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Gros­se Fra­gen stel­len und ein Buch schreiben

(Von Flo­ri­an Imbach) – Wo und in wel­cher Form fin­det Kunst statt? Wie wird dabei Wis­sen ver­mit­telt und wel­cher Aus­tausch kommt zustan­de? Sicher nicht die ein­fachs­ten Fra­gen, die sich eine Künst­le­rin stel­len kann. Lucie Kolb und Romy Rüeg­ger nimmt aber genau das Wun­der. Sie orga­ni­sier­ten erst Vor­le­sungs-Per­for­man­ces an der ZHdK, eine Mischung zwi­schen Vor­le­sung und Per­for­mance, und haben so ein Stück weit ihre Neu­gier befrie­digt. So rich­tig, rich­tig zufrie­den­stel­len konn­ten die­se Vor­le­sun­gen sie aber nicht und da kam die Idee mit dem Buch.

Das Buch als Raum für Kunst, als Ort wo Künst­ler über ihre Arbeit nach­den­ken kön­nen. Romy und Lucie haben Men­schen aus der Kunst­sze­ne ein­ge­la­den, bei ihrem Buch­pro­jekt mit­zu­ma­chen. «Das Buch ist ein künst­le­ri­sches Medi­um aber auch ein super For­mat, um Leu­te mit­ein­an­der in Ver­bin­dung zu brin­gen», sagt Romy. Die bei­den Künst­le­rin­nen fun­gie­ren als Her­aus­ge­be­rin­nen und auf eine Art auch als Kura­to­rin­nen ihrer Aus­stel­lung in Buch­form. Auf dem Buch­de­ckel prangt der Einladungstext:

WE WOULD LIKE TO LEARN AND WE ARE WORKING ON A BOOK
THIS BOOK IS A CLASSROOM. We invi­te you to play this class­room tog­e­ther with us.

Dazu Romy: «Die Zugän­ge und Ant­wor­ten der Bei­tra­gen­den sind alle sehr indi­vi­du­ell und teils in engem Aus­tausch mit uns erar­bei­tet. Toll ist, dass ganz unter­schied­li­che Künst­le­rin­nen und Theo­re­ti­ke­rin­nen dabei sind.» Neben dem Ein­la­dungs­text ste­hen die Leit­fra­gen von Romy und Lucie, die das Buch wort­wört­lich rahmen.

Beim Durch­blät­tern merkt der Leser rasch: Stel­le ver­schie­de­ne Men­schen vor eine Auf­ga­be, lade sie ein mit­zu­ma­chen, und du kriegst total ver­schie­de­ne Ant­wor­ten. Wie die Künst­le­rin­nen und Autorin­nen mit ihrem gege­be­nen Platz und den gege­be­nen Ein­schrän­kun­gen umge­hen, wel­che Fra­gen sie inter­es­sie­ren und wel­che nicht. Wie sie auf ihre eige­ne Arbeit Bezug neh­men, wie sie ihren Bei­trag ein­ord­nen. Die Künst­le­rin Andrea Thal etwa schreibt in ihrem Bei­trag, einem Brief aus Kai­ro: «I’ve been in Cai­ro for some months now and this fact has beco­me impos­si­ble to igno­re as it mingles with my initi­al vague inten­ti­on to wri­te some­thing and reminds me that it is impos­si­ble to pur­sue this goal wit­hout cogni­zan­ce of my pre­sent location.»

Es geht Lucie und Romy mit ihrem Buch um mehr als eine Ver­suchs­an­la­ge und um mehr als die Befrie­di­gung ihrer Neu­gier. «Der Aus­tausch mit ande­ren Künst­lern ist eine super Gele­gen­heit für mich als Künst­le­rin», sagt Romy. Und die­ser Aus­tausch fin­det auch im Buch statt. Nach­dem alle Ein­ge­la­de­nen ihren Inhalt gelie­fert hat­ten, wur­den sie wie­der­um gebe­ten, auf die Arbeit einer ande­ren ein­zu­ge­hen und die­se zu kom­men­tie­ren, sich mit ihr aus­ein­an­der­zu­set­zen. Dar­aus ent­steht ein Dia­log unter Künst­le­rin­nen und Sach­ver­stän­di­gen, der Bezug nimmt aber auch für sich wie­der als Objekt im Raum steht.

Aus­tausch und Wis­sens­ver­mitt­lung in der Kunst und als Teil oder viel­leicht gar Auf­ga­be von Kunst: «Die Kunst­aus­bil­dung wird immer aka­de­mi­scher, im Ver­gleich mit ande­ren aka­de­mi­schen Stu­di­en­rich­tun­gen ist bei uns aber der Aus­tausch viel weni­ger insti­tu­tio­na­li­siert.» Mit dem Buch wol­len die bei­den auf dies auf­merk­sam machen und eben ganz gross und ganz ein­fach der Fra­ge nach­ge­hen, wel­cher Aus­tausch in der Kunst stattfindet.

Romy und Lucie als Her­aus­ge­be­rin­nen stel­len Wis­sen zur Ver­fü­gung, geben Ein­blick in Gedan­ken von Kunst­schaf­fen­den und Kunst­ver­stän­di­gen. Sie kre­ieren eine Aus­tausch­form, die von jeder und jedem gele­sen wer­den kann, und auch gele­sen wer­den soll: «Wir wol­len, dass die Leu­te das Buch kau­fen. Wir haben auch dar­auf geach­tet, güns­tig zu pro­du­zie­ren, dass sich jeder unser Buch leis­ten kann. Das gehört zum Konzept.»

Eine Aus­wahl der Beiträge:
Andrea Thal, die Les Com­pli­ces* in Zürich betreibt, hat einen Brief aus Kai­ro geschrie­ben / Dan­na Vaj­da aus Van­cou­ver wirkt als Künst­le­rin zur­zeit in New York. Sie beschreibt den Irr­sinn des ETCS-Punk­te-Sys­tems aus nord­ame­ri­ka­ni­scher Sicht / Fal­ke Pis­a­no, hol­län­di­sche Künst­le­rin in Ber­lin, hat aus einer eige­nen Publi­ka­ti­on eini­ge Sei­ten aus­ge­wählt und die­se mit Comics über­klebt und wie­der ein­ge­scannt / Iri­na Dumit­res­cu, Assis­tenz­pro­fes­so­rin in Dal­las Texas, kon­tex­tua­li­siert anhand der Geburts­stät­te Michel Fou­caults und der Weih­kir­che Jean­ne d‹Arcs das Wort «scho­la» ethy­mo­lo­gisch und his­to­risch / Karl Lars­son, ein schwe­di­scher Künst­ler und Lyri­ker, hat ein Gedicht zu «stan­ding up» geschrie­ben / Eva Eger­mann und Elke Kras­ny aus Wien dis­ku­tie­ren in ihrem Bei­trag über den „class­room“ als Raum für phan­ta­sie­vol­les Denken.

Der Book­launch fin­det am 19. Novem­ber bei Les Com­pli­ces* in Zürich statt: Anwand­stras­se 9, 8004 Zürich. Mit Live-Bei­trä­gen von Uri­el Orlow und Riik­ka Tau­ria­i­nen. Wei­te­re Daten für Book­laun­ches in Luzern, Basel, Ber­lin, Wien und ande­re Orte wer­den über die Web­sei­te HYPERLINK «http://www.withwith.ch» t «_blank» www.withwith.ch angekündet.