Guar­di­ans of the Galaxy

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Es ist wohl der Hüft­schwung von Peter Quill, der das Uni­ver­sum vor der Ver­nich­tung ret­tet – oder aber sei­ne etwas eigen­wil­li­ge Inter­pre­ta­ti­on eines Songs aus den 80er-Jah­ren. Bei­des jeden­falls ist umwer­fend. Bei­des ein klit­ze­klei­nes biss­chen exzen­trisch. Und bei­des lenkt den Böse­wicht Ronan lan­ge genug ab, damit Peters Kol­le­gen vom bun­ten Trupp der «Wäch­ter der Gala­xie» gera­de noch recht­zei­tig ein­grei­fen kön­nen, bevor der Pla­net Xan­dar und sei­ne durch und durch anstän­di­gen Bewoh­ner zer­stört werden.

Aber gehen wir in der Geschich­te von «Guar­di­ans of the Gala­xy», dem neu­es­ten Wurf aus den Mar­vel Film Stu­di­os, etwas zurück. Es ist 1988, und die Mut­ter des klei­nen Peter Quill ist gera­de gestor­ben, als er von einem gigan­ti­schen Raum­schiff ent­führt wird. 26 Jah­re spä­ter hat sich Quill (Chris Pratt) zu einem feschen, fre­chen, durch und durch von sich über­zeug­ten Welt­raum­aben­teu­rer gemau­sert, der sich ger­ne Star-Lord nennt und gera­de dabei ist, auf irgend­ei­nem Pla­ne­ten eine ganz beson­ders wert­vol­le Kugel zu steh­len. In der Fol­ge sind ihm nicht nur eine Rei­he ande­rer Räu­ber unter der Lei­tung von Yon­du (ein wun­der­ba­rer Micha­el Roo­ker) auf den Fer­sen, son­dern auch die Vor­hut des Super­bö­se­wichts Ronan (Lee Pace), der die ver­steck­te Super­kraft der Kugel dazu miss­brau­chen möch­te, gan­ze Pla­ne­ten aus­zu­lö­schen. Und da Quill ja an sich ein anstän­di­ger Jun­ge ist, tut er sich mit eini­gen son­der­ba­ren Gestal­ten zusam­men, um, wie Ein­gangs erwähnt, das Uni­ver­sum vor der Zer­stö­rung zu bewahren.
Es dau­ert aller­dings etwas, bis sich die zukünf­ti­gen Wäch­ter der Gala­xie im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes zusam­men­ge­rauft haben. Da ist zum einen die gene­tisch mani­pu­lier­te, grün­häu­ti­ge Super­kil­le­rin Gamo­ra (Zoe Sald­a­na). Dann der gene­tisch mani­pu­lier­te Wasch­bär Rocket (im Ori­gi­nal gespro­chen von Brad­ley Coo­per). Ein wie auch immer ent­stan­de­ner spre­chen­der Baum namens Groot (Vin Die­sel). Sowie der Zer­stö­rer Drax (Dave Bau­tis­ta), der sich an Ronan für den Tod sei­ner Fami­lie rächen will. Und wie es sich für einen rich­ti­gen Anfüh­rer gehört, ver­fügt auch Quill über beson­de­re Fähig­kei­ten, denn ein hun­dert­pro­zen­ti­ger Mensch von der Erde wür­de das alles eigent­lich gar nicht aushalten.

Nun ist die­se Sor­te Geschich­te ja nicht neu. Sie ist nicht ein­mal beson­ders ori­gi­nell. Doch nach der gefühl­ten Dau­er­be­rie­se­lung der letz­ten Jah­re durch Super­hel­den wie Iron­man, die X‑Men, Spi­der­man, Thor, Hulk oder Cap­tain Ame­ri­ca, tut die­se eher unkon­ven­tio­nel­le neue Trup­pe gut. Denn in «Guar­di­ans of the Gala­xy» geht es weni­ger um rasan­te Raum­schiff­schlach­ten und krea­ti­ve Zeit­rei­sen als um die Bezie­hung zwi­schen ver­schie­de­nen Spe­zi­es, um Freund­schaft und ande­re ech­te Emo­tio­nen. Und dass gera­de ein Wasch­bär und ein Baum dabei für die bes­ten, manch­mal anar­chi­schen Dia­lo­ge zustän­dig sind, macht den Film umso unterhaltsamer.

Und genau das ist «Guar­di­ans of the Gala­xy»: Bes­tens gemach­te Pop­corn-Unter­hal­tung mit viel Herz, Humor und küh­nen Spe­zi­al­ef­fek­ten, die sich aber zu kei­nem Zeit­punkt wirk­lich so furcht­bar ernst nimmt wie ande­re Bei­spie­le des Gen­res. Der Film wird die Welt nicht erschüt­tern oder ver­än­dern. Aber sein Charme und sein sen­sa­tio­nel­ler, in die Hüf­ten fah­ren­der Sound­track direkt aus den 80er-Jah­ren kön­nen einen für zwei unge­mein kurz­wei­li­ge Stun­den ver­ges­sen las­sen, wel­chen Schla­mas­sel wir auf der Erde vor unse­rer eige­nen Haus­tü­re haben. Das ein­zi­ge Bedau­erns­wer­te nach dem Abspann, den es wie immer bei Mar­vel abzu­war­ten lohnt, ist, dass der Film bereits zu Ende ist.

Es wäre aber auch nicht Mar­vel, wenn nicht bereits eine Fort­set­zung geplant wäre, wie­der unter der Lei­tung von Regis­seur und Ko-Autor James Gunn. In die­sem Fal­le darf man aber beru­higt auf eine wei­te­re irr­wit­zig komi­sche Umset­zung der Comic­vor­la­gen aus den Jah­ren 1969 und 2008 gespannt sein. Denn «Guar­di­ans of the Gala­xy» ist ein­deu­tig nur für das Auf­wär­men der Lach­mus­keln gedacht.

«Guar­di­ans of the Gala­xy», USA 2014. Regie: James Gunn. Län­ge: 120 Minu­ten. Seit dem 28. August 2014 in Deutsch­schwei­zer Kinos.


Bild: Film­still aus «Guar­di­ans of the Gala­xy», USA 2014. zVg.

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 141, Sep­tem­ber 2014



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