EDITORIAL Nr. 65 Bern

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Von Lukas Vogel­sang – Der Pro­gr soll auf Wunsch des Kul­tur­se­kre­tärs Chris­toph Rei­chen­au min­des­tens noch ein Jahr, bis zum Bau­be­ginn der noch zu defi­nie­ren­den Lösung des Pro­gr-Gebäu­des, blei­ben kön­nen. Sicher ein ver­nünf­ti­ger Vor­schlag, denn ein gros­ses Pro­blem bleibt bestehen: Wohin gehen all die­se Ate­liers und Büh­nen, wenn das Gebäu­de kul­tu­rell geschlos­sen wird? Gibt es in der Stadt Bern noch einen so attrak­ti­ven Ort oder gibt es über­haupt irgend­wo noch Ate­lier­räu­me? Durch das Zen­tra­li­sie­ren der «Ber­ner Kul­tur­sze­ne» ist die Stadt Bern eine unaus­ge­spro­che­ne Ver­ant­wor­tung ein­ge­gan­gen: Sie muss zur Erhal­tung einer Kunst­be­we­gung den Werk­raum auch nach dem Pro­gr-Zeit­al­ter gewähr­leis­ten kön­nen – die­se For­de­rung darf gestellt wer­den. Wer schon mal ein Ate­lier gesucht hat, wel­ches für Künst­ler noch zahl­bar ist, der wird ins Grü­beln kom­men. Jetzt, wo sich alles ein­ge­spielt hat, wo sich eine sozia­le Gemein­schaft gebil­det und eta­bliert hat, wird es schwie­rig sein, Adäqua­tes anbie­ten zu kön­nen. Doch etwas Neu­es zu fin­den, ist in ers­ter Linie die Auf­ga­be der Stadt­po­li­ti­ker, denn die haben das Ver­spre­chen gege­ben. Und es wird kei­ne Lösung sein, wenn wir unser kul­tu­rel­les Epi­zen­trum an den Rand der Stadt ver­wei­sen wer­den. Mir bren­nen die Fin­ger­nä­gel, denn ich habe die schlech­te Vor­ah­nung, dass bis jetzt noch nie­mand weiss, wo man in Bern einen «zwei­ten Pro­gr» auf­bau­en könnte.

In die­sem Zusam­men­hang kann man auch gleich die Dis­kus­si­on um das Korn­haus­fo­rum in die Run­de wer­fen. 125‘000 Fran­ken braucht’s, um den Grund­be­trieb finan­zie­ren zu kön­nen und damit einen Kul­tur­be­trieb auf­recht­zu­er­hal­ten, der viel­leicht als Büh­nen­er­satz für die Pro­gr-Büh­nen gel­ten könn­te. Es ist natür­lich ein gros­ser Unter­schied, ob man aus dem Korn­haus einen Semi­nar­tem­pel macht und damit den Wirt­schafts­stand­ort Bern för­dert oder aber, ob man die 125‘000 Fran­ken in die Kul­tur inves­tiert, die mit Sicher­heit noch mehr Kos­ten ver­ur­sa­chen wird. Es ist also end­lich an der Zeit, dass wir uns um unse­re Kul­tur in Bern öffent­lich und laut Gedan­ken machen. Vor­schlä­ge sind jetzt gefragt, wir brau­chen kei­ne Bes­ser­wis­ser danach.


Foto: zVg.

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 65 Bern, Mai 2008



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