EDITORIAL Nr. 68 Zürich

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Von Lukas Vogel­sang – Dass Zürich sich in Sachen Kul­tur­kom­mu­ni­ka­ti­on sehr schwer tut, habe ich bis­her schon öfters erwähnt. Ganz schlimm wird’s aber im Som­mer. Da erlischt jeg­li­cher Fun­ken und man hat zuwei­len das Gefühl, die Stadt sei gestor­ben. Es tut gut, wenn ein Thea­ter-Spek­ta­kel die­se Toten­star­re mit einem volu­mi­nö­sen Pro­gramm aus den Socken haut. Trotz­dem, ensuite ist seit einem Jahr in Zürich und es ist erstaun­lich, wie wenig die­se Stadt bereit ist, Impul­se auf­zu­neh­men. Viel Bla­bla, aber wenig Inhalt ist man ver­sucht zu sagen.

Nach der Kom­merz-Rum­mel-EURO08 (kann sich noch jemand erin­nern?) und den paar Son­nen­strah­len ist die Zeit also wie­der reif für Kul­tu­rel­les. Beim Schmö­kern bin ich in den Unter­la­gen über das Menu­hin Fes­ti­val in Gstaad auf ein Inter­view mit Ange­li­ka Kirch­schla­ger gestos­sen. Sie erzählt dar­in: «Für mich ist die Ope­ret­te eine Insel, ein Stück Kind­heit, wo die Welt noch in Ord­nung ist. Das ist Musik, die die Men­schen auf­baut, aber erstaun­li­cher­wei­se ist es gera­de das, was heu­te ver­pönt wird. Oder ken­nen Sie ein zeit­ge­nös­si­sches Stück, aus dem die Leu­te eupho­risch und mit neu­er Kraft nach Hau­se gehen wie nach einer Beet­ho­ven-Sym­pho­nie?» Etwas spä­ter steht da: «Wenn ich in ein Kon­zert mit zeit­ge­nös­si­scher Musik gehe, wer­de ich zum Nach­den­ken gezwun­gen, wer­de ich mit einer knall­har­ten, unbe­que­men Rea­li­tät kon­fron­tiert. Zeit­ge­nös­si­sche Musik inter­es­siert mich, weil ich neu­gie­rig bin, aber sie gibt mir kei­ne Kraft, sie baut mei­ne See­le in kei­ner Form auf. Was die gros­sen Kom­po­nis­ten wie Schu­bert, Mozart, Bach, Beet­ho­ven dage­gen konn­ten, war die­ses ganz tief Mensch­li­che aus­zu­drü­cken. Gott sei Dank kön­nen wir heu­te bei­des. Wir kön­nen in ein zeit­ge­nös­si­sches Kon­zert gehen, um uns die Pro­ble­me der Welt anzu­hö­ren, doch Mozart zeigt uns, wie wir als Men­schen aus­schau­en. Und dass dann doch noch Hoff­nung da ist.» Mehr muss man dazu nicht sagen – die­se Sät­ze «den­ken» von sel­ber weiter…

Wir expe­ri­men­tie­ren wie­der mit dem Lay­out von ensuite her­um. Natür­lich sind wir gespannt auf Reak­tio­nen und hof­fen, dass die Ideen Anklang fin­den. In die­sem Sin­ne wün­sche ich eine span­nen­de neue Kultursaison.


Foto: zVg.

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 68 Zürich, August 2008



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