EDITORIAL Nr. 78/79 Bern

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Von Lukas Vogel­sang – Mit dem über­wäl­ti­gen­den JA! für den Künst­ler-PRO­GR hat Bern kul­tur­po­li­tisch ein Zei­chen gesetzt: Die­ses JA! hat eine kul­tu­rel­le Bewe­gung for­miert und gleich­zei­tig die­se Bewe­gung der Stadt­po­li­tik ent­zo­gen: Der PROGR ist «pri­va­ti­siert», sozu­sa­gen. Die öffent­li­chen Kul­tur­kon­zep­te haben auf den PROGR kei­nen Ein­fluss mehr, wie auch die gesam­ten zukünf­ti­gen poli­ti­schen Interventionen.

Das ent­hält natür­lich eine gewis­se Bri­sanz. Ich habe nicht Angst, dass der PROGR mit der Finan­zie­rung Pro­ble­me haben wird. Was einem sel­ber gehört, das erhält mehr Herz­blut, und es macht jetzt für Aus­sen­ste­hen­de Sinn, in den PROGR zu inves­tie­ren. Die Gefahr lau­ert sodann auf einer ande­ren Sei­te: Aus dem Pro­vi­so­ri­um frei­ge­las­sen, kann der PROGR jetzt los­le­gen und sei­ne Magnet­kraft ver­stär­ken. Das wer­den die ande­ren Kul­tur­ver­an­stal­ter zu spü­ren bekom­men – just jene, die sub­ven­tio­niert sind. Und so wird die Dyna­mik des PROGR wie ein Schat­ten über die­sen liegen…

Einen lan­gen Schat­ten wirft aber auch die Dis­kus­si­on um das Ber­ner Bal­lett. Weiss der Him­mel, was für eine Schnaps­idee es ist, ein Bal­lett zu opfern, nur um ein biss­chen Geld spa­ren zu wol­len – obwohl alle wis­sen, dass es ein Trug­schuss ist. Anstatt gewa­schen, wer­den stin­ken­de Socken ein­fach weg­ge­wor­fen. Die Stadt­thea­ter-Füh­rungs­kräf­te, und dabei mei­ne ich die Admi­nis­tra­to­rIn­nen, füh­ren sich auf wie die Kapi­tä­ne eines sin­ken­den Schif­fes: Sie sprin­gen erst ganz am Schluss. Die­se Poli­tik zeigt vor allem auf, wie phan­ta­sie­los, wirt­schafts­fremd und unin­ter­es­siert die Lei­tung vom Stadt­thea­ter Bern an ihrem Thea­ter ist. Dabei zeigt gera­de eine PRO­GR-Abstim­mung den wah­ren BernerInnen-Willen.

Mit viel Wil­len bau­en wir zur Zeit das ensuite – kul­tur­ma­ga­zin neu auf. Mit der Num­mer 80 (August) wol­len wir ein Zei­chen gegen den media­len Zer­fall der Kul­tur­me­di­en set­zen. Die «Ber­ner Zei­tung» macht auf Pro­mi-Bild­li, «Der Bund» wird zum Snob-Tagi, der Tagi-Züri­tipp ist zu kom­mer­zi­ell und die «NZZ» hat auf­ge­ge­ben. Zeit, dass die Medi­en Kul­tur wie­der erns­ter nehmen.


Foto: zVg.

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 78/79 Bern, Juni/Juli 2009



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