scher, sexu­el­ler oder gesell­schaft­li­cher Natur, ver­sprüht wird. Sol­che Men­schen wer­den regel­mäs­sig mit bös­ar­ti­ger Freu­de von Schwär­men zor­nig hass­erfüll­ter, fast immer männ­li­cher, Trol­le aufs wider­lichs­te attackiert.

Öffent­lich sicht­ba­re Frau­en, die sich nicht als devo­tes Hascherl insze­nie­ren, kön­nen davon aus­ge­hen, bei jedem pro­mi­nen­ten Auf­tritt mit Sicher­heit vor allem von Incels atta­ckiert zu wer­den. Wobei man­che die­ser Incels es nicht bei ver­ba­len Atta­cken bewen­den las­sen: Schon meh­re­re Male kam es durch sol­che Indi­vi­du­en zu Mas­sen­mor­den, die Frau­en zum Ziel hat­ten, wobei auch viel­fach Män­ner unter den Opfern des wahl­los zor­ni­gen Mor­dens waren.

Falls sich der/die Lese­rIn fragt, was denn ein Incel ist: Incel steht für ‹Invol­un­t­a­ry Celi­ba­te›, also unfrei­wil­lig zöli­ba­t­är. Sprich, Sin­gles wider wil­len. Und nur Män­ner. Dabei sehen die­se die Schuld für ihren Man­gel an sexu­el­len Kon­tak­ten fast über­all: bei den Frau­en, beim Femi­nis­mus, in den Medi­en, aller­dings ganz sicher nicht bei sich selbst. Im Gegen­teil: Sie betrach­ten sich selbst meist als prak­tisch per­fek­te Indi­vi­du­en, die Opfer der Welt sind. So hielt sich Elli­ot Rod­ger, ein 22-Jäh­ri­ger für den ‹per­fect Gen­tle­man› und ‹the clo­sest thing the­re is to a living God›, der aber noch nie ein Mäd­chen geküsst hat­te. Dies schrieb Rod­ger 2014 in einem Mani­fest, bevor er auf einen Amok­lauf ging, auf dem er drei Men­schen erschoss, drei ande­re erstach und 14 wei­te­re mit Schüs­sen ver­letz­te. Er schloss sein lar­moy­an­tes Mani­fest mit den Wor­ten: «Ich bin das wah­re Opfer in all dem. Ich bin der gute Typ.»

Rod­ger wur­de mit die­sen Taten und dank sei­nes Mani­fes­tes zum Hel­den der Incel-Bewe­gung. Das ist nicht wirk­lich erschre­ckend, es ist viel mehr depri­mie­rend und ent­lar­vend, denn jeder, der die­se Aus­sa­gen mit wachem Ver­stand anschaut, rea­li­siert, dass Incel eigent­lich nichts ande­res als Wich­ser! bedeu­tet. Und zwar im nega­tivs­ten Sin­ne. Dar­um auch das Ausrufezeichen.

Natür­lich ist nicht jede/r der wichst auch ein/e Wichser/in!. Denn echt, so gut wie jeder und jede holt sich in gewis­sen Pha­sen des Lebens regel­mäs­sig eins run­ter. Dies ist so banal wie wahr, beschert der Zell­stoff­in­dus­trie jedes Jahr siche­re Umsät­ze und hat in jün­ge­rer Zeit eine boo­men­de Sex-Toy-Indus­trie erblü­hen las­sen. Doch nur einer klei­nen Min­der­heit fällt es ein, sich anhand des­sen, dass die eige­ne domi­nan­te Hand die ein­zi­ge Lieb­ha­be­rin ist, zu definieren.

