EDITORIAL Nr. 60 Bern

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Von Lukas Vogel­sang – Ein Bau­stel­len­jahr geht zu Ende. Und damit hof­fent­lich auch vie­le Lügen und Illu­sio­nen, die durch Poli­tik, Wirt­schaft und Medi­en in die Welt gesetzt wur­den. Es war kein ein­fa­ches Jahr – obwohl man uns das immer und immer wie­der erzähl­te. Doch der nächs­te Bör­sen­crash steht vor der Tür. Und irgend­wie fehlt’s an Stim­mung an einer fried­li­chen und zufrie­de­nen Stim­mung. Die­se kön­nen wir weder kau­fen noch in einer Zei­tung zum Mor­gen­kaf­fee kon­su­mie­ren. Da hel­fen auch all die Gra­tis­zei­tun­gen nicht, die uns täg­lich nach­ge­wor­fen wer­den und wir ver­ächt­lich nur noch zu Boden wer­fen. Ich bezweif­le auch, dass unse­re Stim­mung bes­ser wird, wenn wir jeg­li­che Ver­kehrs­re­gel über­tre­ten und mit dem Fahr­rad die bei Rot über die Stras­se hech­ten­den Pas­san­ten anfah­ren. Immer­hin, in Bern besteht die Hoff­nung, dass der Bahn­hofs­platz wie­der begeh­bar wird. Aber wird dadurch das Leben bes­ser? Wer­den wir des­we­gen im 2008 fröh­li­cher wer­den? Wird uns der Fuss­ball- und Sauf­mo­nat Juni mit der EM08 glück­lich machen? Wird das Geschrei je wie­der durch Kin­der­stim­men und Vogel­ge­zwit­scher abgelöst?

Das klingt übel. Aber wir leben schon bald im Jahr 2008 und nichts wird wie­der so sein, wie es vor­her war. Nie mehr. Zwang­haft bewegt sich der Mensch nach vor­ne – und ver­gisst zurück­zu­bli­cken und sich dar­an zu erin­nern, woher er kommt. Und weil nichts wie­der so wer­den wird, wie es war, kön­nen wir nur ver­än­dern, was jetzt noch ist. Jetzt, nicht mor­gen. Dafür gibt es kei­ne Ausreden.

Für ensuite – kul­tur­ma­ga­zin war es ein span­nen­des Jahr und Sie hal­ten die 60ste Num­mer in den Hän­den. In fünf Jah­ren haben wir für Sie ein doch mas­sen­taug­li­ches Kul­tur­ma­ga­zin geschaf­fen, wel­ches azy­klisch in der Medi­en­welt funk­tio­niert und dem Kul­tur­ab­bau und ‑aus­ver­kauf trotzt. Ich hof­fe, dass unser 57-köp­fi­ges Team für Sie eine anstän­di­ge und respekt­vol­le Beglei­tung sein durf­te, und dass wir das eine oder ande­re Erleb­nis oder gar mal eine Erkennt­nis mit­ver­schul­det haben. Und natür­lich freue ich mich mit Ihnen auf das neue, frisch reno­vier­te Jahr 2008. Prosit!


Foto: zVg.

Publi­ziert: ensuite Aus­ga­be Nr. 60 Bern, Dezem­ber 2007



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