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EDITORIAL Nr. 63 Bern

Von Lukas Vogel­sang – Manu­el Gnos, Ver­an­stal­ter im Café Kai­ro und Mit­ar­bei­ter bei der Zei­tung «Bund» hat es auf den Punkt gebracht, als er in einem Inter­net­fo­rum schrieb: «Immer noch ist kei­ne befrie­di­gen­de Lösung in Sachen Aus­geh­zeit­schrift für die Stadt Bern in Sicht – weder für die Mache­rIn­nen noch für die Ver­an­stal­te­rIn­nen.» Dies schrieb er als Reak­ti­on auf die im Febru­ar erfolg­te Kün­di­gung des Chef­re­dak­tors der «Ber­ner Kul­tur­agen­da». Gnos zeigt damit deut­lich, wor­an das The­ma der kul­tu­rel­len Bericht­erstat­tung erkrankt ist: Für wen wird eine Kul­tur­zei­tung pro­du­ziert? Für die Jour­na­lis­tIn­nen, die Poli­ti­ke­rIn­nen oder die Ver­an­stal­te­rIn­nen und Künst­le­rIn­nen? Was ist mit der Leser­schaft, dem Publi­kum? Wem wol­len wir was mit­tei­len? Sind wir Kul­tur-Blatt­ma­cher nur Mario­net­ten und Hand­lan­ger für Kulturschaffende?

Chris­toph Hoi­g­né, als abtre­ten­der Chef­re­dak­tor, wag­te im Inter­view im «Bund», die Arbeits­be­din­gun­gen der Redak­to­rIn­nen bei der «Ber­ner Kul­tur­agen­da» zu kri­ti­sie­ren. Zuviel Arbeit, zuwe­nig Geld, zuviel Gra­tis­ar­beit als Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die Arbeits­struk­tur stimmt nicht. Die­se Kri­tik kommt von einem, der eine Dop­pel­rol­le als Ver­an­stal­ter vom «La Cap­pel­la» und bis anhin als Mit­glied des Vor­stan­des des «Ver­eins Ber­ner Kul­tur­agen­da» inne­hat­te. Im kul­tu­rel­len All­tag sind sol­che Struk­tu­ren nor­mal des­we­gen auch die gros­sen Dis­kus­sio­nen um das natio­na­le Kul­tur­för­de­rungs­ge­setz. Und aus­ge­rech­net hier hat die Stadt sel­ber ein Pro­jekt geschaf­fen oder erzwun­gen, wel­ches die Arbeits­be­din­gun­gen für Kul­tur­schaf­fen­de nicht in den Griff bekommt und deren Arbeit nicht recht wür­digt. Vier Chef­re­dak­to­rIn­nen wur­den in drei Jah­ren regel­recht ver­kocht. Die Zei­chen sind jetzt so deut­lich, dass sogar Alex­an­der Tsch­äppät in der Zei­tung «Bund» (15.02.08) zum ers­ten Mal öffent­lich von einem Pro­blem mit der «Ber­ner Kul­tur­agen­da» sprach, wel­ches die neue Kul­tur­se­kre­tä­rin Frau Vero­ni­ca Schal­ler ab Som­mer zu lösen hät­te: 190‘000 Fran­ken hat die Ber­ner Kul­tur­agen­da 2007 aus der Abtei­lung Kul­tu­rel­les erhal­ten – das sind 85‘000 mehr als bud­ge­tiert und eine Bes­se­rung ist nicht in Sicht, denn die Finan­zie­rung wird ein Fass ohne Boden blei­ben. Trotz­dem: Reagiert und dis­ku­tiert haben immer nur die soge­nannt Betrof­fe­nen: Die Ver­an­stal­te­rIn­nen, Poli­ti­ke­rIn­nen, Jour­na­lis­tIn­nen und Kul­tur­schaf­fen­den. Wo wart ihr in die­ser Zeit, lie­be LeserInnen?


Foto: zVg.

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 63 Bern, März 2008