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EDITORIAL Nr. 64 Zürich

Von Lukas Vogel­sang – Bei den Wor­ten «Wirt­schafts­kri­se» und «Dol­lar­kurs» scheint mir ganz Zürich zusam­men­zu­zu­cken. Viel­leicht ist es nur der Früh­lings­schnee oder ein­fach der graue Schlei­er über der Stadt, doch Zürich ist ganz still. Wie eine Käse­glo­cke hängt die Ruhe über der Stadt. Der März for­der­te anschei­nend viel. Zu hof­fen ist, dass sich dies bald ändert! Schliess­lich ist bald Juni und damit beginnt der gros­se Aus­nah­me­zu­stand: Fussball.

Ich weiss nicht, wann es gesche­hen ist, aber die «EM 08» wur­de plötz­lich zur «EURO 08». Als hät­te Fuss­ball etwas mit der Geld­wäh­rung zu tun. Oder habe ich etwas falsch ver­stan­den? Da war doch die­se UEFA-Pos­se mit der MIGROS, wel­che mit ihrer Fan­meis­ter­schaft «M’08» eine wun­der­ba­re Sto­ry lie­fer­te. Und man beden­ke all die Druckerzeug­nis­se und T‑Shirts, wel­che mit dem Namen spiel­ten – doch just ein paar Mona­te nach den gan­zen UEFA-Ein­wän­den und kurz vor dem gros­sen Start heisst es: «EURO 08». Die Meis­ter­schaf­ten schei­nen im Wort­in­halt ver­lo­ren­ge­gan­gen zu sein.

Mei­ne Moti­va­ti­on für Fuss­ball ist nicht über­ra­gend, ich geb’s zu. Seit Jah­ren ist mein ein­zi­ger Sport, den Durch­blick in kul­tu­rel­len Ange­le­gen­hei­ten nicht zu ver­lie­ren – ich sage Ihnen, lie­be Lese­rIn­nen, das ist schon anstren­gend genug. Mein täg­li­ches Kon­di­ti­ons­trai­ning besteht momen­tan dar­in, die Event­agen­da für die Züri-Events zu erfas­sen (kulturagenda.ch). Dabei ist mir auf­ge­fal­len, dass Zürich eigent­lich eine ganz fröh­li­che Stadt sein müss­te. So viel Kaba­rett wie dort spielt man nir­gend­wo, und das mei­ne ich für ein­mal nicht poli­tisch. Dane­ben gibt’s im Ver­hält­nis nur wenig Jazz oder klas­si­sche Kon­zer­te. Viel­leicht wür­de Zürich die nächs­te Kri­se gelas­se­ner neh­men, wenn mehr Swing in den All­tag gebracht wür­de. Das gäbe viel­leicht auch einen gesun­den Aus­gleich zum Lachmuskelkater.


Foto: zVg.

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 64 Zürich, April 2008