Beson­ders unter jun­gen Erwach­se­nen gibt es vie­le, bei denen bio­lo­gi­scher Trieb und sozia­le Unrei­fe eine schmerz­haf­te Kom­bi­na­ti­on erge­ben. Jene, die sich vor dem Inter­net in die­ser Situa­ti­on befan­den, hat­ten nur zwei Mög­lich­kei­ten: Als Mensch wach­sen, ler­nen und so durch gewon­ne­ne sozia­le Kom­pe­tenz begeh­rens­wer­ter für mög­li­che Part­ner der eige­nen sexu­el­len Prä­fe­renz zu wer­den, oder zu sta­gnie­ren und im Elend des Selbst­mit­leids zu ver­schrum­peln. Heu­te gibt es dazu die Mög­lich­keit Nr. 3: Sich online mit ande­ren unbe­frie­digt-selbst­zu­frie­de­nen (das über­haupt men­tal hin­zu­krie­gen ist ja schon fast beein­dru­ckend… aber nur fast), aber tief gekränk­ten und frus­trier­ten Typen (die Incel-Bewe­gung ist nun mal fast total männ­lich) in einem vir­tu­el­len Troll-Mob zu ver­ei­nen und allen ande­ren (Frau­en, Medi­en, nicht emo­tio­nal zurück geblie­be­nen Men­schen) die Schuld für das EIGENE Leben zu geben. Die­se mit einem über­höh­ten Selbst­bild (sie­he Rod­gers Selbst­ein­schät­zun­gen) kom­bi­nier­te bit­te­re Frus­tra­ti­on macht die­se Men­schen zu Wichs­ern!, und zwar pri­mär, nicht sekun­där, ter­ti­är oder quar­tär wie bei ‹nor­ma­len› Menschen.

Die­ses grös­sen­wahn­sin­ni­ge Selbst- und somit Män­ner­bild fin­det sich spas­si­ger­wei­se auch bei rechts­extre­men Bewe­gun­gen wie­der. Es fin­den sich hier wie dort Anti­fe­mi­nis­mus, extre­me Miso­gy­nie, die Behaup­tung, Män­ner wür­den sys­te­ma­tisch benach­tei­ligt und dass Sexis­mus nicht exis­tie­re. So darf es nicht wun­dern, wenn sich die trü­ben Brü­hen die­ser Ideo­lo­gie-Pools nur all­zu leicht mischen und sich Ver­satz­stü­cke, die eigent­lich nicht die Boh­ne was mit deren Gewich­se zu tun hat, auch zu den Incels rüber schwap­pen. So auch Ras­sis­mus, Frem­den­hass und der Anspruch, dass Popu­lär­kul­tur ihnen (den Incels und Rechts­extre­men) gehö­re und ihren ‹Idea­len› zu ent­spre­chen habe.

Womit wir wie­der bei Obi-Wan, Mo Ing­ram und dem Shit­s­torm gegen die­se Schau­spie­le­rin sind: Ja, wir haben es hier mit einem Auf­schrei der Wich­ser! zu tun, die, weil es gleich auch noch rein­passt und mit ihrem nicht vor­han­de­nen Gefühl für Anstand ein­her­geht, neben der Sexis­mus- auch die Ras­sis­mus­kar­te aus­spie­len. Clas­sy, guys!

Da selb­st­ab­sor­bier­te Wich­ser! natür­lich nicht auch nur ein Quänt­chen Empa­thie in sich tra­gen, küm­mert es sie natür­lich auch nicht, wie ver­let­zend und abstos­send ihre Kom­men­ta­re sind und dass sie sich mit jedem sol­chen Post in ihrer Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung wei­ter von der Chan­ce weg ent­fer­nen, jemals eine ech­te, befrie­di­gen­de inti­me Bezie­hung haben zu kön­nen. An die Opfer sol­cher Troll-Atta­cken kann man als Trost eigent­lich nur wei­ter­ge­ben: Ja, es ist häss­lich, was da pas­siert, es ist wider­lich, was da steht und es tut wirk­lich weh. Aber hey, was sonst kann von sol­chen Wichs­ern! denn sonst erwar­tet werden?

Wich­ser! eben.

Bild: Die 2016 ver­stor­be­ne Car­rie Fisher als Prin­zes­sin Leia.



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